Thommy Haas ausgeschieden "Beim Heimspiel greife ich wieder voll an"


Nach drei furiosen Vorstellungen in vier Tagen war einfach der Akku leer: Thommy Haas schied bei seinem Comeback im Achtelfinale des Tennis Master in Indian Welles gegen den Argentinier Juan Ignacio Chela aus. Der Deutsche zog trotzdem ein positives Fazit.

Verlieren wollte Thomas Haas natürlich nicht. Doch irgendwo war er froh, dass die "sensationelle Woche" in Indian Wells vorbei war. "Man will es nicht wahrhaben, doch ich bin mit meinen Kräften ganz schön am Ende. Ich brauche jetzt etwas Ruhe, vor allem für die Schulter", sagte der Hamburger und griff mit der linken Hand an seine operierte rechte Schulter, um sie ein wenig zu massieren. Schmerzen habe er keine, versicherte er nach dem 4:6, 2:6 gegen den Argentinier Juan Ignacio Chela, das am Dienstag nach drei Siegen sein Aus beim mit 2,8 Millionen Dollar dotierten Tennis-Masters in der kalifornischen Wüste bedeutete.

Belastung war einfach zu hoch

Vier Duelle in fünf Tagen gegen erstklassige Gegner spielte Haas zuletzt vor 19 Monaten beim Turnier in Indianapolis. Damals jedoch stand er im "vollen Saft", so dass er die Belastung "locker wegsteckte". Dass er gegen den nahezu fehlerlos agierenden Chela zu keiner Zeit seinen Spielrhythmus fand, lag einzig an "meiner körperlichen und mentalen Müdigkeit". Nach seiner über 15-monatigen Verletzungspause sei er offenbar physisch noch nicht wieder so weit, "um auf durchgehend hohem Level ein Turnier durchzuspielen. Ich wollte, doch irgendwie war eine Bremse im Körper. Deshalb habe ich selten das richtige Timing für die Schläge gefunden und bin nur selten ans Netz gekommen", versuchte Haas die Niederlage zu erklären.

Das Scheitern konnte dem zumeist in Florida lebenden Olympia- Zweiten die gute Laune allerdings nicht verderben. "Alles, was ich hier erlebt habe, war positiv. Ich hatte unheimlichen Spaß und habe gezeigt, dass man mit mir wieder rechnen muss." Noch am gleichen Abend hatte er sich auf den Weg nach Miami gemacht, wo er in der nächsten Woche beim Masters ebenso wie Nicolas Kiefer (Holzminden) und Rainer Schüttler (Korbach), die in Indian Wells als Doppel im Viertelfinale stehen, erneut aufschlagen wird. "Beim Heimspiel greife ich wieder voll an", versprach Haas.

Federer Wunschgegner von Haas

Dort trifft der vor Ehrgeiz sprühende Rechtshänder dann möglicherweise auch auf Wunschgegner Roger Federer, was ihm durch die Niederlage in Indian Wells verwehrt geblieben ist. Auf das Kräftemessen am Donnerstag mit dem Weltranglisten-Ersten aus der Schweiz darf sich nunmehr Chela freuen. "Dass ich mir das entgehen ließ, war eigentlich das einzige, was ich als schade empfand", meinte Haas. "Nach einem freien Tag gegen Roger zu spielen, das wär es gewesen. Denn danach hätte ich wirklich gewusst, wo ich stehe." So wie der Wimbledon- und Australia-Open-Champion jedoch seit Wochen seine Rivalen beherrscht, hätte Haas wohl nur eine Erfolgschance auf dem Papier gehabt.

"Er ist der Beste der Welt, er spielt ein unglaubliches Tennis. Du glaubst, du kannst ihn schlagen, doch auf dem Platz sieht alles ganz anders aus", sagte nicht nur Mardy Fish über den Eidgenossen, dem der Amerikaner mit 4:6, 1:6 unterlegen war. Federer verbuchte damit in den letzten 24 Duellen seinen 23. Sieg. Sollte er Chela bezwingen, könnte es zum Traum-Halbfinale gegen Andre Agassi kommen. Der Ehemann von Steffi Graf zog durch ein 7:5, 6:2 gegen Michael Juschni (Russland) ähnlich souverän ins Viertelfinale ein, wo ihn der an Nummer vier gesetzte Guillermo Coria herausfordert. Der Argentinier bezwang Sebastien Grosjean (Frankreich) mit 3:6, 7:6 (7:2), 6:2.

Gunnar Meinhardt DPA

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