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Leichtathletik-WM: Diskus-Hüne Harting sorgt für Eklat

Wieder einmal Aufregung um Robert Harting. Der Diskus-Hüne sorgte mit einer verbalen Entgleisung gegenüber einer Aktion des Dopingopfer-Hilfe-Vereins (DOHV) für Aufsehen. Sportlich startete die deutsche Medaillenhoffnung hingegen mit Bravour in die WM.

Seiner sportlichen Aufgabe entledigte er sich mit Bravour, dann vergriff sich Robert Harting erneut im Ton und sorgte für einen Eklat. "Wenn der Diskus auf dem Rasen aufspringt, soll er gleich gegen eine der Brillen springen, die die Doping-Opfer hier verteilt haben. Aber ich bin kein Mörder, ich will nur, dass sie wirklich nichts mehr sehen", erklärte der Berliner in der Mixed-Zone den verblüfften Journalisten, nachdem er mit der Bestweite von 66,81 Metern den Einzug ins Diskus-Finale der Leichtathletik-Weltmeisterschaften am Mittwoch gleich im ersten Wurf geschafft hatte. "Ich finde diese Äußerungen unsäglich", sagte Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes DLV. Zu möglichen Konsequenzen wollte er sich am Dienstag nicht äußern.

Harting spielte mit seinen Äußerungen auf die Aktion des Dopingopfer-Hilfe-Vereins (DOHV) an, der während der WM 20.000 Papp-Brillen im Olympiastadion und am Brandenburger Tor verteilen lässt, um auf den weiter stattfindenden Missbrauch verbotener Mittel aufmerksam zu machen. "Diese Äußerungen sind eine optimale Werbung für unsere Aktion. Harting sagt damit sehr deutlich, was bei ihm und in seinem Sport los ist", erklärte die frühere Weltklasse-Sprinterin Ines Geipel, die sich als Sprecherin der in der DDR gedopten und geschädigten Athleten profiliert hat, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

"Es wundert mich nicht, was Harting da ablässt. Es zeigt wieder, wes Geistes Kind er ist. Auch in seinen Äußerungen zur Freigabe von Doping ist er ja schon zurück gerudert", sagte Uwe Trömer, der durch Doping schwer geschädigte frühere DDR-Bahnradsportler. "Ich wünsche Harting, dass er Weltmeister wird, aber ich wünsche mir auch, dass er mal über ein paar seiner Äußerungen nachdenkt. Außerhalb des Diskusrings zeichnet er sich nicht durch Fairness aus", beklagte Trömer.

Hartings Frust auf den DLV

Bereits unmittelbar vor den Titelkämpfen hatte Harting mit seinen umstrittenen Forderungen über eine eingeschränkte Freigabe von Doping-Mitteln im Verband für Kopfschütteln gesorgt. Später räumte er ein, "leichtgläubig gehandelt" zu haben. "Es ist offensichtlich, dass ich natürlich nicht für Doping stehe." Er habe lediglich den Sinn des Antidoping-Kampfes in Relation zwischen Aufwand und Nutzen infrage gestellt, erklärte er auf seiner Homepage derharting.de.

Der Frust Hartings auf den DLV rührt unter anderem von der angespannten Situation um seinen Trainer Werner Goldmann her, dessen Vertrag im Winter vom Verband nicht verlängert worden war. Goldmann war durch Aussagen seines Ex-Schützlings Gerd Jacobs wegen seiner Verwicklungen in das DDR-Doping belastet worden, hatte dies aber immer geleugnet. Inzwischen deutet aber vieles auf eine Weiterbeschäftigung von Goldmann hin. Dagegen hatten sich die DDR-Doping-Opfer vehement gewehrt. Das Verfahren vor dem Arbeitsgericht ist aber noch nicht abgeschlossen. Goldmann durfte im Vorjahr nicht zu Olympia nach Peking reisen.

Bereits im Vorfeld der Diskus-Entscheidung hatte Harting auch mit weiteren provozierenden Äußerungen DLV-Funktionäre mit Präsident Prokop an der Spitze scharf attackiert und ihnen Untätigkeit vorgeworfen. Bereits im Trainingslager Kienbaum hatte der 2,01 Meter große Diskus-Hüne angedeutet, dass dies nur das Vorgeplänkel einer Generalabrechnung nach der WM-Entscheidung sein könnte. "Ich genieße nicht die Wertschätzung, die ich verdiene", reklamierte er.

Am Dienstag räumte Harting jedoch ein, die Resonanz seiner Sprüche nicht richtig eingeschätzt zu haben. "Ich habe die Wirkung des Wortes unterschätzt. Aber die Leute, die das an den Kopf kriegen, sollten sich ruhig mal Gedanken machen", sagte er in der Mixed-Zone und räumte zugleich ein: "Ich pushe mich natürlich mit solchen Sachen." Er habe jetzt die "richtige Dosis Adrenalin", meinte er mit Blick auf das Finale.

Frank Thomas/DPA / DPA

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