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Geschichte der roten Mauritis Warum ein englischer König einen Rekordpreis für eine Briefmarke bezahlte

Die Briefmarke "Rote Mauritius" auf einem Brief
Die Briefmarke Rote Mauritius ist rund 8 Millionen Euro wert. Sie gilt als die berühmteste Briefmarke der Welt.
© Bernd Weißbrod/dpa
Die rote und die blaue Mauritius gelten als die teuersten Briefmarken der Welt. Ihr Wert liegt bei über acht Millionen Euro. Der stern gibt Einblicke in die Geschichte dieser weltweit begehrten Sammlerstücke – für die sogar der englische König Charles V. einen Rekordpreis bezahlte.

Jeden Morgen, nachdem Direktor Giandev Moteea die Tür des Post-Museums von Mauritius aufgeschlossen hat, geht sein erster Weg zu dem Kabinett, in dem die rote Mauritius ausgestellt ist. Es ist zwar nur eine Replik der weltberühmten Briefmarke, die erstmals am 21. September 1847 herausgegeben wurde, doch Moteea kann sich an ihr nicht sattsehen. "Ich lebe den Traum eines jeden Briefmarkensammlers", sagt er schmunzelnd.

Weltberühmte Briefmarke: Die Geschichte der roten Mauritius

Die rote – und auch die blaue – Mauritius symbolisiert einen wichtigen Teil der Geschichte des tropischen Inselparadieses, das im Indischen Ozean vor der Südostküste Afrikas liegt. Nachdem 1840 in England die erste vorausgezahlte Briefmarke der Welt gedruckt wurde, folgte die damalige britische Kolonie Mauritius dem Beispiel sieben Jahre später. Briefmarken waren damals ein neues Konzept, und nur eine Handvoll Länder verwendeten sie. Mauritius war das fünfte Land der Welt, das Briefmarken druckte – zwei Jahre vor Deutschland.

Am 21. September 1847 gab Mauritius zwei Briefmarken heraus, die von dem Briten Joseph Osmond Barnard in der Hauptstadt Port Louis auf eine Kupferplatte graviert und gedruckt wurden. Barnard stellte eine Serie von 500 orangeroten Ein-Penny-Marken für die örtliche Post und 500 tiefblauen Zwei-Penny-Marken für Übersee her. Die Gattin des damaligen Gouverneurs, Lady Elizabeth Gomm, klebte am gleichen Tag die allerersten Marken auf ihre Einladung zu ihrem Kostümball im Regierungshaus der kleinen Insel. Niemand ahnte, wie wertvoll und berühmt die Marken einmal werden würden.

8,1 Millionen Euro – die teuerste Briefmarke der Welt

Einer der Briefumschläge dieser Einladung kam im vergangenen Jahr in Deutschland zur Versteigerung. Bei der Auktion in Ludwigsburg wechselte die Marke für 8,1 Millionen Euro den Besitzer. "Es ist der höchste Preis, der jemals für ein einziges philatelistisches Objekt erzielt wurde", so eine Sprecherin des Auktionshauses.

Denn die Mauritius ist nicht irgendeine Briefmarke. Die insgesamt 1000 Stück waren bald nach ihrer Ausgabe ausverkauft. Was sie so besonders macht, ist ein vermeintlicher Fehler. Anstatt "Post Paid" (portofrei), wie auf darauffolgenden Serien der Marke, hatte Barnard auf der linken Seite hochkant "Post Office" (Postamt) geschrieben. Experten zufolge sind lediglich 15 Exemplare der begehrten roten Mauritius (darunter zwei ungestempelte) und zwölf Exemplare der blauen Mauritius (darunter vier blanke) erhalten geblieben.

