Tennis im TV So sendet man Tennis kaputt


Ohne erfolgreiche deutsche Stars stimmt die Quote nicht, klagen die TV-Macher. Doch selbst Kiefers sportliche Wiedergeburt zog beim ZDF nicht. Wer guckt schon einen Krimi, wenn er die Auflösung nicht zu sehen bekommt?

Die Tennis-Fans in Deutschland fieberten mit Nicolas Kiefer - aber das ZDF schaltete das Halbfinale beim Rasenturnier in Halle im entscheidenden dritten Satz ab. Statt des Sturmlaufs ins Endspiel gab es "Bravo-TV". Der Gebührenzahler guckte in die Röhre. So wie schon bei Rainer Schüttlers Ausscheiden in "Klein-Wimbledon", das dem Tennis-Publikum gleichfalls in der spannenden Schlussphase vorenthalten wurde.

Ohne erfolgreiche deutsche Stars stimmt die Quote nicht, klagen die TV-Macher. Doch selbst Kiefers sportliche Wiedergeburt nach monatelanger Durststrecke zog beim ZDF nicht. Darf sich das Fernsehen dann wundern, dass viele Zuschauer erst gar nicht einschalten? Wer guckt schon einen Krimi, wenn er weiß, dass er die Auflösung nicht zu sehen bekommt? So kann man Tennis auch kaputt senden.

Keine neuen Praktiken

Neu sind diese Praktiken nicht: Erstmals hat sich das ZDF vor fünf Jahren bei der ATP-Weltmeisterschaft in Hannover sogar im Finale vorzeitig verabschiedet. Das ist vom wirtschaftlichen Standpunkt her nachvollziehbar, und damit begründen die Fernseh-Macher auch ihr aus sportlicher Sicht diskussionswürdiges Handeln. Doch sind sie für schwache Tennis-Quoten dann nicht mitverantwortlich?

Dass Tennis in Deutschland in der Krise steckt, kann Kiefers Siegeszug nicht kaschieren. Keine Stars = kein Interesse gleich kein Fernsehen? So simpel ist die nach den Glanzzeiten der Graf, Becker und Stich aufgemachte Rechnung nicht. Einerseits, weil sich das Fernsehen selbst bei deutschen Erfolgen ausblendet. Andererseits aber auch, weil die Zuschauer trotz fehlender deutscher Stars etwa ins ostwestfälische Halle und zum Rothenbaum kommen, wo in diesem Jahr fast 20 Prozent mehr Fans in die Arena strömten.

Nicht immer nachvollziehbar

Die Revival-Spiele von Boris Becker und Michael Stich dienten dabei als Zugpferd. Und brachten auch dem Fernsehen Quote. Dass statt des French-Open-Finals ohne deutsche Beteiligung die erste Rasen-Revanche der Wimbledonsieger Becker und Stich live übertragen wird, ist noch nachvollziehbar. Nicht aber, dass sogar wichtige deutsche Tennis-Siege ausgeblendet werden. So sendet man Tennis kaputt.

Andreas Bellinger DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker