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Arbeitsagentur: Wirtschaftsflaute erschwert Jobsuche

Die Arbeitslosenzahlen für den September sahen noch ganz erfreulich aus, doch mit den guten Nachrichten vom Arbeitsmarkt wird es bald vorbei sein. Wegen des Abschwungs und der Finanzkrise erwarten Experten, dass die Zahl der Erwerbstätigen 2009 deutlich sinken wird.

Von Ulrike Heike Müller, André Kühnlenz

Angesichts des Abschwungs korrigieren seit einiger Zeit viele Forschungsinstitute und Banken ihre Wachstumsvorhersagen nach unten. Die Flaute wird auch den Arbeitsmarkt treffen. Die Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) sagen ein Minus von 170.000 voraus. Die Bundesregierung hingegen rechnet bislang mit einer Zunahme von 30.000. "Die Regierung wird ihre Prognose nach unten revidieren", sagte Arnd Schäfer, Volkswirt der WestLB.

Dazu kommt die Unsicherheit über die Folgen des Finanzmarktdebakels. Die Regierung wird ihre neue Prognose Mitte Oktober vorlegen. Sie ist auch die Grundlage für die Berechnung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Im Juli waren 40,3 Millionen Menschen erwerbstätig.

"Die letzte Bastion, der Arbeitsmarkt, wird fallen", sagte Alexander Koch, Volkswirt bei Unicredit. Dies signalisiert auch das Ifo-Beschäftigungsbarometer für September, das die Forscher des Münchner Ifo-Instituts exklusiv für die "Financial Times Deutschland" (FTD) berechnen. Demnach planen die rund 7000 befragten Unternehmen, in den nächsten drei Monaten kaum noch neue Mitarbeiter einzustellen. "Der Beschäftigungsaufbau kommt im Herbst zum Stillstand. Ab dann wird es keine zusätzliche Beschäftigung mehr geben", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger.

Noch stellen Firmen ein

Noch ist die Bereitschaft der Firmen hoch, neue Mitarbeiter einzustellen: Der Stellenindex BA-X der Bundesagentur für Arbeit (BA) - er fasst die freien Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt zusammen - stieg im September noch einmal um drei Zähler auf 247 Punkte. Doch räumt die BA ein, diese Entwicklung könnte überzeichnet sein: Die Arbeitgeber würden stärker im Internet neue Mitarbeiter suchen, sodass die BA dort mehr freie Stellen finde. "Wir erwarten, dass in den nächsten Monaten auch der BA-X in eine Seitwärtsbewegung einsteigt", sagte BA-Expertin Judith Wüllerich.

Schließlich zeigen auch die Umfragen der EU-Kommission vom September, dass die Deutschen sich verstärkt vor steigender Arbeitslosigkeit fürchten. Der entsprechende Saldoindex stieg von zehn auf elf Punkte. Das bedeutet, dass die Mehrheit in den nächsten zwölf Monaten mit steigender Arbeitslosigkeit rechnet. Bereits im Vormonat war der Indikator heftig um sieben Punkte gestiegen.

Mehr Arbeitslose zur Jahreswende

Dies alles legt nahe, dass die guten Zeiten auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr lange dauern. Immerhin waren im vergangenen Jahr 700.000 Menschen mehr beschäftigt. Bis Juli waren es noch einmal zusätzliche 400.000. Für den September haben sich die Annahmen bestätigt, dass es noch einmal weniger Arbeitslosen geben werde. Doch spätestens zur Jahreswende sagt die Mehrzahl der Experten sinkende Beschäftigtenzahlen vorher. Deshalb geht die WestLB auch davon aus, dass die Arbeitslosenquote 2009 von 7,8 auf 8,1 Prozent steigt.

Optimistischer sind die Forscher des IAB-Instituts, das zur BA gehört. Sie rechnen 2009 mit einer Zunahme der Beschäftigten um 102.000 auf rund 40,4 Millionen. Dabei unterstellen auch sie, dass es in den einzelnen Monaten stagnierende oder sinkende Beschäftigtenzahlen gibt. "Aber wir glauben, dass die Rückgänge nicht so stark sind, dass sie das Plus aus diesem Jahr kompensieren", sagte IAB-Expertin Sabine Klinger.

  • André Kühnlenz