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stern-Gespräch

Ski-Olympiasieger: Wie Markus Wasmeier mit seiner Frau den Krebs durchlitt und warum ihn seine Heimat tief berührt

Markus Wasmeier ist der erfolgreichste deutsche Skirennfahrer – er war Weltmeister, Olympiasieger, später wurde er Unternehmer, Bürgermeister eines selbst geschaffenen Dorfs. Er war zufrieden, glücklich. Aber dann ...

Von Arno Luik

Wie Markus Wasmeier mit seiner Frau den Krebs durchlitt und warum ihn seine Heimat tief berührt

Mein Gott, Herr Wasmeier, die Bäume, diese Berge, die Hühner, die dort drüben gackern, hier in Ihrem Garten ist es so schön, dass es fast wehtut.

Es ist fast kitschig. Wir haben ja nichts gehabt, früher, und wenn man sich so etwas Liebenswertes geschaffen hat, rührt mich das noch heute an. Wir könnten jetzt stundenlang philosophieren, was Heimat ist.

Für Sie, denke ich, zum Beispiel diese Berge.

Für mich ist Heimat zuerst ein Gefühl. Da drüben am Eingang zu unserem Hof ist ein Schild: "Dahoam is, wo dein Herz is".

Kitschig ist das, nicht "fast kitschig".

Nein. So ist es. Da gehört die Familie dazu, diese Berge, mein bayerischer Dialekt, dass hier jede Region ihre Kultur pflegt, aber auch die Jahreszeiten sind für mich wichtig. Etwa jetzt der Herbst – wie es nach verfaultem Laub riecht, gerade heute, wo die Sonne alles noch erwärmt, und ich weiß, bald kommt der Winter. Es ist großartig, wie der Schnee, Jahr für Jahr, alles verzaubert. Dort, der kleine Stock kriegt dann eine Mütze auf, und wenn es schneit, hörst du keine Vögel mehr, keinen Lärm mehr, alles wird still, ganz ruhig. Ich mag auch die Kälte, wenn die Luft ganz trocken wird und ganz sauber ist.

Der Klimawandel bedroht Ihr Paradies.

Früher kam der Schnee im Dezember, jetzt erst Anfang Januar – eigentlich müsste man Weihnachten um einen Monat verschieben.

Dem Schnee verdanken Sie alles.

Er ist mein Element. In der Schule, eine Zeit, an die ich nicht gern zurückdenke, wurde ich wegen meines Namens gehänselt, das war brutal. "Wasmeier, kommt der Geier, frisst die Eier!" Ich hab deswegen oft geheult.

Dieser Name ist doch lang nicht so, sagen wir: merkwürdig wie der Ihrer ehemaligen Skirennfahrkollegin, die Mösenlechner heißt.

Ich weiß nicht, ob die Gina Mösenlechner von ihren Schulkameraden ähnlich verspottet worden ist, wie ich es wurde. "Warum, fragte ich mal meinen Vater, "müssen wir bloß Wasmeier heißen?" Es war das einzige Mal, dass ich eine Ohrfeige von meinem Vater bekam. Er sagte: "Sei stolz, dass du ein Wasmeier bist!"

Und? Hat Ihnen dieser väterliche Befehl geholfen?

Auf jeden Fall habe ich danach auf meinen Namen anders geguckt als vorher. Und mein Vater hat mich, ich war so um die acht Jahre alt, zum Judo angemeldet – danach wurde plötzlich alles anders.

Sein größter Triumph: 1994 gewann "Wasi" in Lillehammer olympisches Gold im Super-G und Riesenslalom. Im Zenit seiner Karriere, die auch durch schwere Verletzungen geprägt war, hörte er auf

Sein größter Triumph: 1994 gewann "Wasi" in Lillehammer olympisches Gold im Super-G und Riesenslalom. Im Zenit seiner Karriere, die auch durch schwere Verletzungen geprägt war, hörte er auf

Weil Sie sich wehren, weil Sie zurückschlagen konnten?

