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Börsengang: Erst zahlen - dann zittern

Das Pay-TV-Unternehmen Premiere geht an die Börse. Keine Aktie für schwache Nerven: Die Risiken überwiegen.

Wenn Georg Kofler, der Chef der TV-Firma Premiere, in diesen Tagen eine Bühne betritt, platzt er schier vor Begeisterung für seinen Bezahlsender. Da wird das "Fernsehen der Zukunft" bejubelt, die Premiere-Aktie als "Schnäppchen" gepriesen und der bevorstehende Schritt als der "größte Börsengang eines Medienunternehmens in Deutschland" gefeiert. Manch einer, der den TV-Manager bei seiner Roadshow-Station im Münchner Nobelhotel Bayerischer Hof erlebte, fühlte sich an die Zeiten der New Economy erinnert. Zu Recht?

Premiere bringt am 9. März bis zu 42 Millionen Aktien (51,3 Prozent der Unternehmensanteile) an die Börse. Die Preisspanne reicht von 24 bis 28 Euro. Damit wäre die Pay-TV-Firma mit rund zwei Milliarden Euro bewertet. Dass dieser Schritt - knapp drei Jahre nach der Pleite der Muttergesellschaft im Strudel der Kirch-Insolvenzen - überhaupt möglich ist, verdankt die Firma einer Rosskur: 800 der früher 2400 Mitarbeiter mussten gehen, die Preise für Filmlieferungen aus Hollywood wurden gedrückt, Bankkredite neu verhandelt. TV-Mann Kofler hat in kurzer Zeit viel geschafft: Die Zahl der Abonnenten wuchs allein im vergangenen Jahr um 340 000 auf nun über 3,2 Millionen. Die Firma macht im operativen Geschäft sogar Gewinn. Mit den Luftnummern am Neuen Markt hat das nichts gemein.

Sollte man also in Premiere investieren? Nicht, wenn man eine langfristig sichere Anlage sucht oder mit Dividenden rechnet. Premiere ist ein Risikopapier.

Allein neun Seiten des Aktien-Verkaufsprospekts umfasst die Liste der Risikofaktoren. Darunter der Hinweis, dass die EU plane, Laufzeiten von Filmrechteverträgen zu begrenzen. Außerdem werden die Rechte an der Fußball-Bundesliga künftig in mehreren Paketen angeboten, was Exklusiv-Übertragungen erschwert. Genau das aber ist einer der wichtigsten Motoren für Abonnenten-TV.

Zudem dürften Konkurrenzdruck und Preistreiberei bei TV-Rechten eher steigen: Die Flaute im werbefinanzierten Fernsehen hat dazu geführt, dass Kanäle wie RTL und ProSieben nun auch ins Pay-TV einsteigen wollen. Die Betreiber des Fernseh-Kabelnetzes setzen ebenfalls auf alternative Abo-Programme.

Bis zu 1,2 Milliarden Euro soll der Börsengang eintreiben. Doch das Gros der Aktienerlöse kassieren Banken, die einst Leo Kirch mit Krediten versorgten, sowie der Permira-Fonds. Sie trennen sich von Premiere-Anteilen. Auch Kofler (ihm gehören 20 Prozent) will einen Teil verkaufen. So wird die Premiere-Verschuldung auch danach mit rund 200 Millionen Euro weiter hoch sein.

Vor einem Szenario, das im Bayerischen Hof heraufbeschworen wurde, müssen sich Anleger allerdings nicht fürchten: dem Einstieg des australischen Medienzars Rupert Murdoch, der in England BSkyB betreibt. Übernahmegerüchte beflügeln fast jeden Aktienkurs.

Johannes Röhrig / print