WM-Titel André Lange wurde Zweierbob-Weltmeister


Die Strapazen haben sich gelohnt: Bei 20 Grad Minus gewannen André Lange und sein Sozius Kevin Kuske den heiß ersehnten Titel. Für den siegreichen Viererbobfahrer Lange war es der erste "Zweier"-Gewinn.

Fast erfroren, aber das heiß ersehnte Gold gewonnen. Nach dem WM-Erfolg 2000 und dem Olympiasieg 2002 im Viererbob hat André Lange erstmals in seiner Karriere einen großen Titel im kleinen Schlitten geholt. Bei der Weltmeisterschaft in Lake Placid verwies er am Sonntag mit Anschieber Kevin Kuske in 3:39,77 Minuten das kanadische Duo Pierre Lueders/Giulio Zardo (3:40,08) nach vier Läufen auf Rang zwei. Europameister René Spies wurde mit Bremser Franz Sagmeister (Winterberg/3:40,50) Dritter. Lokalmatador Todd Hays (3:40,66) musste sich mit Platz vier begnügen.

«Ich muss mich bei meinem Kleinen bedanken, der gestern und heute einen tollen Job gemacht hat», lobte der Oberhofer Lange seinen Sozius Kuske, «ich muss das jetzt erstmal sacken lassen, was diese Goldmedaille bedeutet. Wir haben es durch eine fantastische letzte Fuhre geschafft.» Genau 30 Jahre nach dem WM-Titel im Zweier durch Wolfgang Zimmerer/Peter Utzschneider holte das Duo erneut Gold in Lake Placid für den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD). Das erste deutsche WM-Gold gewannen Hanns Kilian/Sebastian Huber 1931 ausgerechnet in Oberhof.

Gewinn bei mehr als 20 Grad unter Null

Auf der gefährlichsten Eispiste der Welt und bei Temperaturen von mehr als 20 Grad unter Null am Mount van Hoevenberg bibberten sogar die härtestens Jungs der Branche, die in ihren hauchdünnen Rennanzügen schon gerne Mal Wade zeigen und ohne Socken in die Spikes schlüpfen, im Ziel um die Wette. Im 20 Kurven umfassenden Labyrinth wurde es «Bärchen», wie Lange von seinen Freunden gerufen wird, jedoch warm ums Herz. «Ich habe im Vorfeld nicht umsonst gesagt, dass die schwierige Bahn mir entgegenkommt», frohlockte der 29-Jährige.

Lange hatte nach dem ersten Lauf nur zwei Hundertstel Rückstand auf Lueders, der in 54,95 Sekunden den zwei Jahre alten Bahnrekord von Hays (55,65) unterbot. Im zweiten Durchgang nahm Lange dem Weltcup-Gesamtsieger im kleinen Schlitten 26/100 Sekunden ab und übernahm die Spitzenposition. Im dritten Lauf aber raste Lueders mit dem Bahnrekord von 54,61 Sekunden bis auf 2/100 Sekunden an den Oberhofer heran. «Das ist gigantisch. Die Form von Andre in den letzten drei Wochen war überragend. Die zwei Medaillen übertreffen alle Erwartungen», bilanzierte Cheftrainer Raimund Bethge, der 1978 im Bundesstaat New York mit Meinhard Nehmer WM-Silber und im Vierer WM-Bronze gewonnen hatte.

Die Schweizer waren die großen Verlierer

Die großen Verlierer des Wochenendes waren die Schweizer. Der beste Anschieber der Eidgenossen, Beat Hefti, hatte im Vorfeld der Titelkämpfe eine tätliche Auseinandersetzung mit Bremser Silvio Schaufelberger verursacht und wurde von Delegationsleiter Hans Hiltebrand nach Hause geschickt. Die Position von Hefti, in Salt Lake City noch Olympia-Dritter mit Martin Annen, übernahm Urs Aeberhard. Allerdings landete der Bob Schweiz II mit Pilot Ralph Rüegg mit schwachen Startzeiten nur auf Platz elf. Martin Annen im Bob Schweiz I wurde nach dem zweiten Durchgang wegen 4 kg Übergewichts disqualifiziert und kündigte seine vorzeitige Abreise für Mittwoch an. Damit wird er auch nicht bei der Entscheidung im Vierer am kommenden Wochenende teilnehmen.


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