Ich bin überhaupt nicht der Typ, der Gewalt als Mittel der Konfliktlösung sieht. Aber ich bekam eine andere Körpersprache. Ich wurde selbstbewusster, und das haben meine Mitschüler mitbekommen. Außerdem hatte ich noch etwas, von dem ich mich unterschied, etwas worin ich besser war als die anderen: Ich konnte schnell Ski fahren. Diese Fähigkeit hat mich von Schmach und Demütigung befreit. Das war wohl der Motor, so weit nach oben kommen zu wollen. Aber es war auch einfach so, als wäre der Ski ein Körperteil von mir.

Der Ski hat Sie zum Millionär gemacht, und er hat dafür gesorgt, dass der schüchterne Bub aus Schliersee...

Er hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Meine Erfolge haben mir viele Türen geöffnet, die sich sonst nie geöffnet hätten.

Sie stellen nun etwas dar: Sie sind Weltmeister, zweifacher Olympiasieger...

... das ist Vergangenheit.

... und Sie sind, das ist die Gegenwart, Bürgermeister eines selbst geschaffenen Museumsdorfs, Unternehmer, Herr über 80 Angestellte.

Bürgermeister ist ein schönes Wort, aber ich sehe mich eher als Hausmeister. Dass ich, nach meiner Sportkarriere, mit diesem Museumsdorf mich auf eine andere Ebene geschoben habe, ist mir erst nach und nach bewusst geworden. Als immer mehr Leute sagten: "Es ist doch der Wahnsinn, was Sie als Sportler geschaffen haben!" Dabei war für mich der Ursprungsgedanke einfach der, ohne Witz: die Freude am Arbeiten – und der Wunsch, Bauernhäuser aus dem 17. Jahrhundert, die am Verfallen sind, zu retten. Die alten Häuser, die voller Dreck und Müll sind, zu erforschen, freizuräumen und dann Balken für Balken wieder aufzubauen. Ein Traum. Es geht mir darum, eine alte Bauerntradition zu bewahren, unser kulturelles Erbe zu erhalten.

Sie wollen mit diesem Dorf Spuren legen, die keiner verwischt.

Nein. Ich will zeigen, woher wir kommen. Ich will den Besuchern zeigen: Geht mal rein in so ein Haus, wie es da raucht und stinkt, wie kalt es ist, wie dunkel, wie hart das Leben war. Aber auch, wie sie damals Freude am Schönen und Filigranen hatten, wie liebevoll sie die Häuser bemalten, mit Köpfen versahen, mit Schnitzereien. Das will ich zeigen, aber alles ohne Verklärung, ohne Kitsch. Den Menschen zeigen, was Tradition und Heimat sind.

Sein größter Stolz: das Museumsdorf Markus Wasmeier, das jährlich mehr als 100.000 Gäste besichtigen. Mit diesem Dorf, für das er mit Familie und Freunden mehrere Bauernhöfe aus dem 17. Jahrhundert an den Ortsausgang von Schliersee transferiert und dann jahrelang restauriert hat, will er "ohne Kitsch zeigen, woher wir kommen". Wasmeier, der gern Lederhose trägt, Zither und Schoßgeige spielt, ist tief in seiner bayerischen Heimat und ihren Traditionen verwurzelt – und dennoch weltoffen: "Selbst der urigste Bayer ist irgendwann mal eingewandert."

Sein größter Stolz: das Museumsdorf Markus Wasmeier, das jährlich mehr als 100.000 Gäste besichtigen. Mit diesem Dorf, für das er mit Familie und Freunden mehrere Bauernhöfe aus dem 17. Jahrhundert an den Ortsausgang von Schliersee transferiert und dann jahrelang restauriert hat, will er "ohne Kitsch zeigen, woher wir kommen". Wasmeier, der gern Lederhose trägt, Zither und Schoßgeige spielt, ist tief in seiner bayerischen Heimat und ihren Traditionen verwurzelt – und dennoch weltoffen: "Selbst der urigste Bayer ist irgendwann mal eingewandert."

Und diese Heimat ist bedroht von Fremden – sagen viele in der CSU, hetzten fast alle in der AfD.

