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Tagebuch vom 24.06.: Einmal am Tag gerade stehen ...

Die 'Uca' ist in eine Gegend mit viel Wetter gekommen ... vor allem wechselt es häufig. Das heißt harte Arbeit an den Segeln. Egal - denn Segler kennen sowieso kaum mehr als ein Thema und kommen von Erbsen immer auf Schoten.

Dienstag, 24.6.

Heute zum ersten Mal gedacht, wie es wäre, zu duschen oder einmal am Tag gerade zu stehen. Ein schöner Gedanke. Ungefähr wie der, einen Maybach zu besitzen oder eine Villa im Tessin. Die Gegend hier ist reich an Wetter. Regen, viel Wind, Segelwechsel, Regen, wenig Wind, Segelwechsel, so vergeht der Vormittag. Und der Nachmittag verläuft genau andersherum. Ein Tag, an dem wir nicht aus dem Ölzeug herauskommen. Immer wieder werden Wolkenschwämme über der 'Uca' ausgedrückt.

Einmal kommt der Wind sehr plötzlich mit 25 Knoten, der Gennaker steht noch und das Boot wird so auf die Seite gedrückt, dass der Baum in den Wellen schleift. Für weitere Abwechslung sorgt die Mahlzeit warm (Erbsensuppe hochkalorisch), kalt (Powerriegel, genannt Arschverkleber) sowie die Bordkonversation. Die ist etwas stereotyp. Segler sind wie Zeugen Jehovas. Sie kennen nur ein Thema. Beginnt ein Gespräch bei Erbsen, ist es spätestens zwei Minuten später bei Schoten.

Man lernt. Besonders viel von Juan Vila. Er hat die meiste Erfahrung auf hoher See und langen Strecken. Und er hat einen traumhaft sicheren Instinkt dafür, ob ein Segelwechsel noch lohnt, oder das Abwarten der nächsten Wolkenwand klüger ist.

So findet die 'Uca' immer mehr zu ihrem Element. Wie eine langbeinige Läuferin prescht sie durch die Wellen, 14, 15, 16 Knoten schnell. Natürlich ist sie ein ultramodernes Schiff, ein Hightech-Ensemble aus Karbon, Spezialstahl und Elektronik. Aber gleichzeitig ist sie ein kollektiver Schatz an Erfahrung der Menschheit im Umgang mit Wind und Meer. Deswegen besitzt dieses hochmoderne Schiff zugleich eine uralte Seele. Fliegender Schaum, rauschende graue See - fly, 'Uca', fly!

Peter Sandmeyer
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