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Kinakoni – Ein Dorf gegen den Hunger Josephine Mbuvi – die Chefin von Kinakoni

Josephine Mbuwi
Josephine Mbuvi steht Kinakoni vor
© Jonas Wresch / stern
Kenia auf dem Land – das ist eine Männergesellschaft. Doch Josephine Mbuvi hat sich durchgebissen und ist Bürgermeisterin von Kinakoni geworden, dem Projektdorf von stern und Welthungerhilfe. Der Weg dahin hatte viele Hürden.

Es waren die ersten Minuten an unserem ersten Tag in Kinakoni, als wir Josephine Mbuvi kennenlernten – doch schon gleich war klar: Josephine Mbuvi ist die Frau, die das Projekt braucht.

Damals, im Frühsommer, bestiegen wir mit ihr den Ndui-Felsen in der Mitte von Kinakoni. Von dort oben geht der Blick weit über die in die Ebene gewürfelten Hütten der 5000 Menschen, die hier leben; über die mächtigen Baobab-Bäume, die schlanken Akazien, die Büsche, Pisten, den Fluss – all das, was Kinakoni ausmacht: jenes Dorf im Südosten Kenias, an dem stern und Welthungerhilfe drei Jahre lang die Gründe für die Rückkehr des Hungers erklären und Maßnahmen dagegen entwickeln wollen.

Dort oben also standen wir im warmen Wind – und Josephine Mbuvi wusste auf alle Fragen eine Antwort: Warum jene Frau dort unten in der Hütte ihre Kinder allein großziehen muss. Wessen Feld dort drüben etwas abseits lag. Warum genau es hier allen an Essen und Geld und vor allem an Wasser mangelt.

Eine Frau in der Männerwelt

Überraschend ist das Know-how von Mbuvi nicht – schließlich ist die 40-Jährige der "Village adminstrator" von Kinakoni, die vom Staat eingesetzte Bürgermeisterin. Überraschend hingegen ist, dass sie den Job bekommen hat.

Noch immer sind gerade die ländlichen Regionen Kenias eine Männergesellschaft. Männer geben sich wichtig und entscheiden und die Frauen erledigen einen Großteil der Arbeit, egal ob im Haushalt oder auf dem Feld.

Auch Josephine Mbuvi musste sich den Job mühsam erkämpfen. Sie kam 2001 nach Kinakoni, der Liebe wegen. Doch schon zwei Wochen nach der Hochzeit ging ihr Mann in die Stadt Malindi an der Küste, um auf Baustellen zu arbeiten – was er bis heute tut. "Wir sehen uns immer nur alle paar Monate", sagt sie, "das hat sich aber so eingespielt."

Mbuvi blieb zunächst im Haus der Schwiegereltern. Sie bekam einen Jungen, später würden noch vier Kinder folgen. Doch sie musste auch Geld verdienen, vom Mann in Malindi kam nicht viel. Mbuvi begann, in der Schule zu arbeiten, erst als Freiwillige, später dann, nachdem sie Kurse belegt hatte, als Lehrerin. Doch immer wieder Rückschläge. Bei einem Autounfall verletzte sie sich schwer an Brust und Schulter, für eine aufwendige Behandlung fehlte ihr allerdings das Geld. Bis heute hat sie Schmerzen und Probleme damit, den Arm zu bewegen.

"Es war vor allem meine Mutter, die mich immer wieder motiviert hat, weiter zu kämpfen", sagt sie. Und tatsächlich gelingt Josephine Mbuvi, was nur wenige Frauen in der Region schaffen: Nachdem sie mehrere Verwaltungskurse belegt hat, bekommt sie tatsächlich den Job als Village administrator. Der Posten ist vergleichbar mit dem eines Bürgermeisters – man wird allerdings vom Staat ernannt und nicht von den Dorfbewohnern gewählt. Die Aufgabe ist vor allem eine exekutive: Mbuvi ist dafür verantwortlich, dass auf höheren Ebenen erlassene Beschlüsse auf ihrer Ebene auch umgesetzt werden.

"Das heißt aber nicht, dass ich jetzt Geld habe", sagt sie und präsentiert die Zahlen: Der Job bringt ihr umgerechnet 140 Euro im Monat, doch allein die Schulgebühren der Kinder, deren Verpflegung und die Rückzahlung des kleinen Kredits, den sie für ihr Häuschen hat aufnehmen müssen, lässt ihr kaum etwas übrig.

Hütten in Kinakoni
Eine Handvoll Hütten, drumherum ein Feld umrahmt von Baobab-Bäumen und ganz viel Weite – so leben die meisten Familien in Kinakoni
© Jonas Wresch

Und das "Häuschen" ist mehr eine Hütte: Wellblechdach, eine dünne Matratze, die Kleider hängen auf einer Leine unter der Decke. Kein Strom. Kein fließendes Wasser. Dafür ein Huhn, das im Holzregal sitzt und gerade Eier ausbrütet.

Dazu muss sie jetzt auch noch ihren Mann versorgen. Die Folgen der Corona-Pandemie haben auch die Baubranche in Kenia schwer getroffen, sodass er mangels Jobs jetzt kein Geld schicken kann, sondern selbst welches braucht.

Doch auch diese Hürde wird Josephine Mbuvi nehmen. Wie sie alle genommen hat.

Helfen Sie uns, den Menschen von Kinakoni beim Kampf gegen den Hunger zu helfen – bitte unterstützen Sie unsere Initiative. Jeder Euro geht vor Ort ins Projekt. Hier können Sie direkt spenden.
Helfen Sie uns, den Menschen von Kinakoni beim Kampf gegen den Hunger zu helfen – bitte unterstützen Sie unsere Initiative. Jeder Euro geht vor Ort ins Projekt. Hier können Sie direkt spenden.

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