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US Open Erst verschlafen, dann gezaubert


Wenigstens auf Thomas Haas ist bei den US Open Verlass. Ausgeruht und ohne lästige Schmerzen in der Schulter bestätigte der Tommynator mit dem Einzug in die dritte Runde in New York seine Position als "Leitwolf" im deutschen Tennis. Kofferpacken heißt es dagegen für Nicolas Kiefer.

"Ich würde nicht sagen, dass ich hundertprozentig fit bin. Aber es ging auf jeden Fall schon wieder sehr viel besser", sagte der an Nummer zehn gesetzte Hamburger nach seinem 4:6, 6:3, 6:2, 7:5-Erfolg am Donnerstagabend (Ortszeit) gegen Qualifikant Philipp Petzschner, der nach der unterhaltsamen Partie meinte: "Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so viel Spaß auf dem Tennisplatz hatte."

"Mit einem Rückschlag musste ich rechnen"

Dass es Nicolas Kiefer im Match gegen den Russen Nikolai Dawidenko ganz anders ergangen war, stand dem Hannoveraner ins Gesicht geschrieben. Das Basecap tief in die Stirn gezogen, versuchte er die deprimierende 2:6, 2:6, 2:6-Niederlage zu verdauen. "Dass irgendwann ein Rückschlag kommt, damit musste ich rechnen", erklärte der 30- Jährige, der nach einer 373 Tage langen Leidenszeit mit drei Operationen des linken Handgelenks erst vor gut zwei Monaten auf die Tour zurückgekehrt war. "Nikolai hat mich nie ins Spiel kommen lassen und hat mir gezeigt, dass es noch ein langer und steiniger Weg für mich wird." Die nächsten Schritte sollen nach ein paar Tagen daheim in Hannover auf der Asien-Tour in Angriff genommen werden.

Den steinigen Weg hat Philipp Petzschner hinter sich gelassen. So hofft der schon als ewiges Talent verspottete Bayreuther jedenfalls. "Ich habe sicher nicht alles für mein Tennisleben gegeben, war nicht professionell genug", gab der 23-Jährige zu, der als Nummer 290 der Weltrangliste so gerade eben in die Qualifikation gerutscht war. Doch dann begeisterte er die Zuschauer mit seiner unbekümmerten Art, dem variablen Spiel und dem großen Kämpferherz. Das mögen die Amerikaner und schlugen sich auf die Seite des Underdogs, obwohl sie doch eigentlich wegen Thomas Haas auf den Grandstand gekommen waren.

Ohne Warmspielen ins Match

"Es freut mich, dass er so viel Spaß hatte", sagte Haas mit einem Grinsen, das seine zuversichtliche Stimmung widerspiegelte. Endlich konnte er seine Schläge wieder richtig durchziehen und musste auch beim Aufschlag nicht immer auf die kaputte Schulter achten. "Es ist ein gutes Gefühl, sich wieder auf Tennis konzentrieren zu können", erzählte der Wahl-Amerikaner, der nun an diesem Samstag auf den Franzosen Sebastien Grosjean trifft. "Das wird ein hartes Match. Er ist ein klasse Spieler, der sich gut bewegt und eine starke Vorhand hat."

Einen verschlafenen Start wie gegen Petzschner sollte sich Haas dann nicht wieder erlauben. Auf der Tribüne musste Sarah Foster um ihren Freund jedenfalls bangen, ehe der mühsam aus den Startlöchern kam. "Wegen der Schulter konnte ich nicht trainieren und habe mich vor dem Match auch nicht warmgespielt." Dann aber machte er Dampf. Den Sack zuzumachen, gelang ihm im vierten Satz beim Stand von 5:4 und eigenem Aufschlag dennoch nicht. "Das musste so kommen, das war mir total klar", sagte Haas und die Zuhörer wunderten sich nicht schlecht, als sie die Begründung hörten: 1996, so Haas, habe er bei seinem Debüt als Qualifikant auch auf dem Grandstand gespielt und mit 5:7 im vierten Durchgang gegen Michael Stich verloren.

Davis-Cup-Formation wird in dieser Saison nicht mehr verändert

"Das war ein super Spiel", sagte Bundestrainer Patrik Kühnen und schloss in sein Lob ausdrücklich beide Spieler ein. Man habe gemerkt, dass Haas viel fitter sei als noch zu Beginn in Flushing Meadows, und Petzschner seinen Weg noch machen könne. Für das Daviscup-Halbfinale vom 21. bis 23. September in Russland ist der Bayreuther freilich kein Thema. Auch Nicolas Kiefer braucht sich nach seinem Ausscheiden keine Hoffnungen zu machen. Aber Kühnen hatte ohnehin angekündigt, dass die Formation, die ohne den Langzeitverletzten ins Halbfinale kam, in dieser Saison nicht mehr verändert werden soll.

Reichlich Mühe und am Ende noch mehr Glück hatte Vorjahresfinalist Andy Roddick auf dem Weg in Runde drei. Der US-Hoffnungsträger profitierte davon, dass sich Jose Acasuso aus Argentinien am linken Knie verletzte und beim Stand von 6:4, 1:6, 2:6 gegen ihn aufgeben musste. Harte Arbeit musste um Mitternacht auch Publikumsliebling James Blake beim 6:4, 3:6, 6:2, 4:6, 6:4 gegen den von Krämpfen geplagten Franzosen Fabrice Santoro verrichten. Leichtes Spiel hatten dagegen Titelverteidigerin Maria Scharapowa, die gleichfalls aus Russland stammende Siegerin von 2004, Swetlana Kusnetzowa, und Martina Hingis aus der Schweiz.

Andreas Bellinger/DPA DPA

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