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VIERSCHANZEN-TOURNEE: Der Mythos-Killer

Mit zwei Traumsprüngen in Bischofshofen hat Sven Hannawald nicht nur den Gesamtsieg bei der 50. Vierschanzentournee geholt, er hat auch einen Mythos ins Nichts befördert.

Mit zwei Traumsprüngen auf der Schanze in Bischofshofen hat Sven Hannawald nicht nur den Gesamtsieg bei der 50. Vierschanzentournee geholt, er hat auch einen Mythos ins Nichts befördert. Als erster Skispringer überhaupt hat der Hinterzartener alle vier Springen der Vierschanzen-Tournee gewonnen. Der 27-Jährige aus Hinterzarten sprang am Sonntag im ersten Durchgang von Bischofshofen mit 139 m Schanzenrekord. Beim zweiten Sprung reichten ihm dann die 131,5 Meter zum Sieg.

Erleichterung

»Jetzt bin wirklich froh, dass es vorbei ist. Noch einen Tag länger, dann wäre ich gestorben oder hätte übermorgen eine Glatze. Die zehn Tage, die wir jetzt unterwegs waren, waren so extrem«, war Hannawald im RTL-Interview zunächst einmal nur erleichtert. »Es waren nicht die perfekten Sprünge, aber viele Gute«, sagte Hannawald bescheiden, »aber wenn ich jetzt sage, dass ich nicht zufrieden bin, werden mich viele steinigen.«

Tränen beim Bundestrainer

Bundestrainer Reinhard Heß verneigte sich im Auslauf stellvertretend für die Skisprung-Welt vor Hannawald. »Es ist sicherlich nicht schlecht, wenn man auch einmal die Sinuskurven des Lebens durchlebt hat«, sagte der Bundestrainer mit Tränen in den Augen und dachte beim Karrierehöhepunkt Hannawalds auch an dessen schlimme Zeiten mit Magersucht-Gerüchten und der im Vorjahr vorzeitig abgebrochenen Saison.

Lebende Legende

Österreichs Cheftrainer Toni Innauer brachte die Anerkennung der Konkurrenz auf den Punkt: »Er hat etwas Einzigartiges geschafft, woran 50 Jahre die weltbesten Skispringer gescheitert sind. Damit ist er zur lebenden Legende geworden.«

47 Meter vor Malysz

In der Gesamtwertung setzte sich der Skiprofi aus Hinterzarten mit der höchsten je erreichten Gesamtpunktzahl von 1077,6 Punkten vor Hautamäki (1021,0) und Höllwarth (1015,1) durch. Der polnische Vorjahressieger Adam Malysz (Platz vier/992,8) hat seine Dominanz vom Saisonbeginn eingebüßt und lag umgerechnet knapp 47 Weiten-Meter hinter Hannawald. Martin Schmitt (Furtwangen) belegte in Bischofshofen Platz fünf.

Landen wie ein Flugzeug

Hannawald zeigte auch beim großen Finale keine Nerven, ließ wie zuvor auch die Qualifikation aus und verbesserte den von ihm selbst gehaltenen Schanzenrekord. »Ich muss ehrlich zugeben, dass der Absprung zu spät war. Ich lande im Moment wie ein Flugzeug, von daher machen mir die Weiten nichts aus«, kommentierte Hannawald seinen Sprung. Der Tourneesieg ist zudem ein gutes Omen für die Olympischen Spiele: 1992 (Toni Nieminen), 1994 (Espen Bredesen) und 1998 (Kazuyoshi Funaki) gewannen als Gesamt-Gewinner auch jeweils olympisches Gold.

331 000 Euro Preisgeld

Neben dem sportlichen Triumph ist Bischofshofen auch der größte Zahltag in der bisherigen Laufbahn des Skisprung-Weltmeisters von 2000. Hannawald gewann insgesamt ein Preisgeld von 331 000 Euro (rund 650 000 Mark) und kassiert zusätzlich Prämien von seinen Ausrüstern und Sponsoren.

Platz fünf für Schmitt

Martin Schmitt) bestätigte seine aufsteigende Form. Der viermalige Weltmeister kam in Bischofshofen auf 130 sowie 124,5 m (256,6 Punkte) und belegte damit Platz fünf. In der Tourneewertung wurde der 23-Jährige Siebter, der 18-Jährige Stephan Hocke belegte in seinem ersten Weltcup-Jahr Platz 10.

Fairer Verlierer

Schmitt hatte nach erneut aufgetretenen Problemen mit der Patellasehne ebenso wie Hannawald die Qualifikation am Samstag ausgelassen. Mit Hilfe eines Tapeverbands und Spritzen sprang Schmitt schmerzfrei und erkannte fair die Leistung der derzeitigen deutschen Nummer eins an: »Sven springt im Moment in einer eigenen Liga. Ich habe schon so viel erreicht, man kann nicht erwarten, dass man alles gewinnt.«

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