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Tennis: Der "Tommynator" ist zurück

Einen Monat vor Beginn der US Open kommt Tommy Haas immer besser in Tritt. In L.A. triumphierte der Deutsche nach hartem Kampf und sicherte sich seinen dritten Titel in 2006.

In der Traumfabrik Los Angeles hat Thomas Haas seinen Sommerfrust endgültig überwunden und sich in den Kreis der Favoriten für die in knapp einem Monat beginnenden US Open hochgearbeitet. Durch das 4:6, 7:5, 6:3 am Sonntag (Ortszeit) im Finale des Tennisturniers in Kalifornien gegen den Russen Dimitri Tursunow gewann der 28-jährige aus Hamburg nach den Erfolgen in Delray Beach und Memphis bereits das dritte Turnier in diesem Jahr. Und ein Grand- Slam-Sieg soll nicht weiter nur ein Traum bleiben.

"Ich freue mich riesig auf New York. Das ist ein Super-Gefühl. Genau das habe ich vor den US Open gebraucht", sagte Haas, der sich durch den zehnten Turniersieg seiner Karriere in der neuen Weltrangliste auf Platz 17 verbessern und den derzeit verletzten Nicolas Kiefer (18) als deutsche Nummer eins ablöste. "Wenn ich behaupten würde, ich hätte kein riesengroßes Selbstvertrauen momentan, würde ich lügen."

Viel Biss und viele Asse

Mit einem Lächeln stemmte der Sonnyboy die Siegertrophäe in die Nachmittagssonne. Rechtzeitig zum Beginn der US-Hartplatzsaison nähert sich der Wahl-Amerikaner wieder seiner Topform. Nach dem Drittrunden-Aus in Wimbledon und dem Viertelfinal-K.o. in Indianapolis entzückte Haas die 6000 Zuschauer im UCLA-Tennis-Center mit einer ansprechenden Mischung aus Aggressivität, Geduld und Spielwitz. Nach Startproblemen im ersten Durchgang hatte er den 23 Jahre alten Tursunow im Griff. Statt wie so oft mit sich selbst zu hadern, überzeugte Haas diesmal mit einer bemerkenswerten Kombination aus Konzentration und Biss. Zwölf Asse passten ins Bild.

"Ich kann nur noch mal sagen, wenn ich diese Form halte, wird es für niemanden ein Vergnügen sein, gegen mich zu spielen. Ich will endlich mein erstes Grand-Slam-Turnier gewinnen, ich werde schließlich auch nicht jünger", erklärte Haas. Er versuchte erst gar nicht, seine Genugtuung zu verstecken, durch seinen zweiten Erfolg in Los Angeles nach 2004 auch Boris Becker und Michael Stich übertroffen zu haben, die jeweils einmal dort gesiegt haben. "Öfter in der Siegerliste zu stehen als diese beiden ist doch fantastisch. Das Leben ist gut", erklärte Haas.

Lieblinsturnier US Open

Mit einem Preisgeld von 69 000 Dollar wurde er nach seiner 123 Minuten lange Sonntagsschicht entlohnt. Den Sieg widmete der Strahlemann seiner vor sechs Wochen geborenen Nichte und einem schwer erkrankten Jugendfreund aus der Nick-Bolletieri-Akademie, der nur noch wenige Monate zu leben hat.

"Seitdem ich wegen der Operation 15 Monate pausieren musste, weiß ich erst, was mir Tennis bedeutet. Es ist, als ob für mich eine zweite Karriere begann. Diese Chance will ich nutzen", meinte Haas. Am Ende der Saison will er wieder in den Top Ten stehen, und bei seinem Lieblings-Grand-Slam-Turnier in New York sollen in diesem Jahr den großen Worten endlich auch Taten folgen. Bisher kam er in Flushing Meadows nie über das Viertelfinale hinaus.

DPA / DPA

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