HOME

Neue Erkenntnisse: Coronavirus ist offenbar schon bei leichten Symptomen übertragbar

Das Coronavirus kann nach Erkenntnissen deutscher Forschungsinstitute auch von Patienten mit nur sehr milden Krankheitssymptomen übertragen werden. Außerdem gibt es Hinweise, dass sich der Erreger im Verdauungssystem vermehrt.

Coronavirus: Eine Probe wird auf das Coronavirus getestet

Wuhan, China: Eine Probe wird auf das Coronavirus getestet

AFP

Das Coronavirus ist offenbar bereits bei sehr leichten Symptomen übertragbar. Das berichteten das Institut für Virologie der Berliner Charité und das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr am Dienstag nach regelmäßigen Untersuchungen der in der Münchner Klinik Schwabing betreuten Patienten.

Die Labore beider Institute stellten demnach in mehreren Fällen fest, dass infektiöse Viren aus dem Nasen- und Rachenraum von Menschen mit geringen Symptomen in Zellkulturen angezüchtet werden können. "Diese Beobachtungen sind deutliche Hinweise für eine Übertragbarkeit des Virus bereits bei milder oder beginnender Erkältungssymptomatik", schrieben die Virologen aus München und Berlin. Die Krankheitszeichen der untersuchten Patienten ähnelten eher einer harmlosen Erkältung als einer schwerwiegenden Lungenentzündung. Mögliche Symptome sind demnach Halsschmerzen, Zeichen einer akuten Nasennebenhöhleninfektion oder ein leichtes, allgemeines Krankheitsgefühl ohne Fieber. 

Die Forscher fanden auch Hinweise darauf, dass sich das neuartige Coronavirus unabhängig von der Lunge auch im Nasen- und Rachenraum sowie im Verdauungstrakt vermehrt. Unklar ist derzeit, ob über das Verdauungssystem auch eine Ansteckung mit dem Erreger erfolgen kann.

Philipp Mattheis, stern-Korrespondent China, spricht über das Coronavirus

Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr betonte, mit den Untersuchungen in München und Berlin seien erstmals außerhalb Chinas wissenschaftliche Daten hinsichtlich der Übertragung der Viren zusammengetragen worden. In der Mitteilung heißt es weiter, dass sich die Institute aufgrund "der hohen Bedeutung für die Ausbreitungskontrolle" dazu entschlossen haben, die Ergebnisse noch vor dem endgültigem Abschluss der Untersuchungen zu veröffentlichen. 

In Deutschland gibt es bislang insgesamt zwölf bestätigte Fälle von Erkrankungen durch das Coronavirus. In acht Fällen davon handelt es sich um Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto in Bayern. Angestellte des Unternehmens hatten sich bei einer aus China zu einer Schulung angereisten Kollegin angesteckt.

Frau aus China hatte offenbar doch Symptome

Die bayerischen Behörden hatten zunächst mitgeteilt, dass die chinesische Kollegin während ihres Aufenthalts in Deutschland keinerlei Krankheitssymptome gezeigt habe - die Frau wäre damit in der Inkubationszeit ansteckend gewesen. Das Fachblatt "The New England Journal" (NEJM) hatte ebenfalls berichtet. 

Doch mittlerweile gibt es Zweifel an dieser Darstellung: Wie die Fachzeitschrift "Science" schreibt, stammte diese Information von den später Infizierten - nicht aber von der Frau selbst. Sie wäre zunächst nicht zu erreichen gewesen. Später stellte die Patientin laut "Science" aber klar, dass sie bereits während ihres Aufenthalts in Deutschland erste Krankheitssymptome gezeigt habe. Sie habe sich demnach müde gefühlt, Gliederschmerzen gehabt und habe Paracetamol, ein fiebersenkendes Mittel, genommen.

Experten hatten die deutschen Fälle zunächst als Beleg dafür gewertet, dass der Erreger auch von symptomlosen Infizierten übertragen werden kann. Dies wird nun wieder in Frage gestellt. Die neuen Erkenntnisse sind aber auch kein Beleg dafür, dass der Erreger nicht in der Inkubationszeit übertragen werden kann. 

Trotz der massiven Schutzvorkehrungen konnte die Ausbreitung des Coronavirus in China bislang nicht gebremst werden. Nach Regierungsangaben infizierten sich inzwischen mehr als 20.000 Menschen mit dem Erreger. 425 Menschen in Festlandchina starben daran. Außerhalb Chinas gab es bislang jeweils einen Todesfall in Hongkong und in der philippinischen Hauptstadt Manila.

ikr / AFP

Wissenscommunity