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Finanzkrise: Börsen verzeichnen Rekordgewinne

Euphorie an den Aktienmärkten: Mit einer sagenhaften Kursrallye haben die Börsen in aller Welt die neuen staatlichen Rettungspakete gefeiert. In den USA schoss der Dow-Jones-Index um elf Prozent in die Höhe und ging mit einem Rekordgewinn von über 900 Punkten aus dem Handel. Zuvor hatte der Dax den höchsten Tagesgewinn in seiner Geschichte eingefahren.

Das gemeinsame Vorgehen der großen Industrienationen gegen die Finanzkrise hat den Börsen in aller Welt zu Rekord-Gewinnen verholfen. Die New Yorker Börse feierte die staatlichen Rettungspakete für die schwer angeschlagenen Finanzmärkte mit einer Kursrallye. Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte schnellte um 936 Punkte und somit mehr als elf Prozent in die Höhe. Er schloss bei 9387 Zählern. Der US-Leitindex lag damit deutlich über seinem bisherigen Tages-Rekordgewinn von 499 Zählern vom 16. März 2000.

Auch alle anderen wichtigen Indizes an der Wall Street legten kräftig zu. Der breiter gefasste S&P-500-Index legte 11,7 Prozent auf 1004 Zähler zu. Die Technologiebörse Nasdaq stieg um fast zwölf Prozent auf 1844.

Vor allem einige Bankentitel konnten in den USA enorme Gewinne verzeichnen. So schossen Titel von Morgan Stanley um 87 Prozent auf mehr als 18 Dollar nach oben. Citigroup-Titel legten um fast zwölf Prozent auf 15,75 Dollar zu. Für Papiere der Bank of America ging es um 9,2 Prozent auf 22,79 Dollar nach oben. Auch die Aktien von Autobauern gehörten zu den Gewinnern. Ford Motor verteuerten sich nach einer positiv aufgenommenen Personalentscheidung um 20 Prozent auf 2,39 Dollar. Titel von General Motors (GM) schlossen sogar 33 Prozent höher und beendeten damit die rasante Talfahrt der vergangenen Tage.

Zuvor hatten bereits die Börsen von Europa bis Asien kräftige Gewinne verzeichnet. Der Deutsche Aktienindex (Dax) übersprang wieder die psychologisch wichtige Marke von 5000 Punkten und schloss bei 5062 Zählern - ein Plus von elf Prozent. Dies ist der größte prozentuale Tagesgewinn in der 20-jährigen Geschichte des Index.

Finanzminister Steinbrück zeigt sich zufrieden

Grund für die Börseneuphorie sind die neuen staatlichen Rettungspläne für die kriselnde Finanzbranche. Schon am Wochenende hatten die wichtigsten Industrienationen (G7) einen gemeinsamen Aktionsplan gegen die Krise vereinbart. Am Montag stellte die Bundesregierung dann ihr rund 500 Milliarden Euro schweres Banken-Rettungspaket vor, Frankreich präsentierte einen 360 Milliarden Euro umfassenden Hilfsplan. Das abgestimmte Vorgehen gibt laut Marktteilnehmern neue Hoffnung auf eine Eindämmung der Krise. So argumentierte die Commerzbank in einer Studie, es spreche manches dafür, dass das entschiedene Vorgehen der europäischen Staaten wesentlich dazu beitrage, dass die Märkte nach und nach wieder Vertrauen fassten.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) zeigte sich erfreut über die Reaktionen an den Märkten. "Die Indizien heute, das darf man ja mal laut sagen, sind ja ganz erfreulich", sagte er am Montagabend. "Es ist einiges in Gang gekommen, erkennbar nicht nur in Deutschland, sondern in anderen Ländern auch", erklärte er weiter. Nun müssten die Beschlüsse umgesetzt werden.

"Wir könnten jetzt erleben, dass der Markt sich langsam stabilisiert", sagte auch ein Analyst. "Natürlich sind da noch einige offene Fragen zu den Plänen. Gehen wir zu weit? Werden wir alle zu Sozialisten? Aber unter dem Strich haben wir nun etwas bekommen, was das Vertrauen wiederherstellt."

In Deutschland waren es vor allem die zuletzt arg gebeutelten Finanzaktien, die die Erholung anführten. Papiere des in den vergangenen Wochen zweimal vor dem Zusammenbruch geretteten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) schossen mit einem Kursplus von mehr als 41 Prozent am stärksten hoch. Die Aktie hatte angesichts des Überlebenskampfs der HRE seit Ende September 69 Prozent an Wert verloren. Die Aktie der Commerzbank kletterte um 14,4 Prozent auf 11,11 Euro hoch, die der Deutschen Bank um 9,7 Prozent auf 34,24 Euro.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters