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Mexiko, Brasilien, Amazonas Mitgefühl trotz Corona und bitterer Armut – so halfen stern-Leser den Helden der Favelas

Jan Christoph Wiechmann bei einer Familie des indigenen Volks der Witoto in Brasilien
Jan Christoph Wiechmann bei einer Familie des indigenen Volks der Witoto in Brasilien. An die Corona Nothilfe Amazonas gingen 20.000 Euro Spenden von der Stiftung stern. 
© Bruno Kelly
In Südamerika und Mexiko unterstützt die Stiftung stern kleine lokale Projekte ebenso wie große Organisationen. stern-Reporter Jan Christoph Wiechmann hat dort im Corona-Jahr viel Leid und viele Heldinnen gesehen.

Als die Gamma-Variante des Coronavirus Anfang des Jahres am Amazonas wütete, reiste stern-Reporter Jan Christoph Wiechmann für die Berichterstattung nach Brasilien. Er traf dort, in der Millionenstadt Manaus, auf eine erschreckende Lage: Hunderte frisch ausgehobener Gräber, Krankenhäuser ohne ausreichend Sauerstoff und junge Menschen, die schwer erkrankten.

Er stieß aber auch auf großartige Helfer. Wiechmann begleitete den Totengräber Ulisses Xavier, der in seinem Schutzanzug selbst bei 40 Grad Hitze und noch nach Dienstschluss Gräber im Akkord ausschaufelte. Und die Mitglieder eines Fitnessstudios, die mit einem Boot Sauerstoffflaschen in abgelegene Orte des Amazonas brachten. Und eine indigene Krankenschwester, die in ihrer Freizeit von Dorf zu Dorf zog, um die Ureinwohner vor dem Corona-Tod zu retten. 

Dank Spenden der stern-Leserinnen und -Leser konnten wir Ärzte ohne Grenzen dabei unterstützen, lebensbedrohlich erkrankte Covid-19-Patienten im Amazonasgebiet zu behandeln. Ähnlich engagierte Menschen lernte Wiechmann in diesem Jahr bei Reportagen in Mexico City und Rio de Janeiro kennen, in den Armenvierteln von São Paulo und entlegenen Tälern in Kolumbien. Die Pandemie brachte unendlich viele Tote (allein in Brasilien mehr als 600.000), führte zu bitterer Armut und hoher Arbeitslosigkeit, aber formte auch unzählige selbstlose Helfer.

stern-Reporter unterwegs: vom Altenheim für Sexarbeiterinnen in Rio bis ins Armenviertel von São Paulo

In Mexiko begleitete der stern die Arbeit im Casa Xochiquetzal, ein weltweit einzigartiges Altenheim für ehemalige Sexarbeiterinnen. Da Staatsgelder vor allem in die Pandemiebekämpfung fließen, stehen kleine Projekte wie das Altenheim plötzlich ohne Mittel da. Also machten sich die alten Frauen selbst an die Pflege ihrer hilfsbedürftigen Mitbewohnerinnen. Die Stiftung stern stieg ein, um Strom, Gas und Lebensmittel zu bezahlen und übernahm auch medizinische Kosten. Besonders berührte es den stern-Reporter, als er miterlebte, wie eine gehbehinderte Greisin die Leitung der Morgengymnastik für ihre Gruppe übernahm. 

In den Favelas von Rio berichtete Wiechmann über die unsichtbaren Opfer der Pandemie. Viele arme Menschen verloren ihre Jobs als Tagelöhner und Putzfrauen, sodass sie plötzlich vor dem Nichts standen. Hier sprangen Frauen des kleinen Projekts Pandemía Sem Fome (Pandemie ohne Hunger) ein und brachten säckeweise Grundnahrungsmittel zu den Familien. In der Favela Gruta erlebte Wiechmann, wie eine junge Mutter von drei Kindern durch die Hilfe des Projekts in ihrer Hütte wohnen bleiben konnte und vor Erleichterung weinend zusammenbrach.

Das Besondere an kleinen Projekten: Viele kennen die Not aus dem eigenen Leben

Das Besondere ist, dass es sich um kleine Projekte mit einer klar umrissenen Mission handelt. Der administrative Aufwand ist gering, der Ablauf auch mal chaotisch, aber Einsatzwille und Energie der Helferinnen sind überragend. Viele stammen selbst aus den betroffenen Vierteln und kennen die Not aus dem eigenen Leben. Zudem wissen die Frauen besser als jede Großorganisation, wie sie in ihrer Community vorgehen müssen. Der stern-Reporter bekam das zu spüren, als sie während der Hilfsaktion in der Favela Atalaia die Wege bewaffneter Bandenmitglieder kreuzten.

Die Stiftung stern unterstützt unter anderem die Nachbarschaftsinitiative Pandemia Sem Fome, die in den Favelas von Rio de Janeiro hilft. Hier können Sie direkt dafür spenden.
Die Stiftung stern unterstützt unter anderem die Nachbarschaftsinitiative Pandemia Sem Fome, die in den Favelas von Rio de Janeiro hilft. Hier können Sie direkt dafür spenden.

Keine der Helferinnen lässt sich abschrecken. Als unser Reporter die Analphabetin Maria do Carmo Pereira besuchte, die resolute Leiterin eines Projekts gegen häusliche Gewalt im Armenviertel Menino Chorão in São Paulo, waren gerade ihre Felder abgefackelt. Brandstiftung lautete der Verdacht, weil ihre mutigen Einsätze gegen Gewalttäter der örtlichen Drogenbande missfielen. Pereira brachte die Frauen der Nachbarschaft zusammen, säte die Felder und Gemüsegärten wieder an und baute auch noch eine Gemeinschaftsküche für die Armenspeisungen in der Pandemie. Auf eine Wand ließ sie von einem Kind schreiben: Dank den Lesern der Stiftung stern.


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