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Tour de France: Armstrong macht's nochmal

Auf der letzten schweren Pyrenäen-Etappe der Tour de France hat der Franzose Pierrick Fedrigo die neunte Etappe für sich entschieden. An der Spitze der Gesamtwertung bleibt alles beim alten. Aufregender als die Etappe war die Ansage von Lance Armstrong, auch 2010 bei der Tour zu starten.

Das Star-Ensemble von Astana hält die 96. Tour de France im Würgegriff. Angeführt von den beiden Streithähnen Alberto Contador und Lance Armstrong, die am zweiten Tour-Wochenende ihren Zwist abseits der Strecke fortsetzten, dominiert das Team die Rundfahrt nach Belieben und sorgte dafür, dass der Italiener Rinaldo Nocentini sein Gelbes Trikot nach der dreitägigen Pyrenäen-Episode in den ersten Ruhetag retten konnte.

Armstrong will wahrscheinlich auch im kommenden Jahr an der Tour teilnehmen. Dies sagte der Amerikaner dem französischen TV-Sender France 2. Auf die Frage, ob dies seine letzte Tour sei, antwortete der 37-Jährige: "Wahrscheinlich nicht, wahrscheinlich nicht", und fügte hinzu: "Vielleicht noch eine Tour." Armstrong deutete an, dass er künftig mit Hilfe eines US-Sponsors ein eigenes Team unterhalten will. Der Texaner ist in diesem Jahr erstmals nach vierjähriger Pause wieder dabei.

Letzten Pyrenäen-Anstieg bewältigt

Die Etappe zuvor hatte keine großen Auswirkungen auf das Klassement. 24 Stunden nach dem Erfolg des Spaniers Luis-Leon Sanchez in Saint-Girons entschied der Franzose Pierrick Fedrigo die neunte Etappe, bei der 80 Kilometer vor dem Ziel als letzte Pyrenäen-Anstieg der Klassiker Tourmalet zu bewältigen war, für sich und feierte den dritten Tagessieg der Gastgeber.

Der Radprofi vom Team Bouygues Telekom verwies am Sonntag in Tarbes nach 160,5 Kilometern als Schnellster eines Ausreißer-Duos Franco Pellizotti (Italien) auf den zweiten Platz. Das Feld passierte die Ziellinie 34 Sekunden später, bevor es für die Teams am Abend mit dem Flugzeug nach Limoges ging. An der Spitze der Gesamtwertung geht der Sekunden-Poker weiter. Nocentini führt mit sechs Sekunden vor Contador, der die Astana-Hierarchie am Freitag zu seinen Gunsten entschieden hatte, und acht Sekunden vor dem siebenfachen Rekordsieger Armstrong.

Klöden und Martin in Top-Verfassung

Die weiter auf den Plätzen sechs und sieben liegenden deutschen Profis Andreas Klöden und Tony Martin, weiter im Weißen Trikot, unterstrichen einmal mehr ihre Top-Verfassung. "Das Weiße Trikot trägt mich die Berge hoch", frohlockte der 24-jährige Tour-Neuling Martin, der sich neben dem zweifachen Etappensieger Mark Cavendish schon als "halber Kapitän" im Columbia-Team fühlen darf. Martin übererfüllt bei der Tour zurzeit das, was Milram-Kapitän Linus Gerdemann zugetraut wurde: Der Cottbuser fährt wie selbstverständlich an der Seite der Großen und ist bisher auf jedem Terrain im Bilde. Mit einem Rückstand von nur einer Minute nach den drei Pyrenäen-Etappen auf Nocentini wächst die Chance, als erster deutscher Profi seit Erik Zabel (2001) wieder in einem Spezialtrikot die Pariser Champs Elysées zu erreichen.

Auch wenn Astana mit den hilflosen Konkurrenten Katz und Maus spielt, hängt der Haussegen im kasachischen Team schief. Contador und Armstrong sind sich in tiefer Abneigung verbunden, ein Riss geht durch die Mannschaft, die sich laut "L'Équipe" im "instabilen Gleichgewicht" befindet. Nach Contadors Attacke vom Freitag, bei der er Armstrong 21 Sekunden abnahm und den Chefsessel im Team besetzte, krachte es im Mannschaftsbus. "Was im Bus gesagt wurde, bleibt im Bus", meinte Teamchef Johan Bruyneel, dem es nur schwer gelingt, die Wogen zu glätten.

Armstrong versuchte die Fehde kleinzureden: "Selbst wenn es verletzte Gefühle geben sollte, werden wir unseren Job machen." Für Contador, Toursieger von 2007, ist die Angelegenheit ohnehin erledigt: "Langsam habe ich keine Lust mehr, über die Kapitänsfrage bei Astana zu sprechen. Lasst uns einfach sehen, was die nächsten Tage bringen."

Empörung über Funkverbot

Eine Attacke des kampferprobten Berliners Jens Voigt, 37, war am Sonntag nur eine Episode. Mehr Erfolg hatten Pellizotti und Fedrigo, die als Ausreißer-Duo den 2115 Meter hohen Tourmalet überquerten - fünf Minuten vor dem Favoriten-Feld. Auf dem folgenden 75 Kilometer langen Schlussspurt stemmten sie sich mit aller Macht gegen die Verfolger, Rückenwind half ihnen. Nach 140 Kilometer Alleinfahrt retteten sie eine gute halbe Minute ins Ziel. Vor dem Ruhetag am Montag in Limoges erhitzte unterdessen das angekündigte Funkverbot auf der 10. (Dienstag) und 13. Etappe die Gemüter. In einer Petition an den Weltverband UCI, dem bislang bei dieser Tour Doping-Erschütterungen erspart blieben, drückten 18 der 20 teilnehmenden Teams ihre Empörung über die Neuerung aus, wie "cyclingnews" berichtete. Die UCI hatte für die beiden Etappen verordnet, dass die Fahrer nicht mit ihren Team-Leitungen in den Fahrzeugen kommunizieren dürfen. "Das ist total gefährlich. Die wollen das Rennen einfach nur konfus machen", echauffierte sich Christian Henn, Sportlicher Leiter des Milram-Teams.

DPA / DPA

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