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stern-Recherchen Stiftung "Plant for the Planet": Partner aus Wissenschaft und Industrie wenden sich ab

Felix Finkbeiner spricht beim Ludwig-Erhard-Gipfel 2020
Felix Finkbeiner spricht beim Ludwig-Erhard-Gipfel 2020
© Felix Hörhager / Picture Alliance
Die Stiftung "Plant for the Planet" pflanzt mit Spenden Bäume, um den Klimawandel zu bremsen. Gute Idee, doch nach Bedenken bezüglich der Umsetzung wendet sich ein erstes Forschungsinstitut nun ab. Ebenso wie Kooperationspartner aus der Industrie.

Die Recherchen des stern über fragwürdige Praktiken der Stiftung "Plant for the Planet" schlagen Wellen. In dem Artikel hat der stern beschrieben, wie die mangelnde fachliche Begleitung und die fehlende Nachprüfbarkeit in Mexiko und Deutschland zu nicht haltbaren Erfolgsmeldungen führten. Der Bericht legte auch die zweifelhafte Struktur der Organisation und die strittige wissenschaftliche Fundierung des Projekts offen.

Forschungsinstitut und Industrie lassen Zusammenarbeit ruhen

Nach Lektüre zog das Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) der Uni Witten/Herdecke noch am Tag der Veröffentlichung im stern Konsequenzen. Das ZNU ist ein anwendungsorientiertes Forschungsinstitut, das sich mit der messbaren Weiterentwicklung von Nachhaltigkeit in Unternehmen beschäftigt. Im Rahmen seiner Klimainitiative ZNU goes Zero hatte es unter anderem Plant for the Planet empfohlen. Das ZNU ließ nun wissen: "Wir haben uns dazu entschieden, die Beziehung zu Plant for the Planet weiterhin ruhen zu lassen. Wir behalten uns explizit vor, die Beziehung komplett zu beenden."

Auf Nachfrage erklärt Zentrumsleiter Dr. Axel Kölle: "Nach Lektüre des Berichts blieb uns gar nichts anderes übrig." Seit Monaten fordert er von der Stiftung die Einbindung unabhängiger, wissenschaftlicher Prüfinstitutionen sowie den Prüfbericht einer anerkannten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. "Das grundlegende Anliegen der Organisation ist positiv", sagt Kölle. Er bedauert die Entscheidung, die unausweichlich gewesen sei.

Inzwischen möchte sogar der Senffabrikant Develey, deren Chef Michael Durach Mitglied im Vorstand von Plant for the Planet sitzt, die Kooperationen aussetzen, wie die "Zeit" berichtet. Auch der Großkonzern Procter & Gamble, der noch Anfang des Jahres einen "Pampers-Wald" in Mexiko pflanzen ließ, sowie der Käsehersteller Hochland  und die Münchner PR-Agentur Engel & Zimmermann werden die Zusammenarbeit ruhen lassen. Die Bitburger Braugruppe hat die Zahlungen an Plant for the Planet bereits im Januar ausgesetzt.  Auch der Getränkehersteller Eckes-Grannini hat sich bereits zurückgezogen.

luh / Joachim Rienhardt

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