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Ski alpin: Riesch verzweifelt an der "Speed-Queen"

Maria Riesch verzweifelt langsam: Trotz einer praktisch fehlerfreien Leistung blieb der Deutschen beim Abfahrtsklassiker in Cortina d'Ampezzo nur Rang zwei hinter "Speed-Queen" Lindsay Vonn. Bei den Herren triumphierte Didier Cuche auf der Streif.

Beim Überqueren der Ziellinie riss Maria Riesch noch jubelnd die Arme in die Höhe, kurz darauf ließ sie die Schultern wieder hängen und schüttelte nur noch ratlos den Kopf. Denn trotz einer praktisch fehlerfreien Leistung blieb der 25-Jährigen beim Abfahrtsklassiker in Cortina d'Ampezzo nur Rang zwei - Lindsey Vonn war wieder schneller. "Ich kann definitiv sagen, dass sie heute mit Sicherheit nicht zu schlagen war. Nach der zweiten Zwischenzeit habe ich noch gedacht: Das wär ja mal was", erzählte Riesch am Samstag. "Aber vier Zehntel im unteren Teil rauszufahren, ich weiß nicht, wie sie das macht. Ich hatte keinen Fehler, hab auf alle anderen Zeit gut gemacht und dann kommt sie. Ich kann mir das nicht erklären."

20 Tage vor Beginn der Olympischen Winterspielen in Vancouver bringt Vonns Speed-Dominanz ihre Ski-Freundin aus Partenkirchen langsam aber sicher zur Verzweiflung. "Es ist einfach frustrierend, wenn es so schwierig ist, Rennen zu gewinnen", klagte Riesch. Frust schob auch ihre Teamkollegin Gina Stechert. Die Oberstdorferin, die noch nicht an die Form vor ihrem Kreuzbandriss anknüpfen kann, verpasste als 14. ihre letzte Chance zur Olympia-Qualifikation.

Riesch hakt Gesamtweltcup ab


Riesch hakte trotz ihrer starken Leistung und nur 76 Punkten Rückstand auf Vonn (1094) indes den Gesamtweltcup praktisch ab: "Ich habe mich eigentlich damit abgefunden, dass es damit nichts wird, wenn alles normal läuft." Unerreichbar scheint Vonn vor allem im Speed-Bereich: Alle fünf bisherigen Weltcup-Abfahrten des Winters hat sie gewonnen. Saisonübergreifend gelangen ihr wie zuletzt der Amerikanerin Picabo Street Mitte der 90er Jahre sogar sechs Schussfahrt-Siege hintereinander. Mit ihrem Erfolg im Super-G am Freitag stand sie in sieben von neun Speed-Rennen der Saison ganz oben auf dem Podest.

Bei den Herren beherrschte Didier Cuche die Streif auch 24 Stunden nach seinem Super-G-Sieg am besten, für Stephan Keppler endete der Angriff bei der legendären Kitzbüheler Abfahrt dagegen im Fangzaun. Einen Tag nach dem gelösten Olympia-Ticket übersah der 26- Jährige an der Hausbergkante eine Bodenwelle und kam zu Fall. Ein Schreckmoment für das deutsche Alpin-Lager, bis über Funk die Entwarnung eintraf: Der Speedfahrer zog sich keine ernsten Verletzungen zu. Zwar zwickte Kepplers Rücken nach dem harten Aufprall "ein bisschen", aber in der am Freitag gestarteten Vancouver-Vorbereitung stört ihn das nicht. "Ich geh trotzdem mit 'nem guten Gefühl hier weg und das ist das Wichtigste. So ein Sturz macht mir nicht viel", erklärte der Ebinger.

Didier Cuche "ist verrückt"


Viel Mut und Risikobereitschaft war bei den Abfahrern am Samstag beim Klassiker gefragt, und wie am Vortag war Cuche für die Konkurrenz zu schnell. Am nächsten kamen ihm vor über 30.000 Zuschauern noch der Überraschungszweite Andrej Sporn (Slowenien) und der ebenfalls nicht hoch gewettete Drittplatzierte Werner Heel (Italien). Aber den Platz ganz oben auf dem Podest hatte der 35 Jahre alte Schweizer an diesem Wochenende für sich reserviert. "Du bist verrückt, zweimal hier zu gewinnen ist unglaublich", raunte ihm noch im Zielraum der Kroate Ivica Kostelic zu, der selbst nach Rang sieben in der Abfahrt nun im Slalom am Sonntag nach dem Sieg in der Kitzbüheler Kombinationswertung greift.

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