Skiflug-WM Blech statt Bronze


Kurz vor seinem 23. Geburtstag erlebte Georg Späth eine der größten Enttäuschungen seiner Laufbahn. Mit dem letzten Versuch bei der Skiflug-WM in Planica flog der Oberstdorfer aus den Medaillenrängen. Weltmeister wurde der Norweger Ljökelsöy.

Mit dem vierten und letzten Versuch ist Georg Späth bei der Skiflug-WM in Planica aus den Medaillenrängen geflogen. Drei Tage vor seinem 23. Geburtstag erlebte der Oberstdorfer eine der größten Enttäuschungen seiner noch jungen Laufbahn. "Der vierte Platz ist immer blöd, ausgesprochen undankbar", kommentierte der Allgäuer etwas wortkarg. "Entscheidend war der dritte Durchgang, bei dem ich beim Absprung so einen technischen Fehler wie lange nicht gemacht habe. Da habe ich mir selbst die Medaille aus der Hand geschlagen", fügte er hinzu. Am Ende fehlten Späth 4,2 Punkte oder 3,5 Meter zum dritten Platz.

Roar Ljökelsöy als "König der Lüfte"

Neuer Weltmeister und damit Nachfolger von Sven Hannawald als "König der Lüfte" wurde der nach dem ersten Flugtag nur auf Rang vier liegende Norweger Roar Ljökelsöy. Hannawald, der große Hoffnungen in die von ihm geliebte größte Schanze der Welt gesetzt hatte, erlebte vor 30 000 Zuschauern eine erneute Pleite und stürzte als 17. wohl endgültig für diesen Winter ins Mittelmaß ab. "Ich bin froh, dass ich morgen im Team springen darf. Hoffentlich langt es da zu einer Medaille", beschrieb der einstige "Überflieger" aus Hinterzarten seine deutlich nach unten geschraubten Erwartungen.

Am Samstag gelangen Ljökelsöy, dem 27-jährigen Studenten aus Trondheim, mit 222 m bei der perfekten Flugshow im ersten Versuch sowie mit 210,5 m bei immer stärker werdendem Schneefall im zwei Mal neu gestarteten zweiten Durchgang jeweils die Bestweiten. "Das waren zwei perfekte Sprünge", sagte der neue Weltmeister, der vor zwei Wochen bereits das Skifliegen in Oberstdorf gewonnen hatte und nach 16 Jahren wieder den Flugtitel für Norwegen erkämpfte. Der psychisch Stärkste des Springerfeldes siegte mit 832,1 Punkten für Flüge von 191,5, 221,5, 222 und 210,5 m. Zweiter wurde der Finne Janne Ahonen (814,1) vor seinem Team-Kollegen Tami Kiuru (813,0).

Späth hatte sein Polster von 14,5 Punkten vom Tagessieg am Freitag mit neuem deutschen Rekord von 225 m bereits im ersten Flug am Samstag eingebüßt, als er nur auf 202,5 m kam, während die Medaillen- Mitbewerber bei der 220-m-Marke landeten. "Da war aber trotzdem noch Edelmetall drin", räumte der Oberstdorfer ein. Doch im vierten Versuch landete er nur bei 195,5 m. "Vier Flüge an zwei Tagen sind doch eine größere Belastung als ein normaler Wettkampf. Dass ich den coolen Vorsprung eingebüßt habe, war eine bittere Erfahrung", bestätigte Späth. "Vielleicht ist der Schorschi doch schon mit dem Weltmeistertrikot im Kopf rumgelaufen. Er war ja zum ersten Mal in einer solchen Situation", bemerkte Bundestrainer Wolfgang Steiert.

Späth mit Angriffslust

"Klar bin ich enttäuscht, doch jetzt kann es nur ein Ziel geben: Am Sonntag eine Medaille im Mannschaftsspringen", gab sich Späth wenig später wieder angriffslustig. Er wird am Sonntag als erster der vier deutschen Springer den Wettkampf um 10.15 Uhr eröffnen. Steiert hat die Mannschaft auf Angriff eingestellt und lässt seine derzeit Stabilsten in den ersten beiden Gruppen fliegen. Nach Späth soll Michael Uhrmann (Rastbüchl), der die Einzel-Konkurrenz als 10. beendete, das Team auf Medaillen-Kurs halten. Danach folgen Martin Schmitt (Furtwangen), der mit einem 200-m-Flug bei der ungewohnten Rolle als Vorspringer Selbstvertrauen tankte, und Sven Hannawald.

Uwe Jentzsch DPA

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