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Steffi Nerius: "Ich hatte gar nicht vor, so weit zu werfen"

Die Olympia-Zweite stellte in der Qualifikation in Helsinki gleich mit ihrem ersten Versuch eine persönliche Bestleistung auf.

Mit 66,52 Meter empfahl sie sich für das Finale am Sonntag. Die Leverkusenerin staunte über sich selbst: "Ich hatte gar nicht vor, so weit zu werfen." Nach ihrer harschen Kritik an Verbandspräsident Clemens Prokop war sie in die Schlagzeilen geraten. "Das hat mich zwei, drei Tage schon belastet. Aber jetzt bin ich voll hier."

Kein halber Meter fehlt Nerius noch zum deutschen Rekord der Berlinerin Tanja Damaske, die am 4. Juli 1999 in Erfurt 66,91 Meter erzielt hatte. Nun will die 33-Jährige bei der Medaillenvergabe den große Wurf landen. Die kubanische Weltrekordlerin Osleidys Menendez und deren Teamkollegin Sonia Bisset sieht sie dabei als größte Konkurrentinnen an. Auch die Offenburgerin Christina Obergföll zog in den Endkampf ein.

Vip-Bereich und Champagner trinken

"Ich bin nicht hier, um anderen etwas zu beweisen. Deshalb lasse ich mich davon nicht unter Druck setzen", betonte Nerius. Nachdem sie dem DLV-Präsidenten Prokop in einem Interview das Interesse an der Leichtathletik abgesprochen hatte, war es am Montag zu einem klärenden Gespräch zwischen dem Leiter des Amtsgerichts in Kelheim und der "Leichtathletin des Jahres 2004" gekommen. "Ich habe ihn nie angreifen wollen", sagte Nerius erneut. Sie habe sich von Prokop seine Aufgaben erklären lassen. "Wir hatten einfach manchmal das Gefühl, er sitzt im VIP-Bereich und trinkt Champagner", erklärte die deutsche Meisterin ihre inzwischen überholte Sichtweise.

"Damit ist das jetzt erledigt und ich bin hier, um weit zu werfen", sagte Nerius noch. "Terve Helsinki" stand auf ihrem Stirnband: "Hallo Helsinki". Nachdem die Finnen bei der Männer- Entscheidung leer ausgingen, will Nerius das speerwurfverrückte Volk am Sonntag auf ihre Seite ziehen: "Ich liebe es, in Finnland zu werfen."

Ihre Zimmerkollegin im Athletendorf hat es ihr vorgemacht, wie man bei der WM ganz groß rauskommt: "Wir sind super gute Freundinnen", sagte Nerius über Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch. Die beiden kennen sich seit gemeinsamen Sportschulzeiten 1985 und telefonieren fünf bis acht Mal in der Woche.

"Franka kann sich zwei Tage in Ruhe freuen. Dann bin ich an der Reihe", sagte die Diplom-Sportlehrerin lächelnd. Nach dem Triumph der Neubrandenburgerin habe sie vergangene Nacht erst einmal die Zimmertür dekoriert. "Um Viertel nach zwei kam sie nach Hause. Aber sie hat sich zusammengerissen, weil sie wusste, dass ich heute meine Quali habe", sagte Nerius. Übrigens könne Dietzsch "überhaupt nicht Speer werfen. Aber ich ein bisschen Diskus".

Ulrike John/DPA

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