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Trondheim: Ackermann im Glück - Schmitt am Boden

Ronny Ackermann sieht nach seinem Traumstart in die WM-Saison goldenen Zeiten entgegen, Martin Schmitt steht nach dem Aus in der Qualifikation am Tiefpunkt seiner Karriere.

Beim Weltcup der Nordischen Kombinierer in Trondheim gewann Ackermann 24 Stunden nach seinem Sieg im Einzel auch den Sprint und machte damit einen glanzvollen Doppel-Triumph perfekt. Nichts zu holen gab es an gleicher Stätte für die deutschen Skispringer um den abgestürzten Schmitt, die beim Doppelsieg des Finnen Janne Ahonen deutlich an den Podestplätzen vorbei flogen. Zwei zweite Plätze verbuchte Langläuferin Claudia Künzel (Oberwiesenthal) beim Sprint- Weltcup in Bern.

"Wir müssen jetzt sehen, wie wir Martin wieder aufbauen. Es ist vielleicht besser, eine Trainingsphase einzulegen und ihn für die Vierschanzentournee vorzubereiten. Daher scheint es sinnvoller zu sein, ihn rauszunehmen", kündigte Bundestrainer Peter Rohwein nach Schmitts desaströsem Saisonauftakt eine Auszeit an. Mit 101 m blieb Schmitt am Sonntag schon in der Qualifikation hängen und verabschiedete sich danach frustriert ins Hotel. "Ich bin maßlos enttäuscht und muss jetzt in Ruhe überlegen, wie es weitergeht. Das Beste ist wohl abzuschalten und einen kühlen Kopf zu bewahren. Eine Wettkampfpause wäre eine Möglichkeit. Ob wir diese Idee umsetzen, weiß ich aber noch nicht", sagte der 28-malige Weltcupsieger aus Furtwangen.

Spünge ins Jammertal

Auch sonst gab es für die deutschen Springer wenig Grund zum Jubeln. Alexander Herr (Schonach-Rohrhardsberg) sorgte mit Rang 10 am Samstag für die beste Platzierung und verabschiedete sich zumindest erhobenen Hauptes aus Skandinavien. Am Sonntag war Michael Uhrmann (Rastbüchl) als Elfter bester Deutscher. "Ich hatte mir mehr vorgestellt", sagte der Bayer nach Sprüngen von 113 und 110,5 m. "Das war ziemlich durchwachsen", bilanzierte Rohwein das Mannschafts- Ergebnis. Ahonen siegte mit 246,5 Punkten (123+124,5 m) wie schon 24 Stunden zuvor und stellte mit vier Erfolgen nacheinander den Saison- Startrekord des Österreichers Andreas Felder ein.

In der Erfolgsspur befindet sich auch Ackermann, der im Sprint seinen 23. Weltcupsieg feierte. "Das ist grandios, was er jedes Jahr wieder bringt", lobte Bundestrainer Hermann Weinbuch den 27-Jährigen. Nach einem Sprung von 123,5 m war Ackermann als Dritter in die Loipe gegangen. Im Spurt nach 7,5 km verwies der für den Rhöner WSV Dermbach startende Einzel-Weltmeister von 2003 den Österreicher Michael Gruber um eine Sekunde auf Rang zwei. Dritter wurde der Amerikaner Johnny Spillane (+19,1). "Es war ein sehr schweres Rennen. Die Ski wurden vom Wasser angezogen, es fühlte sich an, als ob ich Kaugummi darunter hatte. Das ging brutal auf die Muskulatur", sagte Ackermann, der für seinen Erfolg ein stattliches Weihnachtsgeld von 40 000 Euro kassierte.

Mit 360 Punkten geht der Thüringer als souveräner Spitzenreiter in die Weihnachtspause, die wegen des Ausfalls der Veranstaltung in Val di Fiemme (11./12. Dezember) länger als geplant ausfällt. "Die Pause tut uns sehr weh. Das haben die Athleten nicht verdient. Sie wollen starten, aber die FIS bekommt es nicht auf die Reihe, einen Ersatz- Wettbewerb auszurichten", kritisierte Weinbuch den Weltverband und fügte hinzu: "Für unsere Sportart ist es eine Katastrophe, dass wir jetzt vier Wochen von der Bildfläche verschwinden."

Aufgetaucht ist Claudia Künzel. Nach einem durchwachsenen Saisonstart meldete sich die Oberwiesenthalerin mit zweiten Plätzen beim Einzel- und Team-Sprint (mit Stefanie Böhler) in Bern in der Weltspitze zurück. "Das soll nicht überheblich wirken, aber ich hatte noch nicht meinen perfekten Tag", sagte die Sächsin, die sich der "Sprintkönigin" und Weltcup-Führenden Marit Björgen (Norwegen) in beiden Wettbewerben nur um eine Skilänge geschlagen geben musste. Ein Debakel erlebten dagegen die Männer, die in Abwesenheit des Top-Duos Axel Teichmann und René Sommerfeldt nicht den Hauch einer Chance hatten. "Wir haben irgendwann den Trend etwas verpasst und sind noch nicht auf dem Level der Skandinavier. Aber über die Ergebnisse hier wird zu reden sein", erklärte Bundestrainer Jochen Behle angesäuert.

Von Eric Dobias/DPA

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