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Ifo-Index: Dem Aufschwung geht die Puste aus

In der deutschen Wirtschaft breitet sich Pessimismus aus: Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel überraschend stark. Der Wert, der die Erwartungen der Firmen widerspiegelt, sank sogar auf den tiefsten Stand seit Jahren.

Der hohe Ölpreis und die Wirtschaftsflaute in den USA haben den Aufschwung in Deutschland ausgebremst. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stürzte im Juli von 101,2 auf 97,5 Punkte ab. Das ist der tiefste Stand seit drei Jahren. "Diese Ergebnisse legen nahe, dass der konjunkturelle Aufschwung zu Ende geht", sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn. Die meisten Volkswirte rechnen aber nicht mit einer Rezession. Der wichtigste deutsche Konjunkturindex beschleunigte seine Talfahrt im Juli überraschend stark.

"Es geht abwärts"

Quer durch alle Branchen sahen die befragten Unternehmen ihre Geschäftsaussischten für die nächsten sechs Monate noch einmal deutlich schlechter als in den Vormonaten. Der Teilindex brach um 4,6 Punkte auf 90,0 ein. Auch die aktuelle Geschäftslage wurde schlechter bewertet, der Index fiel von 108,3 auf 105,7 Punkte. Der Trend ging sowohl in der Industrie als auch in Einzel- und Großhandel und auf dem Bau nach unten, erklärte Sinn. "Jetzt geht dem Aufschwung die Luft aus", sagte der Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger. "Der Gipfel der Dynamik liegt hinter uns, es geht abwärts." Die Mischung aus belastenden Faktoren sei zwar "gefährlich, aber es rutscht nicht alles ab. Wir haben eine solide Basis", sagte Abberger. "Ich sehe keinen Absturz, keine Rezession."

Als Hauptgründe für das Ende des Aufschwungs nannte der Wirtschaftsforscher die enorm gestiegenen Öl- und Energiepreise, die schwache Konjunktur in den USA und Teilen Europas und den starke Euro. Besserung sei nicht in Sicht: "Das Öl wird teuer bleiben." Für die deutsche Exportindustrie sei die Nachfrage aus Asien, Rußland, Osteuropa und den ölexportierenden Ländern zwar eine Stütze, aber den Rückgang in den USA und mehreren EU-Ländern könnten sie nicht auffangen. Und die Notenbank sei in der Klemme zwischen hoher Inflation und schwacher Konjunktur. Deshalb sei keine Zinsänderung zu erwarten.

Entwicklung im Maschinenbau normalisiert

Die Industrie erwartet laut Ifo-Umfrage, dass ihre Ausfuhren nicht mehr so stark wachsen. Querbeet verliere der Export an Schwung. Auch im Maschinenbau habe sich die fantastische Entwicklung jetzt normalisiert, sagte Abberger. Am stärksten brach die Stimmung im Einzelhandel ein. "Weil die Leute mehr für Energie, fürs Tanken ausgeben müssen, spürt das der Einzelhandel sehr stark", erklärte der Konjunkturexperte. Das Stimmungstief wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. "Die Unternehmen stellen zwar weiter ein, bauen weiter Personal auf, aber deutlich vorsichtiger", sagte Abberger. Steigende Arbeitslosigkeit sei derzeit jedoch nicht zu befürchten.

Hilfreich wäre, wenn die Notenbanken eine ruhige Hand behielten, die Tarifparteien Abschlüsse mit Augenmaß vereinbarten und die Politik die Spielräume zur Steuerentlastung nutzen würde. "Die Situation ist schwieriger geworden, aber wir stehen nicht im Bodenlosen", sagte der Ifo-Experte.

Auch die Bundesagentur für Arbeit (BA) reagiert auf die steigenden Konjunkturrisiken. Sie hat indirekt vor einer zu starken Absenkung des Beitrages zur Arbeitslosenversicherung gewarnt. Der Aufschwung am Arbeitsmarkt habe seinen Höhepunkt überschritten, schreibt die Behörde in ihrem veröffentlichen vierteljährlichen Finanzbericht. Es sei aber noch zu früh, bereits von einem Ende der positiven Entwicklung zu sprechen. "Kehrt sich der bisherige Trend um, wird der Haushalt rasch einer Belastung aus sinkenden Einnahmen und steigenden Ausgaben ausgesetzt sein", warnt die BA. Der Beitrag war Anfang dieses Jahres von 4,2 auf 3,3 Prozent des Bruttolohns verringert worden. Für die BA bedeutete das Mindereinnahmen von etwa sieben Milliarden Euro. Im Gespräch ist eine Senkung auf 3,0 Prozent ab 2009.

Für das laufende Jahr bestätigte die Behörde ihre bisherige Schätzung, dass ihr Defizit vor allem wegen sinkender Ausgaben für das Arbeitslosengeld I zum Jahresende mit 3,2 Milliarden Euro um rund 1,8 Milliarden Euro geringer ausfallen könnte als eingeplant. Darin eingeschlossen sei eine einmalige Rücklage von 2,5 Milliarden Euro für Beamtenpensionen. Das Minus aus dem operativen Geschäft liege daher nur bei 700 Millionen Euro. Das Defizit deckt die Behörde aus ihren Rücklagen in Milliardenhöhe. Ende 2007 hatte die BA 17,8 Milliarden Euro auf der hohen Kante.

Allerdings warnt die BA, dass ihre Schätzung für 2008 auch ins Negative drehen könnte. Der Trend zu sinkenden Ausgaben habe sich im ersten Halbjahr zwar fortgesetzt, im zweiten Vierteljahr aber von Monat zu Monat spürbar nachgelassen. Die Risiken für das laufende Jahr dürften nicht unterschätzt werden. "Eine nachlassende Beschäftigungsentwicklung und eine geringere Dynamik im Abbau der Arbeitslosigkeit könnten die Modellrechnung rasch ungünstiger aussehen lassen", erklärte die BA. Bereits 25.000 Arbeitslosengeld-I-Bezieher im Jahresdurchschnitt mehr und ein um zehn Euro höherer monatlicher Pro-Kopf-Aufwand ließen die Ausgaben um fast 500 Millionen Euro steigen.

AP/Reuters / AP / Reuters