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Vierschanzen-Tournee: Uhrmann in Topform

Erfolgreiche Qualifikationsrunde in Oberstdorf: Insgesamt schafften sieben Deutsche den Sprung ins Feld der 50 Wettbewerbsspringer. Michael Uhrmann avancierte dabei mit einer tollen Leistung zu einem der Top-Favoriten.

Michael Uhrmann greift bei der 54. Vierschanzentournee nach einem Platz auf dem Podest. Bei der Qualifikation zum Auftaktspringen in Oberstdorf kam er am Mittwoch auf 137,5 m und war damit Zweitbester. Der deutsche Vorzeigeadler erhält aber rechtzeitig Unterstützung aus dem eigenen Lager. Alexander Herr präsentierte bestechend stabile Sprünge, Georg Späth weist aufsteigende Form nach. Beim Training und vor allem in der Qualifikation waren die beiden gestandenen Springer des Deutschen Skiverbandes (DSV) als Neunter bzw. Achter neben Uhrmann die besten Athleten des Gastgeberlandes.

Den weitesten Sprung der Qualifikation stand der Österreicher Andreas Widhölzl, der bei 142,5 m und damit nur einen Meter unter Schanzenrekord landete. Er muss nun im k.o.-Wettkampf am Donnerstag gegen Weltcup-Spitzenreiter Jakub Janda (Tschechien) antreten.

Sieben Deutsche unter den Besten

Insgesamt schafften sieben Deutsche den Sprung ins Feld der 50 Wettbewerbsspringer. Neben Uhrmann (Rastbüchl), Späth (Oberstdorf) und Herr (Schonach-Rohrhardsberg) qualifizierten sich Michael Neumayer (Berchtesgaden) als 20., Maximilian Mechler (Isny/33.), Martin Schmitt (Furtwangen/37.) und Julian Musiol (Oberhof) als 48.

Uhrmann unterstrich seine Anwartschaft auf einen vorderen Platz in der Gesamtwertung mit einem Satz auf 137,5 m. "Ich springe einfach drauflos und sehe, was dabei raus kommt", nannte er sein derzeitiges Erfolgsrezept. Trotzdem spürt er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit: "Ich habe mehr Druck als in den vergangenen Jahren, weil ich weiß, dass auf mich geschaut wird", sagte der Bayer, der sich vor allem im Schnellkraftbereich verbessert hat. Nun hofft er auf gute Bedingungen am Donnerstag: "Wenn ich da den gleichen Platz erreiche, bin ich sehr zufrieden", betonte Uhrmann.

"Ich will irgendwann mal gewinnen"

Besonders zufrieden war Alexander Herr, der nach den vielen Pleiten der jüngeren Vergangenheit aber auf die Euphoriebremse trat. "Heute war es nur Monopoly, es wurde noch nicht mit richtigem Geld gespielt", sagte der 27-Jährige. Bereits im Training deutete er an, dass mit ihm zumindest in Oberstdorf zu rechnen sein wird. "Ich habe im Training vor Weihnachten mein Flugsystem geändert, das hat mich weiter gebracht. Die Konstanz ist da, die Form auch", sagte Herr und kündigte an: "Ich will irgendwann mal gewinnen, wieso sollte ich dann hier nicht um den Sieg mitspringen?" Bundestrainer Rohwein lobte seine Stabilität. "Die Sprünge hier sind kein Zufallsprodukt, das ist sein wahres Potenzial."

Auch bei Späth war das Aufatmen nach seinem Sprung auf 130,5 m unüberhörbar. "Ich will nicht sagen, dass der Knoten geplatzt ist, aber die Ausgangsposition ist nun bedeutend besser. Ich hoffe, wir können den Michi Uhrmann etwas entlasten", meinte der Lokalmatador.

"Es ist noch nicht alles in Butter"

Martin Schmitt dagegen war froh, trotz schlechter Bedingungen bei seinem Versuch die Qualifikation geschafft zu haben. "Es ist noch nicht alles in Butter. Ich hatte ein ungutes Gefühl, muss also weiter an mir arbeiten. Ich habe eine bestimmte Erwartungshaltung, will mich aber nicht mit bestimmten Platzierungen unter Druck setzen", sagte der Schwarzwälder, dem das Sondertraining der Vorwochen gut tat.

Verzichten muss das deutsche Team in Oberstdorf auf Jörg Ritzerfeld. Der Oberhofer hatte sich am vergangenen Donnerstag im Training eine Innenbandzerrung und Kapselverletzung im linken Knie zugezogen. "Ich habe es versucht, aber es geht nicht", sagte der Thüringer am Mittwoch enttäuscht. Ob er beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen wieder im Wettkampf stehen kann, ist ungewiss.

Gerald Fritsche und Eric Dobias/DPA / DPA

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