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Feiertage: So machen es die anderen

Ob Geburtstage von Königinnen oder die Erlangung von Unabhängigkeit - an Nationalfeiertagen wird nicht gearbeitet. Aber Europa kennt auch Ausnahmen.

Die Abschaffung des 3. Oktobers als arbeitsfreier Nationalfeiertag würde Deutschland in Europa und auch in weiten Teilen der Welt zum Angehörigen einer absoluten Minderheit machen. Die nationalen Feiertag, was immer auch ihr Anlass sein mag, sind in den meisten Staaten arbeitsfrei und auch nicht im Datum beweglich. Die Schweiz hat die Arbeitsbefreiung sogar erst 1994 eingeführt, nachdem der 1. August, der Tag der Gründung der Eidgenossenschaft, seit 1891 zwar als Feiertag, aber nicht als freier Tag im Kalender stand.

Italien und Großbritannien: Vorbilder für Deutschland

Eine der Ausnahmen ist Italien. Der Gründung der Republik wird jeweils am 1. Sonntag im Juni gedacht. Dann wird zwar nicht gearbeitet, aber ein festes Datum gibt es nicht. Österreich feiert die Verabschiedung des Neutralitätsgesetzes von 1955 am 26. Oktober. Diesen arbeitsfreien Tag abzuschaffen, ist allgemeiner Ansicht jenseits jeder Überlegung. Auch den Nationalfeiertag in Frankreich am 14. Juli abzuschaffen, wäre in der Öffentlichkeit keiner Diskussion fähig. Eine Verschiebung auf das nächstliegende Wochenende hätte keine Chance.

Flexibler sind die Briten. Sie begehen den Geburtstag der Königin am 2. Samstag im Juni, des Wetters wegen. Geboren wurde Elizabeth II, am 21. April, aber da regnet es im Königreich zu oft, als dass eine Feier unter freiem Himmel locken könnte.

Von Holland bis USA: Eisernes Festhalten am arbeitsfreien Tag

Der Geburtstag der Königin ist auch in den Niederlanden Nationalfeiertag - arbeitsfrei. Allerdings ist der 30. April nicht der Geburtstag von Beatrix, sondern der ihrer Mutter Juliana. Beatrix hat den Nationalfeiertag aus Respekt beibehalten, und auch der Thronfolger Willem Alexander könnte an diesem Datum festhalten, denn sein Geburtstag am 27. April liegt nicht weit entfernt. Mit dem Königshaus hat auch der 21. Juli in Belgien zu tun, an dem, strikt arbeitsfrei, der Thronbesteigung König Leopolds gedacht wird, des ersten belgischen Monarchen.

Dänemark, ebenfalls eine Monarchie, gedenkt am 5. Juni des Verfassungstages, skandinavisch-pragmatisch. Der Tag ist offiziell zur Hälfte arbeitsfrei, die andere Hälfte fällt auf den 1. Mai. Es ist Arbeitgebern aber freigestellt, den Angestellten diese Arbeitsbefreiung zu gewähren - oder nicht. Spanien erinner am 12. Oktober, dem Kolumbus-Tag, der Entdeckung Amerikas durch den Genueser - und arbeitet nicht.

Portugal bleibt am 10. Juni zu Hause, dem Todestag des Nationaldichters Luis Camoes im Jahr 1580. Griechenland gedenkt des Befreiungskriegs gegen die Türkei im Jahre 1821 am 25. März unverrückbar und arbeitsfrei, und auch die Tschechen bleiben am 28. Oktober zu Hause, dem Tag der Gründung der Tschechoslowakei, obwohl es diese inzwischen nicht mehr gibt. Gleich zwei arbeitsfreie Nationalfeiertage begehen die Polen, den 11. November zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1918 und den 3. Mai wegen der Verfassung von 1791.

Unverrückbar und mit Feuerwerk jenseits des Arbeitsplatzes feiern auch die USA ihren 4. Juli, den Tag der Unabhängigkeit. Und selbst im fernen Neuseeland ist der Waitangi-Tag, an dem 1840 die britischen Siedler in einem inzwischen als fragwürdig erkannten Vertrag den eingeborenen Maori das Land abrangen. Die Zusammenstöße zwischen den Ureinwohnern und der Polizei in Waitangi gehören seit Jahren dazu.

Peter M. Gehrig/AP / AP