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Wintersport: Drama im Eiskanal

Der deutsche Bobsport steht unter Schock: Chefbundestrainer Raimund Bethge ist bei einem Trainingsunfall am Mittwochmorgen auf der Olympiabahn in Cesana schwer verletzt worden. Die Schuldfrage ist offen.

Der Kreislauf des 58-Jährigen musste an der Bahn stabilisiert werden, er erlitt nach Aussage von Teamarzt Dr. Martin Nieswand einen offenen Unterschenkelbruch und im anderen Bein eine Sprunggelenksfraktur. Am Mittwochnachmittag wurde Bethge, der sich außer Lebensgefahr befindet, operiert. "Ein Riesenschreck. Hauptsache, er wird schnell wieder gesund - Olympia tritt da in den Hintergrund", sagte Verbandspräsident Andreas Trautvetter. Auch der gut zwei Monate vor den Winterspielen in Turin weilende Sportdirektor Stefan Krauß sieht "die schnelle und bestmögliche medizinische Versorgung im Vordergrund". Ein australischer Zweierbob hatte kurz nach 9 Uhr den in der Eisbahn postierten Bethge in einer Kurve erfasst. Über die Schuldfrage gibt es unterschiedliche Auffassungen. Es müsse nun analysiert werden, wie es zu diesem Unfall kommen konnte.

Ungültiger Zeitplan möglicherweise Schuld an der Kollision

Krauß wollte das Statement des Organisationskomitees TOROC über "unerlaubten Aufenthalt" Bethges in der Bahn "so nicht stehen lassen". Laut Krauß habe es offenbar ein Kommunikations-Defizit gegeben. Bethge habe ihm in einem Telefonat gesagt, dass er keine Lautsprecherdurchsage gehört habe. Das TOROC verweist auf die Vereinbarung, dass wegen des um 9 Uhr angesetzten Trainings ab 8.30 Uhr keine Person mehr in der Bahn sein durfte. Krauß hält dagegen: "Der ursprüngliche Zeitplan war durch Schneefall und die längere Bahnpräparierung nicht mehr gültig." Eine Durchsage soll es allerdings gegeben haben.

Der deutsche Chefcoach war mit dem Hubschrauber zur medizinischen Versorgung ins Turiner San Giovanni Bosco Hospital gebracht worden. Dort wurde er gründlich untersucht, auch eine Gehirnerschütterung wurde diagnostiziert. Bei dem Unfall handelte sich um die erste Fahrt der internationalen Trainingswoche. Das Training wurde daraufhin unterbrochen, aber noch am Vormittag fortgesetzt. Damen-Bundestrainer Wolfgang Hoppe übernahm bis Samstag in Cesana die Cheffunktion Bethges. "Anfang nächster Woche werden wir uns über die Verantwortlichkeiten verständigen", erklärte Krauß: "Bis dahin wissen wir auch, wie es mit Raimund weiter geht."

Rodel-Bundestrainer verlor linkes Bein

Dieser soll, sobald er transportfähig ist, nach Murnau verlegt werden. Bethge ist seit 1990 Cheftrainer für Bob im gesamtdeutschen Verband und inzwischen auch für den Skeleton-Bereich zuständig. Er ist der erfolgreichste Coach der Szene, erfahren und alles andere als leichtsinnig. Seine Schützlinge holten bisher insgesamt 103 Medaillen bei Olympischen Spielen und internationalen Meisterschaften, darunter 45 goldene Plaketten. Bethge ist bereits der zweite Bundestrainer des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, der bei einem Trainingsunfall schwer verletzt wurde. Vor den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer hatte es einen ähnlichen schlimmen Vorfall in der deutschen Mannschaft gegeben. Der damalige Rodel-Chefbundestrainer Sepp Lenz wurde in Winterberg von einem Rodelschlitten erfasst, er verlor das linke Bein unterhalb des Knies und trägt nun eine Prothese.

DPA

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