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Rassismus-Debatte Eis-Hersteller wollen das Wort "Eskimo" von Produkten verbannen

Zwei Frauen essen Eis in der Sonne
Eis gehört zum Sommer einfach dazu. Das Wort "Eskimo" für manche aber nicht zu Eis.
© Andreas Körner/ / Picture Alliance
Ein dänischer Eisproduzent gibt einem Eis mit dem Namen "Eskimo" eine neue Bezeichnung. Der Name sei aus einer "alten und unaufgeklärten" Zeit. Zuvor hatte ein Hersteller in den USA diesen Schritt angekündigt, auch in Finnland wird dies erwogen.

Als Folge der Black-Lives-Matter-Bewegung und der dadurch angestoßenen Rassismus-Debatte der vergangenen Wochen haben mehrere große Lebensmittelkonzerne ihre Marken auf rassistische Stereotype überprüft. So hat das Unternehmen Quaker Oats entschieden, Logo und Name der Marke "Aunt Jemima" auszutauschen; der Konzern Mars will das gleiche bei "Uncle Ben's" tun.

Nun meldet ein dänischer Eisproduzent, dass er das Wort "Eskimo" von seinen Produkten verbannen will, wie der dänische Sender TV2 berichtet. Konkret geht es um ein Eis am Stiel, welches diesen Namen trägt. Die Firma Hansens Is begründe den Schritt damit, dass das Wort "Eskimo" ein "Relikt einer alten und unaufgeklärten Zeit" sei. 

US-Hersteller will "Eskimo" ebenfalls streichen

"Es ist eine große Entscheidung für uns, verbunden mit einem gewissen Maß an Wehmut, aber wir sind sicherlich nicht zu stolz, uns aufklären zu lassen und zu sehen, wie wir in unserer Zeit verantwortungsbewusst handeln", sagt Vertriebsleiter Anders Eibye Hansen.

In Zukunft wird Hansens Is das Eis "O’Payo" nennen, welches der Name der Schokoladensorte ist, mit der das Eis überzogen ist.

Der alte Name des dänischen Stieleises wurde von der US-amerikanischen Eisspezialität "Eskimo Pie" inspiriert. Die US-Firma hinter diesem Eis, Dreyer’s Grand Ice Cream, hatte Ende Juni angekündigt, auch hier den Namen zu ändern. Man erkenne, dass der Begriff unangemessen sei, hieß es in einer Mitteilung, aus der die "New York Times" zitierte. Bis zum Ende des Jahres solle es einen neuen Namen für das Eis geben.

Auf den Verpackungen ist ein kleines, dunkelhaariges Kind mit Fäustlingen und einem schweren Parka mit pelzgefütterter Kapuze abgebildet.

"Eskimo" gilt als inakzeptabel und beleidigend

Ähnliche Überlegungen gibt es in Finnland, wie der dortige öffentlich-rechtliche Sender yle berichtete. Hier werde seit 1968 ein Eis mit dem Namen "Eskimo" verkauft, etwas, das man genau beobachte. Die Verwendung des Markennamens werde geprüft, hieß es von Froneri Finland. "Wir sind uns dieser Angelegenheit sehr bewusst und arbeiten daran", sagte Marketingmanagerin Minna Brunnberg dem Sender. "Wir möchten nicht, dass sich Menschen aufgrund unserer Marke diskriminiert fühlen." Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Der Begriff "Eskimo" wurde laut dem Alaska Native Language Center in der Vergangenheit häufig für die Inuit oder Yupik verwendet. Die Bezeichnung werde mittlerweile aber von vielen Ureinwohnern Alaskas als "inakzeptabel" angesehen, "hauptsächlich, weil es sich um einen kolonialen Namen handelt, der von nicht-indigenen Völkern auferlegt" wurde. Die indigenen Völker würden stattdessen lieber mit den Namen angesprochen werden, die sie in ihrer eigenen Sprache benutzen. Das dänische Online-Wörterbuch "sproget.dk" schreibt, dass das Wort "Eskimo" einen französischen Ursprung habe und als beleidigend aufgefasst werden könne.

Unilever: "Prüfen Marken, auch Eskimo"

In Österreich vertreibt der Lebensmittelkonzern Unilever seine Eisprodukte unter der Marke Eskimo. Der Konzern teilte auf Nachfrage des stern mit: "Als ein Gründungspartner der 'Unstereotype Alliance' arbeiten wir intensiv daran, Werbung von Stereotypen und Diskriminierung jeglicher Art zu befreien. In diesem Zusammenhang verpflichten wir uns, die Sprache und Ikonographie von mehr als 400 Unilever-Marken zu überprüfen, darunter auch Eskimo." Unilever verkauft neben Österreich und vielen weiteren Ländern auch in Deutschland Eis, allerdings unter der Marke Langnese.

Frisko, der dänische Ableger von Langnese und Eskimo, war schon im Jahr 2016 wegen der Verwendung des Wortes "Eskimo" in die Schlagzeilen geraten. Die Firma vertreibt das Stieleis "Kæmpe Eskimo" (Riesen-Eskimo), das auch noch heute verkauft wird. Frisko wehrte sich damals gegen Rassismusvorwürfe und gab bekannt, dass das Eis nicht umbenannt werden sollte, wie die Zeitung "Ekstra Bladet" damals berichtete.

Quellen: TV2, NBC, "New York Times", "sproget.dk"Alaska Native Language Center, Unilever, Frisko, "Ekstra Bladet", yle

rw

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