SPORT Bestechungsskandal erschüttert Sportwelt


Das heute in Konkurs gegangene Schweizer Marketing-Unternehmen ISMM/ISL soll über Jahre hinweg Funktionäre des Weltsports bestochen haben.

Das heute in Konkurs gegangene Schweizer Marketing-Unternehmen ISMM/ISL soll über eine Stiftung in Liechtenstein über Jahre hinweg Funktionäre des Weltsports bestochen haben. Im Mittelpunkt der Affäre steht nach übereinstimmenden Zeitungsberichten der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA), Joseph Blatter. Der 65 Jahre alte Schweizer sei von ISL-Managern unter Druck gesetzt worden, die Verträge mit der in Zug ansässigen ISMM-Gruppe nicht zu kündigen. Anderenfalls würden »unliebsame Informationen über sein Geschäftsgebaren an die Öffentlichkeit gelangen«, berichtet die »Berliner Zeitung«.

Haltlos

Markus Siegler, seit dem 1. Mai persönlicher Sprecher von Blatter, wertete die Vorwürfe »im Namen von Herrn Blatter« als »Verleumdung«. Sie entbehrten jeder Grundlage. »Weder die FIFA noch Herr Blatter hatten eine Kenntnis von der Stiftung.« Alle Fragen seien an die ISMM-Gruppe zu richten. »Präsident Blatter ist im Augenblick in besonderer Weise gefordert, die Folgen des Konkurses für die FIFA zu bewältigen. Und das ist ganz und gar nicht einfach.«

ISL hatte von der FIFA die Marketing- und TV-Rechte an den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 erworben und den Herren des internationalen Fußballs 2,8 Milliarden Mark erworben. Diesen Vertrag hatte die FIFA in der vergangenen Woche gekündigt, nachdem ein Rettungsversuch von ISMM/ISL durch den französischen Mischkonzern Vivendi gescheitert war. Darauf ordnete der Richter die Liquidation des Unternehmens an. Blatter hatte bis zuletzt ein großes Interesse an dem Überleben der ISMM-Gruppe gezeigt.

Hohe Funktionäre bestochen

»Süddeutsche Zeitung« und »Berliner Zeitung« berichten jetzt übereinstimmend von der Existenz einer mit 60 Millionen Schweizer Franken ausgestatteten Stiftung von ISMM/ISL unter dem Namen »Nunca«. Diese Einrichtung sei »zum Schmieren der Türangeln auf höchster Sportverbandsebene bestimmt gewesen«, schreibt die »Süddeutsche Zeitung«. Laut »Berliner Zeitung« sollen über die Stiftung »zahlreiche hohe Funktionäre bestochen worden sein, darunter Präsidenten von Weltsportverbänden und IOC-Mitglieder«. Als die finanzielle Schieflage dramatisch wurde, soll die ISMM-Gruppe versucht haben, eine Restsumme der Stiftung in Höhe von 17 Millionen Schweizer Franken zurück zu transferieren.

Die Marketingrechte für die Weltmeisterschaften im Wert von einer Milliarde Mark will der Weltverband nun über eine eigene Agentur verkaufen. Für die außereuropäischen TV-Rechte hat die Kirch-Gruppe für die nächsten 30 Tage eine Option, sie für 1,8 Milliarden Mark zu erwerben. Das Münchner Unternehmen besitzt bereits die europäischen Fernsehrechte.

Stimmenkauf?

Der in große Bedrängnis geratene Blatter war 1998 als Nachfolger des Brasilianer Joao Havelange zum FIFA-Präsidenten gewählt worden. Gerüchte, sein Wahlsieg über den Schweden Lennart Johansson beim FIFA-Kongress sei durch Stimmenkauf zu Stande gekommen, konnten damals nicht erhärtet werden. Havelange wie auch Blatter hatten enge Kontakte zu ISL und dessen Gründer Horst Dassler gepflegt. Inwieweit Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in die Affäre verwickelt sein könnten, ist bisher unklar.

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