Als der größte Erfolg ihrer noch jungen Karriere perfekt war, fiel Mirra Andrejewa auf die Knie und schlug die Hände vors Gesicht. Die russische Tennisspielerin hielt im Finale der French Open dem großen Titel-Druck stand und stoppte den sensationellen Lauf der Qualifikantin Maja Chwalinska. Die 19-Jährige setzte sich mit 6:3, 6:2 gegen die krasse Außenseiterin aus Polen durch und feierte ihren ersten Grand-Slam-Titel.
Auf der Tribüne jubelte ihre Trainerin, die spanische Ex-Topspielerin Conchita Martínez, mit. Andrejewa ist die jüngste Siegerin von Roland Garros seit Monica Seles, die 1992 als 18-Jährige bereits ihren dritten Gesamtsieg hintereinander in Paris geholt hatte.
Die 24 Jahre alte Chwalinska verpasste es, als erst zweite Qualifikantin in der Geschichte einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Das Kunststück war bislang nur der Britin Emma Raducanu bei den US Open 2021 gelungen.
Für die Polin war aber schon der Finaleinzug ein Riesenerfolg. Mit den 1,4 Millionen Euro als Belohnung für Platz zwei sammelte sie in Paris doppelt so viel Preisgeld wie in ihrer gesamten Karriere zuvor. Die 114. der Tennis-Welt war die am niedrigsten gelistete French-Open-Finalistin seit Einführung der WTA-Weltrangliste. Nach dem Turnier wird sie auf Platz 21 springen.
Viel Wind, viele Breaks
Die Bedingungen mit dem starken Wind machten beiden Finalistinnen merklich zu schaffen – vor allem bei den eigenen Aufschlagspielen. Chwalinska bereitete mit ihrem ungewöhnlichen Spielstil zunächst auch der großen Favoritin Andrejewa Probleme. Mit hohen Bällen, viel Slice und einigen Stopps variierte die Polin. Ihre Gegnerin stellte sich mit zunehmender Spieldauer aber besser darauf ein und holte sich verdient den ersten Satz.
Chwalinska, die aufgrund der Qualifikation drei Matches mehr als Andrejewa in den Beinen hatte, kam im zweiten Durchgang sichtlich auch körperlich an ihre Grenzen. Auch die Anfeuerungen aus dem Publikum halfen nur wenig. In ihrem Spiel schlichen sich mehr Fehler ein, die nun deutlich dominantere Andrejewa wusste das zu nutzen.
Schon früh ein Tennis-„Wunderkind“
Andrejewa galt schon länger als potenzielle Grand-Slam-Turniergewinnerin. Als Tennis-„Wunderkind“ wurde sie schon 2022 gefeiert, als sie im Alter von 15 Jahren ihr Debüt auf der Tour gab. Den Feinschliff erhielt die in Sibirien geborene Russin im französischen Cannes an einer renommierten Trainings-Akademie. Ihre Siege bei den Masters-Turnieren in Dubai und Indian Wells im Jahr 2025 weckten Erwartungen, die Andrejewa danach zunächst nicht ganz erfüllen konnte.
Mit dem gestiegenen Druck kam die junge Athletin nicht immer klar, ihre Wutausbrüche bei besonders bitteren Rückschlägen sorgten für Schlagzeilen. Ihre Trainerin Martínez sorgte dafür, dass sich Andrejewa immer schnell wieder fing – wenn es sein musste, auch mit einer klaren Ansage. „Wir können schon mal hart zueinander sein“, sagte Andrejewa. „Aber außerhalb des Spielfelds haben wir natürlich ein freundschaftliches Verhältnis.“