Die AfD ist absolut nicht meine Partei, und mich erschreckt es, wie diese Partei Ängste schürt. Die AfD versteht Heimat nicht. Selbst der urigste Urbayer ist irgendwann einmal eingewandert. Ich bin so viel in der Welt herumgereist, dass ich weiß, wenn man freundlich und respektvoll ist, wird man überall willkommen geheißen. Für mich sind Ausländer keine Ausländer, sondern Menschen, und ich respektiere jeden Menschen, egal, woher er stammt, welche Hautfarbe er auch hat. Ich finde es super, dass so viele Menschen hier in Deutschland ehrenamtlich Flüchtlingen helfen, ich mach das auch.

In Ihrem Buch "Dahoam"* erzählen Sie, wie Sie Asylbewerber in Ihrem Museum beschäftigen.

Das war der Anthony aus Nigeria, bei uns hieß er Tony. Vier Jahre lang war er bei uns, er sprach bayerisch, und es war großartig zu sehen, wie unsere Gäste staunten, wenn er, der Pechschwarze, sie so begrüßte: "Habe die Ehre!" Leider hat Tony keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Und leider habe ich ein paarmal puren Rassismus gegen ihn erlebt: "Was? Der arbeitet bei euch!" Ja, klar!

Herr Wasmeier, Sie sind einer der ganz wenigen lebenden Deutschen...

Jetzt bin ich wirklich gespannt, auf was Sie hinauswollen.

... die an einer Autobahn ein Schild mit dem eigenen Namen haben: "Markus Wasmeier Freilichtmuseum Schliersee".

Es sind zwei Schilder an der A 8, einmal, wenn man von Rosenheim, und einmal, wenn man von München her nach Schliersee kommt. Mich freut das. Aber nicht wegen meines Namens, sondern weil das eine Anerkennung für dieses Museum ist, das wir übrigens ohne staatliche Unterstützung geschaffen haben.

Sie haben viel erreicht, Sie sind glücklich, aber dann, eines Tages, sitzen Sie mit Ihrer Frau im Behandlungszimmer einer Klinik, und es fällt ein Wort, das kein Mensch hören will: Krebs!

Mein Gott, ja! Und danach, innerhalb von Sekunden, ist alles anders. Zuerst hieß es, es ist eine Zyste, Frühstadium, was meine Frau hat, man könne das gut rausschneiden, kein Problem. Da ist Hoffnung. Aber dann sind wir im gleichen Krankenhaus in eine andere Abteilung geschickt worden, und da hieß es: Es muss bestrahlt werden, sofort, Chemo, das volle Programm, Unterleibskrebs. Meiner Frau hat es komplett den Boden unter den Füßen weggezogen. Sie hat auf einmal die Welt nicht mehr verstanden, sie hat gar nicht mehr gehört, was der Arzt sagte, sie war so mit sich selbst beschäftigt. Ihr schwirrte so viel plötzlich im Kopf herum, dass sie nichts mehr aufnahm, nichts. Auf einmal war sie mit ihrer eigenen Geschichte konfrontiert, mit Angst. Eine Welt ist zusammengebrochen, mir fehlen jetzt die Worte.

2013 mit seiner Frau Gitti auf dem Schliersee. Unbeschwert wirkt das Paar. Aber noch weiß es nicht, ob der Krebs, "dieses Monster in Gittis Körper", besiegt ist

2013 mit seiner Frau Gitti auf dem Schliersee. Unbeschwert wirkt das Paar. Aber noch weiß es nicht, ob der Krebs, "dieses Monster in Gittis Körper", besiegt ist

Sie haben Tränen in den Augen.

Ja, was soll ich sagen? Ich habe dann funktioniert, mich fokussiert auf die Aufgaben, die auf uns zukommen werden. Ich habe auf einen hoch konzentrierten Modus geschaltet wie früher als Wettkampfsportler. Und das war auch gut für meine Frau. Für ihr Seelenheil. Sie wusste, sie hat jemanden, der sich um alles kümmert. Allein wäre sie in der Luft gehangen. Es ist schon ein Unterschied, ob du nach so einer Diagnose allein heimfährst und du in trüben Gedanken versinkst oder ob da jemand ist neben dir, mein Gott...

Und dann muss man es den Kindern sagen.

Das war das Schlimmste überhaupt, für mich und für meine Gitti: den Kindern zu erzählen, dass Mama Krebs hat. Der Älteste war 19, er war in Südtirol auf dem Internat, steckte mitten im Abitur – ihn anrufen? Die beiden anderen Buben waren 18 und 16, Gitti sagte: "Ich kann das denen nicht sagen, mach du das." Dann habe ich die Kinder ins Zimmer geholt und versucht, es ihnen ganz undramatisch zu erklären. Ich wollte Hoffnung schüren, ihnen Luft zum Schnaufen lassen, aber es flossen Tränen. Es war schrecklich.

Und in Ihrem Kopf schrie es ohne Unterlass: Krebs!

Dieses Wort habe ich aber nur einmal benutzt, dann nie mehr, es war für uns alle tabu. Ich war in dem Modus: Wir kämpfen. Gitti bekam eine 96-Stunden-Chemo, also 96 Stunden am Stück hing sie am Tropf. Zweimal sollte sie diese Chemo bekommen, aber nach den ersten 15 Stunden war klar, dass sie diese Behandlung nicht verträgt und wohl nicht übersteht. Sie war fertig. Sie kam dann auf die Intensivstation, und die haben dort die Chemo gnadenlos weiter durchgezogen, und sie immer wieder ins Leben zurückgeholt.

Wie? Sie war schon tot?

Du weißt es nicht. Da liegt deine Frau, die Liebe deines Lebens, sie ist nicht mehr ansprechbar, sie hat die Augen geschlossen. Schläft sie? Kämpft sie? Ist sie tot? Noch schnauft sie. Am Ende dieser ersten Chemo waren alle drei Kinder bei ihr. Nachdem sie gegangen waren, sagte Gitti zu mir, leise und schwach, dass sie sich von ihnen verabschiedet habe: "Jetzt weiß ich, dass die Kinder gut aufgeräumt sind und ich nun gehen kann."

Das tut weh.

Ich habe mich von meiner Frau nicht verabschiedet. Aber natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, wie das Leben ohne sie weitergeht. Schaffe ich es allein mit den Kindern? Ich habe mir einen Plan B zugelegt – wie im Sport. Der Gedanke war sehr traurig und unvorstellbar, doch ich wusste, ich kann logischer denken, wenn ich einen Plan habe. Aber der Hauptgedanke war nur der: Ich muss meine Frau total unterstützen. Es gab für mich nur noch sie. Ich habe alle Termine abgesagt, ich war nicht mehr im Museum. "Dass du das für mich machst", sagte sie mal. Sagte ich: "Eh, du bist meine Frau!" Sechs, sieben Monate dauerte dieser Kampf, nur ein kleiner Kreis wusste von der Krankheit meiner Frau. Ich wollte auch nicht, dass es in einer Zeitung steht. Das wäre für uns alle bloß noch belastender gewesen.

Für das Einzelkind Markus sind seine Eltern "die besten Freunde". Mit seinem Vater Günther, der Maler und Restaurateur ist, hat er vor Jahren für seine Familie einen Bauernhof aus dem 15. Jahrhundert renoviert

Für das Einzelkind Markus sind seine Eltern "die besten Freunde". Mit seinem Vater Günther, der Maler und Restaurateur ist, hat er vor Jahren für seine Familie einen Bauernhof aus dem 15. Jahrhundert renoviert

Gab es Momente, in denen Sie verzweifelten, Sie sich fragten: Warum meine Frau? Warum hat sie diesen Krebs bloß bekommen!

Nein, nie. So hat auch Gitti nie gedacht. Wir haben diese Krankheit angenommen und die Situation akzeptiert, anders geht es nicht. Mach das Beste draus!

Mach das Beste draus?

