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Vierschanzentournee: Norweger Pettersen gewinnt in Oberstdorf

Der Norweger Sigurd Pettersen hat das Auftaktspringen der Vierschanzentournee gewonnen. Michael Uhrmann kam als bester Deutscher auf Rang vier.

Als Sigurd Pettersen mit einem Traumflug auf 143,5 m das Ende der deutschen Siegesserie in Oberstdorf besiegelte, lösten sich Sven Hannawalds Hoffnungen auf den zweiten Gesamterfolg bei der Vierschanzentournee fast schon in Luft auf. Der überragende Norweger katapultierte sich mit seinem überlegenen Sieg beim Auftakt in die Rolle des Top-Favoriten und holte sich als Zugabe den bisher von Hannawald gehaltenen Weitenrekord (139 m) beim deutsch-österreichischen Skisprung-Spektakel.

"Es ist schon ein wenig frustrierend, wenn man sieht, der kann auch von fünf Luken tiefer weit springen. Aber es gilt jetzt, die Ruhe zu bewahren und nicht durchzudrehen", sagte Hannawald, der als 18. eine Hypothek von 52,3 Punkten Rückstand auf Pettersen zum Neujahrsspringen nach Garmisch-Partenkirchen mitnimmt. Der Norweger strahlte dagegen über das ganze Gesicht. "Ich bin so glücklich, wie man nur sein kann. Beim Final-Sprung hat alles gepasst. Ich glaube, ich bin jetzt der Favorit", sagte der überlegene Sieger, der vor den Österreichern Thomas Morgenstern und Martin Höllwarth gewann.

Michael Uhrmann rettet das deutsche Team

Nach drei Erfolgen für Martin Schmitt und zwei für Hannawald konnte sich erstmals seit fünf Jahren kein DSV-Springer als Sieger des Auftaktspringens feiern lassen. Michael Uhrmann (Rastbüchl) als Vierter und Lokalmatador Georg Späth auf Rang sieben sorgten aber trotz des Absturzes von Hannawald und Schmitt (27.) für einen versöhnlichen Ausgang. "Ich bin insgesamt zufrieden, vor allem mit dem, was Uhrmann gezeigt hat", lobte Bundestrainer Wolfgang Steiert den erstarkten Bayern. "Ich war bei der Tournee noch nie so gut in Form wie dieses Mal. Die Sprünge waren sehr gut, aber es war sogar noch mehr drin", meinte Uhrmann, der auf 128,5 und 132 m segelte.

Frustrierter Hannawald

Ratlos und enttäuscht verließ dagegen der mit großen Hoffnungen angereiste Hannawald die Allgäu-Arena. "Ich weiß auch nicht, was los war und habe keine Ahnung, warum es nicht lief. Irgend etwas stimmte nicht mit meinen Sprüngen. Es lief zäh und hat keinen Spaß gemacht", sagte der Tourneesieger von 2001/02, der fast alle Chancen auf seinen zweiten Gesamterfolg einbüßte. "Der Rückstand interessiert mich nicht. Ich denke darüber nach, wie ich wieder besser springen kann", meinte der Schwarzwälder.

"Nach 30 Metern war alles gelaufen"

Für Schmitt platzte der Traum von einer erfolgreichen Tournee schon beim ersten Sprung. Bei 114,5 m landete der Furtwangener und sorgte damit für lähmendes Entsetzen unter den 23.000 Fans. "Es hat mich in der Luft völlig verdreht. Nach 30, 40 Metern war alles gelaufen. Ich bin natürlich enttäuscht, denn ich hatte mir viel mehr vorgenommen", sagte der viermalige Weltmeister, der in der Qualifikation mit 130,5 m geglänzt hatte. Am Ende stand nach Rang 27 die Erkenntnis, dass die Tournee gelaufen ist. "Leider habe ich einen schlechten Wettkampf gehabt. Die Sprünge waren nicht so toll."

Der Bundestrainer hatte das Unheil kommen sehen. "Früher war er eine Bank, heute ist er es nicht mehr. Ihm fehlt einfach noch die stabile Form", sagte Steiert, der Schmitts Rückfall mit versteinerter Miene verfolgte. Keine Erklärung hatte er für Hannawalds Einbruch. "Das muss ich erst in Ruhe analysieren", meinte Steiert.

Steiert erhält Rückendeckung

Persönlich konnte der Coach dagegen einen Erfolg verbuchen, denn die Führung des Deutschen Skiverbandes (DSV) hatte ihm wenige Minuten vor Beginn des Springens demonstrativ den Rücken gestärkt. "Wir stehen voll hinter ihm und dem gesamten Trainer-Team. Es gibt überhaupt keinen Ansatzpunkt für die Verbandsspitze, in den Skisprung eingreifen zu müssen. Die Trainer haben das im Griff", sagte DSV- Sportdirektor Thomas Pfüller. Er reagierte damit auf die in einem "Spiegel"-Beitrag erneuerten Vorwürfe, Steiert habe den suspendierten Frank Löffler aus dem Team gemobbt. Für die DSV-Spitze gibt es laut Pfüller jedoch keinen Anhaltspunkt dafür, dass sich der Bundestrainer etwas zu Schulden kommen ließ.

Susan Mühne, dpa / DPA

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