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Agrarprodukte: Dominikanische Zigarren überall gefragt

Vor rund 15 Jahren traf der legendäre Tabakhändler Zino Davidoff eine strategische Entscheidung: Mit der Qualität im sozialistischen Kuba unzufrieden, verlegte er die Fertigung seiner berühmten Zigarren von dort in die Dominikanische Republik.

Vor rund 15 Jahren traf der legendäre Tabakhändler Zino Davidoff (1906-1994) eine strategische Entscheidung: Mit der Qualität im sozialistischen Kuba unzufrieden, verlegte er die Fertigung seiner berühmten Zigarren von dort in die Dominikanische Republik. Auf diese Weise sorgte Davidoff dafür, dass das östlich von Kuba auf der Nachbarinsel Hispaniola gelegene Land der Tabakwelt ein Begriff wurde. Von dem Prestigegewinn profitierten auch viele einheimische Fabrikanten. Heute ist die Dominikanische Republik weit vor Kuba der größte Zigarrenexporteur der Welt.

Hauptabnehmer sind die USA

Im vergangenen Jahr führte die Dominikanische Republik nach Angaben des staatlichen Tabakinstitutes INTABACO 236,8 Millionen Zigarren aus und erzielte damit Devisenerlöse von 213,8 Millionen US-Dollar. Für 2004 rechnet Hendrik Kelner, der Vertreter Davidoffs vor Ort, mit einem kräftigen Zuwachs um 15 Prozent, vor allem auf dem Hauptmarkt USA. "Es ist schon merkwürdig, je mehr Beschränkungen es gibt, desto mehr rauchen die Leute. Vielleicht ist dies eine Art, die individuelle Freiheit zu verteidigen", sagt Kelner.

Das wichtigste dominikanische Anbaugebiet ist das Valle de Cibao, ein im Nordwesten des Landes gelegenes Tal rund um die Großstadt Santiago. In dieser fruchtbaren Gegend wächst Tabak so weit das Auge reicht, und dort fand Davidoff 1990 in Kelner seinen Partner. Die von Kelner, einem Dominikaner mit niederländischen Vorfahren, geleitete Tabadom Holding Inc. zählt drei Fabriken, davon eine für die Marke Davidoff, wo pro Jahr rund acht Millionen Stück von Hand gedreht werden. In und um Santiago siedeln weitere Fabrikanten in den für die Exportindustrie des Landes geschaffenen zollfreien Zonen.

Früher oft bedenkliche Qualität

"Als ich vor 30 Jahren hier anfing, haben auf den internationalen Tabakmärkten alle nur gelacht über den Namen 'Dominikanische Republik'. Das hat sich gewaltig gebessert", sagt der deutsche Tabakgroßhändler Siegfried Maruschke, der sich in Santiago niedergelassen hat. 1995 wurde er Zeuge des so genannten "Booms" als eine plötzlich steigende Nachfrage in den USA die Produktion in der Dominikanischen Republik auf Rekordhöhen trieb. "Damals hat jeder, der es irgendwie konnte, Tabak gedreht", erinnert sich Maruschke. Die Qualität blieb dabei allerdings oft auf der Strecke. Dem Boom folgte 1999 ein scharfer Einbruch, und viele kleine Produzenten mussten aufgeben. Inzwischen hat sich der Markt stabilisiert und die Statistiken von INTABACO zeigen, dass mehr höherwertige Zigarren exportiert werden. "Bei uns selbst war der Einbruch nicht so stark, und jetzt gewinnen wir mit guten Produkten nach und nach Marktanteile", sagt Tabadom-Chef Kelner.

Das Wichtigste ist Beständigkeit

Kelner hat 2001 seine Tabadom-Anteile an die Oettinger-Davidoff Gruppe (Basel) verkauft und arbeitet als angestellter Manager weiter. "Ich kann einfach nicht aufhören", sagt er. In seinem Büro hängt ein Dankesschreiben des früheren US-Präsidenten und Zigarrenfreundes Bill Clinton. "Das Wichtigste in dieser Industrie ist die Beständigkeit. Denn die Zigarre ist wie ein Freund, der immer bei Dir ist. Und der beste Freund ist der, der sich nie verändert", sagt Kelner ganz im Stile Zino Davidoffs. Auf die Frage, welcher Tabak denn nun der Beste sei, der kubanische oder der dominikanische, will er sich nicht festlegen: "Die beste Zigarre der Welt ist die, die Ihnen schmeckt."

Klaus Blume, dpa / DPA