Das war das Tolle, dass Gitti selbst in den düstersten Momenten den Humor nicht verlor. Wir haben trotz all der Sorgen viel gelacht. Eine Szene: Wir waren beim Bestrahlen, sie hatte kaum mehr Kraft, war abgemagert und dünn, und wir sind mit dem Rollstuhl im Krankenhaus rumgefahren. Gitti hatte große Kopfhörer auf, damit die anderen Patienten sie nicht ansprachen. Sie, die sonst immer anderen half, hatte jetzt keine Kraft mehr, sich das Leid der anderen anzuhören. Wir sind also im Rollstuhl rumgefahren, und da war ein dunkler, menschenfeindlicher Katakombengang, gefühlt einen halben Kilometer lang. Plötzlich sagte Gitti: "Ich will jetzt gehen." Dann ist sie aufgestanden – in diesem dunklen, kalten, absolut geschmacklosen Flur. Und in einem Megatempo, die großen Kopfhörer auf den Ohren, hat sie sich vorwärts bewegt, Zentimeter um Zentimeter, fast in Zeitlupe, plötzlich sagte sie: "Gell, heute bin ich schnell unterwegs!" Die Situation war so grotesk, dass wir einfach lachen mussten.

Sie sehen Ihre Frau, die sich körperlich auflöst, immer schwächer wird – überlegt man sich da auch Irrationales? Etwa nach Lourdes zu wallfahren und auf ein Wunder zu hoffen?

Irrationales? Da haut man Stoßgebete raus. Ich habe schon einige Wallfahrten gemacht in die Kapelle Birkenstein und habe dort Kerzen angezündet. Du kannst natürlich auch einen Baum umarmen und bitten, dass er deiner Frau hilft. Aber mir tat der Glaube gut. Von Gittis Freundinnen, die uns sehr halfen, habe ich manchmal eine Auszeit bekommen. Ich bin oft auf den Berg da oben, da bist du dem Herrgott sowieso näher.

Und dann kam die zweite Chemo.

Davor waren ja wochenlang die täglichen Bestrahlungen. Für meine Frau war es ein Horror, von hier Tag für Tag nach München zu fahren. Mir war klar, dass meine Frau diese zweite Chemo nicht überleben würde. Die Ärzte hatten gesagt: "Ihre Frau hatte bei der ersten immer wieder ein Herzversagen, weil sie das nicht verträgt." Das sagten sie, aber trotzdem wollten sie ihr Programm sturheil durchziehen.

Brutal.

Ich habe deswegen überall rumtelefoniert und bin schließlich bei einem Spezialisten in Freiburg gelandet. Dieser Professor dort sagte: "Auf keinen Fall darf Ihre Frau die gleiche Chemo bekommen. Es hilft Ihnen doch nichts, wenn Ihre Frau vom Krebs geheilt wird, aber am Herzinfarkt stirbt!" Dem Arzt, der sie behandelte, sagte ich: "Wir machen keine Chemo mehr!" Der war angefressen und hat mich blöd angeschaut. Ich habe diese andere Therapieform durchgesetzt, Infusionen, aber der Arzt sagte vorher: "Das passiert auf Ihre Verantwortung! Das ist Ihre Entscheidung." Das fand ich krass, ja unverschämt, dass er mir nun die Verantwortung für die Heilung, das Überleben meiner Frau zuschob. Als Ihre Frau mich vorhin begrüßte, wirkte sie munter und fröhlich. Sie ist munter und fröhlich. Sie ist jetzt gesund. So wie es aussieht, das ist nun fünf Jahre her, hat sie das Monster in ihrem Körper besiegt.

Hat diese Krankheit Ihr Leben verändert?

Unser Bewusstsein hat sich sehr verändert. Wir waren immer dankbar für das, was wir haben. Aber diese Krankheit hat uns aus dem Alltagstrott rausgeworfen. Für uns ist seitdem nichts mehr selbstverständlich. Es mag kitschig klingen: Diese Krankheit hat uns Kraft gegeben, ja, wir wollen sie nicht missen, sie gehört zu uns.

Weil Sie kitschig sagen: Ist es nun so, dass Sie jeden Tag als einen geschenkten Tag empfinden?

Wir beginnen ihn in aller Ruhe am Morgen mit dem Frühstück: Da läuft bei uns kein Radio, wir hören keine Musik, keine Nachrichten. Wir haben unser Leben entschleunigt. Ja, ich sage es laut: Jeder Tag ist für uns nun ein geschenkter Tag.

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