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WM-Boxkampf: "Weißer Tyson" fordert den Box-Riesen

Der amtierende WBA-Weltmeister Nikolai Walujew ist ein Riese, sein Herausforder im WM-Kampf am Samstagabend ist 30 Zentimeter kleiner. Aber Ruslan Tschagajew ist ein ernst zunehmender Gegner, der den Kampf gewinnen kann. Sein Kampfname lautet: "Weißer Tyson".

Die Geschichte von David und Goliath erfährt ihre nächste Inszenierung. Der 1,85 Meter große Box-Profi Ruslan Tschagajew (Usbekistan) will am Samstabend in Stuttgart versuchen, den 28 Zentimeter größeren WBA-Weltmeister im Schwergewicht, Nikolai Walujew (Russland), zu stürzen. "Ich bin der schnellere, beweglichere Boxer und habe einen harten Punch. Wie Mike Tyson. Er war auch immer der kleinere Boxer und ist trotzdem mehrfach Weltmeister geworden", drohte der ungeschlagene Herausforderer, der sich mit 17 K.o.'s in 23 Kämpfen den Kampfnamen "weißer Tyson" verdient hat.

Der Boxer aus der Hamburger Universum-Promotion, der im Gegensatz zu Walujew die Weltelite schon als Amateur-Weltmeister in Schach hielt, hat sich so akribisch vorbereitet wie immer. Und doch war etwas anders. "Ich habe mich beim Training manchmal auf eine Kiste gestellt, damit Ruslan ein Gefühl für die Größe seines Gegners bekommt", verriet Trainer Michael Timm.

Im Training nur gegen Hünen geboxt

Zudem wurde gleich eine ganze Gruppe von Hünen zum Training verpflichtet, um sich auf den Stil des russischen Riesen einzustellen. Der größte war 2,16 Meter, der schwerste wog 160 Kilo. Keiner hat länger als zwei Runden durchgestanden", berichtete Timm. Das allerdings waren ausnahmslos Basketballer, die mit "Wattebällchen werfen". Und in die Rubrik ist Walujew ganz gewiss nicht einzuordnen, auch wenn es seinen Schlägen wegen seiner außergewöhnlichen Maße an Explosivität mangelt.

Im Gegenteil. Der mehr wegen seiner Statur als den boxerischen Fähigkeiten bekannte 34-Jährige, der in 47 Profikämpfen unbesiegt ist, hat weiter an seinem Stil gefeilt. Und auch an seiner Physis: in den Wäldern seiner Heimat und im Schwimmbecken von Kienbaum, um die Gelenke nicht zu sehr zu belasten. "Ich bin sehr gut vorbereitet", sagte Walujew. Auch Manager Wilfried Sauerland lobte dessen hervorragende Verfassung. "Er wird das leichteste Gewicht seit Jahren haben", sagte der Manager. "Das zeigt, mit welcher Intensität er sich im Training vorbereitet hat."

Der Sieger boxt vielleicht gegen Klitschko

Unabhängig vom Ausgang am Samstag ist die Diskussion danach. Der Sieger wird als möglicher Herausforderer in einem Vereinigungstitelkampf mit IBF- und IBO-Weltmeister Wladimir Klitschko gehandelt. Der Ukrainer, der seine Titel im März in Mannheim verteidigt hat, bastelt hinter den Kulissen schon seit Monaten an einem solchen Kampf. Bisher allerdings ohne Erfolg.

Gert Glaner/DPA / DPA

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