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Weltcup in Kitzbühel: Zu steif für die Streif

Am Wochenende steht das legendäre Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel auf dem Programm. Doch für die schwerste Abfahrt der Welt haben die Deutschen auf der Streif keine "geeigneten Fahrer" am Start.

Für die schwerste Abfahrt der Welt auf der Streif in Kitzbühel sind die deutschen Skirennfahrer nicht gut genug. "Wir haben keine geeigneten Läufer in der Mannschaft. Auf absehbare Zeit wird sich das auch nicht ändern", malt Cheftrainer Werner Margreiter ein düsteres Zukunftsbild. Nach den Rücktritten von Florian Eckert und Max Rauffer geben in der kleinen deutschen Mannschaft die Techniker Alois Vogl und Felix Neureuther den Ton an. Routinier Vogl aus Zwiesel kommt immerhin als Dritter von Wengen zum Slalom am Sonntag auf den Ganslern-Hang, Jungstar Neureuther aus Partenkirchen dagegen muss sich noch für Olympia qualifizieren. "Das ist bei ihm eine Kopfsache", sagt Margreiter.

Vor dem mit einem Rekordpreisgeld von 520.000 Euro ausgestatteten Alpin-Klassiker am Wochenende wagte sich mit Andreas Ertl wenigstens ein deutscher Rennfahrer auf die berühmt-berüchtigten Hahnenkamm-Strecke. Im ersten Training war der 30-Jährige aus Lenggries bald neun Sekunden langsamer als der Schnellste, Olympiasieger Fritz Strobl aus Österreich. "Er ist kein Abfahrer und wird es auf seine alten Tage auch nicht mehr werden", sagt Margreiter. Der Cheftrainer aus Kramsach über den wahren Grund für die Abenteuerlust: "Er fährt, um für den Super-G zu üben." Nach seiner überstandenen Knieverletzung zu Saisonbeginn will sich der Bruder von Martina Ertl-Renz über den Super-G noch für Turin qualifizieren.

Starker Schneefall verhindert Mutprobe

Zwei Tage vor seiner Reifeprüfung an diesem Freitag durfte Ertl auf die neuerliche Mutprobe verzichten. Starker Schneefall verhinderte am Mittwoch den Trainingsbetrieb. Schon im letzten Jahr hatte die Hahnenkamm-Abfahrt wegen des Wetters erstmals seit 1993 abgesagt werden müssen. Diesmal soll es nach Auskunft der Meteorologen aber nicht ganz so schlimm werden. Immerhin je 65.000 Euro kassieren die Sieger in Abfahrt und Slalom. Ein Erfolg im Super- G wird noch mit 47.000 Euro honoriert. "Es war ja immer mein Ziel zu zeigen, dass Skisport ein Profisport ist", sagte Rennleiter Toni Sailer. Auch die österreichische Ski-Legende findet es schade, dass keine Abfahrer aus Deutschland im Starthaus stehen und sich in die Mausefalle stürzen.

Auch Sailers Landsmann Margreiter weiß, wie verheerend es für das Image ist, dass er seine Schützlinge nicht auf die Streif lässt. "Wir müssen alle erdenklichen Anstrengungen unternehmen, um dort wieder dabei zu sein", sagt Margreiter. In Deutschland spiele der "Kommissar Zufall" eine zu große Rolle, denn die Möglichkeit zum Skirennlauf seien "sehr begrenzt." Man müsse überall ansetzen.

Immerhin ist ein Anfang gemacht. In neun der zwölf mit Beschneiungsanlagen ausgestatten deutschen Wintersportgebiete sind vom Ski-Verband (DSV) bezahlte Schülertrainer im Einsatz. Und im Chiemgau gibt einer sein Wissen - ehrenamtlich - weiter, der 1978 und 1979 als letzter Deutscher auf der Streif gewann: Sepp Ferstl.

Volker Gundrum/DPA / DPA

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