Finanzkrise Kursfeuerwerk nach Zinssenkung


Auf die schwache Konjunktur in den USA und die anhaltenden Finanzmarktturbulenzen hat die US-Notenbank erneut mit einer kräftigen Zinssenkung reagiert. Der US-Leitzins wurde am Dienstag um 0,75 Punkte auf 2,25 Prozent zurückgenommen. Die Börsen reagierten mit Erleichterung.

Die US-Notenbank Fed hat im Kampf gegen Finanzkrise und Rezession alle Register gezogen und die Zinsen erneut kräftig gesenkt. Der Leitzins für die Vereinigten Staaten werde um 75 Basispunkte auf 2,25 Prozent zurückgenommen, teilte die Fed am Dienstag in Washington mit. An den Märkten war eine massive Senkung um bis zu 100 Punkte als Reaktion auf die Zuspitzung der Kreditkrise und den Fall Bear Stearns erwartet worden. Die Zinsfutures an der Wall Street signalisierten unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung bereits Spekulationen auf weitere Zinssenkungen. Die Wette lautet nun, dass die Fed im April beim Leitzins um weitere 50 Punkte auf dann 1,75 Prozent nach unten geht.

Am Devisenmarkt legte der US-Dollar nach der Entscheidung der Fed zu. Der Euro fiel umgekehrt um mehr als einen Cent auf 1,5657 Dollar. Der Dow Jones schloss an der New Yorker Börse 3,5 Prozent fester. Er hatte allerdings wegen besser als erwartet ausgefallener Ergebnisse großer US-Banken bereits zuvor schon deutliche Gewinne verzeichnet. US-Präsident George W. Bush sagte kurz nach der Zinssenkung, er habe weiterhin Vertrauen in die US-Wirtschaft. Sollten weitere Aktionen für die Stabilität nötig sein, würden Regierung und Notenbank handeln.

Zur Begründung der abermaligen Lockerung ihrer Geldpolitik erklärte die Fed, der Wirtschaftsausblick habe sich weiter verschlechtert. Insbesondere die Belastungen durch die prekäre Lage am Immobilienmarkt - auf dem die mittlerweile globale Krise im Sommer vergangenen Jahres ihren Anfang genommen hatte - und die Lage an den Kreditmärkten würden die Konjunktur stärker als gedacht schwächen. Auch die Situation an den Finanzmärkten bleibe angespannt.

Entwarnung gaben die Währungshüter um Notenbankchef Ben Bernanke keine: Die Immobilien- und Kreditmärkte würden wohl noch eine ganze Zeit lang die US-Wirtschaft belasten. Zugleich schmerze aber die hohe Inflation, was eigentlich höhere Zinsen erfordern würde. Die Fed sagte weiter, sie sei zuversichtlich, dass die Inflation in den kommenden Quartalen sukzessive nachlassen werde - bedingt durch eine Beruhigung der Energie- und Rohstoffpreise.

Analysten beurteilten die Entscheidung unterschiedlich. "Die Fed hat gezeigt, dass sie sich in erster Linie darauf konzentriert, der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen, und wegen der Inflation werden sie sich später Sorgen machen", sagte Daniel Libby von Sands Brothers Select Access Fund. Joseph Foster von Van Eck International Investors Gold Fund kritisierte dagegen den jüngsten Schritt. "Durch die agressiven Senkungen wird irgendwann Inflationsdruck entstehen. Man kann die Zinssätze nicht andauernd senken ohne irgendwann eine gegensätzliche Reaktion zu erwarten."

Im August 2007, vor Beginn der Krise, hatte der Leitzins in den Vereinigten Staaten noch 5,25 Prozent betragen. Seitdem hat die Federal Reserve die Zinsen mehrfach aggressiv gesenkt, um dem angeschlagenen Bankensystem und der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Alleine im Januar tat sie es innerhalb weniger Tage zweimal um insgesamt 125 Basispunkte.

Offenbar stimmen aber nicht mehr alle Fed-Entscheidungsträger diesem Kurs uneingeschränkt zu. Die Zinsentscheidung am Dienstag war jedenfalls nicht einstimmig. Zwei Mitglieder des geldpolitischen Entscheidungsgremiums hätten sich gegen eine derart starke Zinssenkung ausgesprochen, hieß es in der Mitteilung der Notenbank.

Parallel zur Senkung des Leitzinses kappte die Federal Reserve am Dienstag auch zum wiederholten Male den Diskontsatz, zu dem sich die Banken bei ihr über Nacht Geld borgen können. Er liegt nun bei 2,5 Prozent. Die Notenbank hatte den Diskontsatz erst zu Wochenbeginn überraschend gesenkt.

dpa/Reuters Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker