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Kinakoni – Ein Dorf gegen den Hunger Peter Mulwa – der Herr der Bienen

Peter Mulwa, einer der Imker aus Kinakoni. Im Holzeimer auf dem Rücken trägt er die Honigwaben, die er an diesem Tag geerntet hat
Peter Mulwa, einer der Imker aus Kinakoni. Im Holzeimer auf dem Rücken trägt er die Honigwaben, die er an diesem Tag geerntet hat
© Jonas Wresch / stern
Er gehört zu den Besserverdienenden von Kinakoni, dem Projektdorf von stern und Welthungerhilfe. Peter Mulwa ist Imker, und sein Honig schmeckt intensiv, würzig – toll. Als wir ihn bei der nächtlichen Ernte begleiten, wird klar: Das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft.

Die Sonne ist gerade versunken, als Peter Mulwa sich bereit macht für den abenteuerlichen Einsatz. Sein Ziel: Er will den Honig aus einem seiner Bienenstöcke ernten. Der ausgehöhlte Baumstamm mit dem Nest hängt hoch oben in einer Akazie nahe dem ausgetrockneten Fluss von Kinakoni. Sein Werkzeug: ein paar Äste. Ein Holzeimer. Sonst nichts.

Peter Mulwa ist Imker hier in Kinakoni, dem Projektdorf von stern und Welthungerhilfe im Südosten Kenias, genauso wie es sein Vater war und dessen Vater. Und auch sein Sohn Nicholas, 17, der ihm an diesem Abend hilft, wird demnächst versuchen, so sein Geld zu verdienen.

Bienen in der Savanne

Die Bienen wollen auf den ersten Blick nicht zum Klischee des Savannen-Afrikas passen, doch Honig hat hier in der kenianischen Provinz Kitui Tradition. 20 Familien in Kinakoni arbeiten derzeit mit den Bienen.

Peter Mulwa klettert auf den Baum, in dessen Krone sein Bienenstock platziert ist
Peter Mulwa klettert auf den Baum, in dessen Krone sein Bienenstock platziert ist
© Jonas Wresch

Klima und Vegetation eignen sich gut. Die Landschaft ist geprägt von Akazien. Der Honig, den die Bienen aus deren Blüten gewinnen, schmeckt intensiv und würzig. Die Akazien sind resistenter gegen Hitze und den mangelnden Regen als andere Pflanzen, doch auch Mulwa merkt, dass in trockenen Jahren die Erträge sinken. "Und die werden häufiger", sagt er.

Mit dem Honig verdient Mulwa etwa die Hälfte des Einkommens, den Rest steuern die Ziegen bei, die er aufzieht und später verkauft. Er gehört damit zu den Besserverdienenden des Dorfes. Sein Haus am Ortsausgang von Kinakoni ist zwar auch nur aus Lehmziegeln gebaut, doch es ist etwas größer, das Wellblech wirkt solide, er selbst und auch seine Kinder sind nicht unterernährt.

Der Honig von Kinakoni wie aus der gesamten Region hat Potenzial. Das wissen nicht nur die Dorfbewohner selbst. Etwa 40 Kilometer entfernt von Kinakoni gibt es schon seit 13 Jahren eine Kooperative; deren Mitglieder bekommen für das Kilo einen festgesetzten Preis. So landet der Honig aus Kitui auch in den Supermarktregalen von Nairobi oder Mombasa.

Für Mulwa allerdings ist die Kooperative zu weit entfernt. Wie die anderen Imker aus Kinakoni verkauft er den Großteil seiner Produktion an Zwischenhändler. "Die kommen bei uns vorbei und man kann nicht wirklich über den Preis verhandeln", erklärt er. "Es besteht ja immer die Gefahr: Wenn ich dann nicht verkaufe, bleibe ich auf dem Honig sitzen."

Auch die Lokalregierung von Kitui hat Honig als Einkommensquelle erkannt. Einer Studie zufolge hat die Provinz das Potenzial für 400 Tonnen pro Jahr, was den Imkern ein Einkommen von jährlich umgerechnet 600.000 Euro bescheren könnte.

Ein ausgehöhlter und mit einem Brett versehener Baumstamm, der sicher vor Tieren oben im Baum platziert wird – mit diesen Bienenstöcken arbeiten die Imker
Ein ausgehöhlter und mit einem Brett versehener Baumstamm, der sicher vor Tieren oben im Baum platziert wird – mit diesen Bienenstöcken arbeiten die Imker
© Jonas Wresch

In der Praxis allerdings sind Erträge, Verkaufs- und Vermarktungsmöglichkeiten kaum ausgeschöpft. Das zeigt sich auch an diesem Abend, als Mulwa seinen Honig erntet. Ohne Schutzanzug, nur mit Shorts und T-Shirt bekleidet, klettert er auf den Baum. Je näher er an das Nest kommt, umso lauter surrt und brummt es in der Krone.

Faszinierend – aber archaisch

Unten hat sein Sohn die trockenen Äste angezündet. Mulwa zieht sie mit einer Lederschnur nach oben. Mit dieser Art Fackel erzeugt er den Rauch, der die Bienen dazu bringen soll, ihm ihre Waben zu überlassen. Auch dass er den Honig in der Dunkelheit erntet, hatte Mulwa vorher erklärt, hänge damit zusammen: Die Insekten seien dann weniger aktiv.

In der Praxis allerdings funktioniert das an diesem Abend nur begrenzt. Als Mulwa nach einer halben Stunde die vor Honig tropfenden Waben in einem Holzbottich nach unten bringt, zieren Dutzende Stiche seine Hände und seinen Oberkörper.

Mulwas zerstochene Hände mit einer der Waben aus dem Stock
Mulwas zerstochene Hände mit einer der Waben aus dem Stock
© Jonas Wresch

Die Honigernte in der Dunkelheit mit Flammen wirkt faszinierend – doch die Methode ist genauso archaisch und ineffektiv wie die ausgehöhlten Baumstämme, die als Nester dienen. Später reicht uns Mulwa den frischen Honig zum Probieren. Er schmeckt weich und würzig, er scheint noch die Wärme des Bienenstocks in sich zu tragen.

Diesen Honig zu essen ist ein faszinierendes Privileg, denken wir – sollten nicht eigentlich viel mehr Menschen das genießen können?

Helfen Sie uns, den Menschen von Kinakoni beim Kampf gegen den Hunger zu helfen – bitte unterstützen Sie unsere Initiative. Jeder Euro geht vor Ort ins Projekt. Hier können Sie direkt spenden.
Helfen Sie uns, den Menschen von Kinakoni beim Kampf gegen den Hunger zu helfen – bitte unterstützen Sie unsere Initiative. Jeder Euro geht vor Ort ins Projekt. Hier können Sie direkt spenden.

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