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SKISPRINGEN: Hannawald: Die neue Macht im Adlerhorst

Sven Hannawald hat die Rolle als »Vorflieger« übernommen. Während Martin Schmitt mit Formproblemen kämpft, hat sich »Hanni« in die Favoritenrolle katapultiert.

Keine Frage, Sven Hannawald hat im Team der deutschen Skispringer die Rolle als »Vorflieger« übernommen. Während der viermalige Weltmeister Martin Schmitt bei der 50. Vierschanzentournee noch immer mit Material- und Formproblemen kämpft, hat sich »Hanni« mit seinen zwei Erfolgen in die Favoritenrolle katapultiert. Dem Hinterzartener ist sogar der Gesamtsieg zuzutrauen. Damit wäre er seit Jens Weißflog 1996 der erste Deutsche, der die prestigeträchtigste Skisprung-Veranstaltung der Welt für sich entscheidet. »«ch freue mich für Sven, dass er den Nimbus gebrochen hat, er sei kein Siegspringer. Er hat deutlich untermauert, dass dies nicht der Fall ist», verteilte Bundestrainer Reinhard Heß ein Extra-Lob an seinen neuen «Super-Adler».

Sechskampf um die Spitze

Aus dem angekündigten Duell zwischen Schmitt und dem vor der Tournee übermächtig erscheinenden polnischen Weltcup-Spitzenreiter Adam Malysz ist bei Halbzeit der Jubiläumsveranstaltung ein spannendender Sechskampf geworden. Neben Hannawald und Malysz dürfen sich auch die beiden Österreicher Andreas Widhölzl und Martin Höllwarth sowie der Finne Matti Hautamäki und der kleine Schweizer Simon Ammann Hoffnungen auf den »Grand Slam« machen.

»Hanni« bleibt Favorit

Die besten Karten hält der 27-jährige Schwarzwälder in den Händen, der davon trotz seines Vorsprungs von 19,9 Punkten auf Vorjahressieger Malysz noch nichts wissen will. »Ich verschwende keinen Gedanken an die Gesamtwertung«, sagte Hannawald, der von seinem Höhenflug selbst am meisten überrascht ist: »Ich hätte nie gedacht, dass ich zwei Mal gewinnen kann.«

Schwitzen für den Erfolg

Um für die beiden noch ausstehenden Springen gerüstet zu sein, musste »Hanni« wie auch die anderen deutschen Athleten am Ruhetag »unter das Eisen«. Im Kraftraum des Olympiastützpunktes direkt hinter dem Schanzenauslauf, wo Hannawald 20 Stunden zuvor ein Freudentänzchen nach seinem ersten Karriere-Erfolg in Garmisch-Partenkirchen aufgeführt hatte, schwitzte der Skiflug-Weltmeister am Mittwochvormittag auch das letzte Gläschen Sekt heraus, das er am Vorabend bei einer kleinen Feier in der Garmischer Disco »Peaches« genippt hatte.

Team im Vordergrund

Trotz seiner Erfolge möchte Hannawald die Macht im deutschen Adlerhorst gar nicht haben. »Wir sind eine Gruppe, in der jeder gleichberechtigt ist«, stellte er klar. Doch das Interesse konzentriert sich derzeit ganz auf den Skiflug-Weltmeister des Jahres 2000, da Martin Schmitt nach drei guten Jahren im Leistungstief steckt. »Für mich ist es ganz gut, dass Sven vornweg springt. Wäre er in der gleichen Verfassung wie ich, würden wir viel Prügel einstecken - und am meisten vermutlich ich. Wenn man im Loch ist, muss man seine Ziele neu setzen«, schraubt der 23-Jährige die vor Saisonbeginn formulierten Ansprüche zurück. Statt um den Tourneesieg kämpft Schmitt bei den letzten beiden Springen um ein Tagesergebnis unter den Top-Drei, »damit ich die Tournee mit einem guten Gefühl verlassen kann«.

Neue Schanze in Österreich

Erste Gelegenheit bietet sich am Freitag auf der neuen Bergisel-Schanze in Innsbruck, die für den gesamten Tournee-Tross das große Fragezeichen ist. Der Olympia-Bakken von 1976 wurde im vergangenen April gesprengt. An seiner Stelle entstand eine moderne größere Schanze, die Weiten bis 135 Meter zulassen soll. Die Schanze ist derzeit zwar noch eine Baustelle, doch Mitte Dezember gab es grünes Licht für die Konkurrenz. Die Genehmigung für 22 000 Zuschauer erhielt der ausrichtende Verein des Bergisel-Springens als vorgezogenes Weihnachts-Geschenk, nachdem zwischenzeitlich sogar ein Wettkampf ohne Besucher im Gespräch war.

Erstmals gesprungen wurde am 1. Januar im Training für den Continentalcup, bei dem sich am Mittwoch der zweitplatzierte Oberwiesenthaler Dirk Else als achter DSV-Springer für die abschließenden zwei Konkurrenzen qualifizierte. »Bisher kennen wir die Schanze nur als Baustelle vom vorbeifahren. Ich finde es okay, dass 22 000 Zuschauer kommen dürfen und die Anlage hoffentlich wieder in einen Hexenkessel verwandeln2, blickt Sven Hannawald der nächsten Bewährungsprobe entgegen.

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