Die meisten davon befinden sich hinter Panzerglas in Museen überall auf der Welt. Auch das britische Königshaus hat eine ungestempelte Blaue sowie eine Rote auf Kuvert im Safe. Zwei weitere der ungestempelten Marken wurden 1993 von einem Konsortium mauritischer Unternehmen gekauft und sind im Blue Penny Museum unweit des Post-Museums ausgestellt. Im Post-Museum selbst befinden sich neben Repliken der seltenen roten und blauen Mauritius Originale der weniger wertvollen zweiten Serie sowie der Datumsstempel, mit dem die Briefmarken damals abgestempelt wurden.

Museumsbesitzer: "Wir sind sehr stolz darauf"

"Wir sind sehr stolz darauf. Wir sehen die rote Mauritius als kleine Botschafterin für unser Land. Sie hat uns Weltruhm gebracht", sagt Moteea, der schon als kleiner Junge mit dem Briefmarkensammeln begann und heute leidenschaftlicher Philatelist ist. Fast täglich kämen Schulgruppen, Rentner, interessierte Touristen und Sammler aus aller Welt in das Museum, um mehr über die berühmten Marken zu lernen. "Es ist faszinierend, täglich von diesen historischen Artikeln umgeben und Hüter der Geschichte zu sein", erzählt Moteea.

Giandev Moteea, der Direktor des Post-Museums auf Mauritius, hält die Briefmarke in den Händen
Der Direktor des mauritianischen Postmuseums hält eine Replik der ersten Serie der Roten und Blauen Mauritius Briefmarke, die in dem Gebäude 1847 erstmalig herausgegeben und abgestempelt wurde.
© Vel Moonien/dpa

"Das war keineswegs eine Auktion wie jede andere", sagt auch die Sprecherin des Auktionshauses Christoph Gärtner zur Versteigerung der roten Mauritius im vergangenen Jahr. "Es ist der Traum eines jeden Auktionators, ein solches Stück versteigern zu dürfen." Das komme nur alle paar Jahrzehnte vor und nur sehr wenige Auktionatoren hätten das Glück. Mehrere Wochen im Voraus seien bereits Vorbereitungen getroffen worden. So wurde für den Umschlag eigens ein Tresor angeschafft, für die Auktion selbst und eine Pressekonferenz wurde eine Sicherheitsfirma beauftragt.

Wenige Exemplare im Verkauf – Wert steigt weiter

Viele noch vorhandene Exemplare der ersten Ausgabe sind mittlerweile Museumsbestände und daher für den privaten Käufer nicht erwerbbar. "Dadurch steigt natürlich der Preis mit jedem Besitzwechsel kontinuierlich", sagte die Sprecherin. Das mache eine Mauritius durchaus zum Investitionsobjekt. "Außerdem sind diese Marken, im Vergleich zu vielen anderen philatelistischen Objekten, Marken mit einer Geschichte."

Die Marken mit der "Post Office"-Aufschrift erregten erstmals 1864 Aufmerksamkeit von Sammlern, als Jeanne Borchard, die Frau eines Kaufmanns aus Bordeaux, ein rotes und ein blaues Exemplar in den Papieren ihres Mannes fand, der geschäftliche Verbindungen nach Mauritius hatte, und diese mit einem anderen Sammler austauschte. Seitdem ist ihr Wert stetig gestiegen.

Laut einer weiteren bekannten Geschichte erwarb der damals noch zukünftige König George V. 1904 auf einer Auktion eine ungestempelte blaue Mauritius der ersten Serie für umgerechnet 1677 Euro, damals ein Weltrekordpreis. Am Tag darauf hörte Georg V., wie eine seiner Sekretärinnen kommentierte, dass "irgendein verdammter Narr" eine riesige Summe für eine einzige Briefmarke gezahlt habe. Worauf Georg V. geantwortet haben soll: "Ich bin dieser verdammte Narr." Hundert Jahre später wurde das Exemplar auf 2,3 Millionen Euro geschätzt – ein allzu großer Dummkopf ist George V. offenbar doch nicht gewesen.

tmo DPA

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