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Ski-WM: Kampf um Garmisch-Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen ist für seine Streitlust bekannt, seit die Ortschaft vor 76 Jahren vereinigt wurde. Jetzt startet die Ski-WM und im Hintergrund tobt der Streit um die Olympia-Bewerbung weiter. Die Organisatoren hoffen auf ein glanzvolles Ski-Fest, um den Gegner den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Von Elisabeth Schlammerl, Garmisch-Partenkirchen

Eröffnungsfeiern bei alpinen Ski-Weltmeisterschaften sind in der Regel eher schmucklose Veranstaltungen. Athleten meiden sie, und das nicht nur wegen der Erkältungsgefahr. Außer in Österreich, wo der Skisport ein ähnliche große Bedeutung hat wie hierzulande Fußball, reist wegen einer derartigen Zeremonie nirgendwo ein Regierungsschef quer durchs Land. Was der Präsident des Internationalen Skiverbandes Fis, Gian-Franco Kasper, grundsätzlich davon hält, erklärte er recht eindrücklich: "Die beste Eröffnungsfeier war damals in Saalbach. Die wurde abgesagt, das war äußerst angenehm und schnell."

In Garmisch-Partenkirchen ist vieles anders. Die Veranstalter wollen ein richtiges Spektakel mit vielen Athleten. Sie engagierten mit der Österreicherin Elisabeth Görgl eine der besten Skirennläuferinnen als Interpretin des offiziellen WM-Songs und Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt extra von Berlin ins Werdenfelser Land. Sie wies in ihrem wöchentlichen Videoblog auf die Wichtigkeit der Schnee-Festspiele hin. Die WM finde vor einem "ganz besonderen Hintergrund" statt. Sie sei wegweisend im Hinblick auf die deutsche Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018.

Verquickung mit einem viel größeren Ereignis


Der Kampf um die Goldmedaillen bei diesen Titelkämpfen ist verquickt mit einem viel größeren Ereignis, von dem noch nicht einmal fest steht, ob München mit Garmisch-Partenkirchen und Königssee überhaupt den Zuschlag bekommt. Trotzdem gibt es schon reichlich Diskussionen, vor allem in Garmisch-Partenkirchen. Der Ort am Fuße der Zugspitze ist berühmt für Zwist. Seit dem vor 76 Jahren Garmisch und Partenkirchen zwangsvereinigt worden waren, herrscht Uneinigkeit. Aber dieses Mal geht der Streit über die Grenzen der Ortsteile hinweg. Die einen sind für Olympia, denn sie sehen die größte Sportveranstaltung der Welt als große Chance für den Ort. Thomas Grasegger gehört zu den Olympia-Befürwortern, der Besitzer eines großen Trachtengeschäfts sagt, man habe "in vielen Bereichen die Zukunft verschlafen". Die anderen sind dagegen und führen ökologische und finanzielle Gründe an. Vorreiter der Widerstandsbewegung ist Axel Döring, Förster und Naturschützer. Er kündigte ein Bürgerbegehren an.

Unterstützung bekommt er von ein paar Grundstückseigentümern, die sich schlecht informiert und herablassend behandelt fühlten und vor allem deshalb partout ihre Flächen nicht für mögliche Olympische Winterspiele zur Verfügung stellen wollen. Vor Weihnachten eskalierte der Streit, der im Herbst schon beigelegt schien. Insgesamt lehnen sich rund 60 Grundbesitzer gegen die Bewerbung auf. Sie finden, dass Olympischen Spiele "eine Nummer zu groß" sind für Garmisch-Partenkirchen, und verlangten deshalb von der Bayerischen Staatsregierung, die Bewerbung zurückzuziehen. Was natürlich nicht passierte. Durch ihren Anwalt, der mittlerweile durch seine Medienpräsenz prominenter ist als so mancher deutscher Skirennläufer bei der WM, ließen sie dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge mitteilen, dass die Funktionsfähigkeit wichtiger Sportstätten nicht gegeben sei.

In München sieht man es gelassen


Das haben natürlich nicht die Grundstücksbesitzer zu entscheiden, sondern das IOC. Ohnehin sieht man in München die Angelegenheit erstaunlich gelassen. Nur eine Handvoll der Rebellen, betont die Bewerbergesellschaft immer wieder beschwichtigend, sei relevant für die Olympia-Planungen. Außerdem gebe es schon einen Plan B. Darin war bis vor kurzem allerdings nicht der Pistenabschnitt im Zielbereich der Kandaharstrecke enthalten. Dessen Besitzer vermietet seine Wiese zwar für den Touristenskilauf und nach harter Verhandlung auch für die WM, aber er werde, ließ er wissen, sie niemals für Olympia freigeben. Bürgermeister Thomas Schmid wischt nun aber auch dieses Problem beiseite: "Dann verlegen wir das Ziel der Kandahar eben etwas nach oben, das ist kein Problem."

In München hoffen sie dennoch darauf, dass die Ski-WM wieder für etwas mehr Einigkeit sorgen könnte – und dass man sich als guter Veranstalter präsentiert. "Wenn die Weltmeisterschaften perfekt ablaufen, ist das eine gute Visitenkarte für die Kandidatur", sagt Kasper, der zu den 150 IOC-Mitgliedern gehört, die am 6. Juli in Durban über die Olympia-Vergabe entscheiden werden. Aber er fügte auch hinzu. "Höchstwahrscheinlich ist es nicht die entscheidende Frage", denn viele Mitglieder im "Alt-Herren-Club", wie Kasper das IOC bezeichnete, würden sich die WM wohl nicht anschauen.

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