Finanzkrise Dax steigt Nikkei hinterher


Der deutsche Aktienmarkt hat sich dank des Kursfeuerwerks in Asien deutlich stabilisiert. Nach den dramatischen Verlusten vom Montag kletterte der Dax in der ersten Handelsstunde um gut sechs Prozent auf 4.600 Zähler.

Nach der Talfahrt zu Wochenbeginn hat sich der deutsche Aktienmarkt am Dienstag zum Handelsauftakt gut erholt präsentiert. Der Dax stieg dank positiver Vorgaben aus Asien um gut sechs Prozent auf 4600 Zähler. Auch MDax und TecDax legten zu. Die Volkswagen-Aktie setzte ihr Kursfeuerwerk vom Vortag fort und schoss um 60 Prozent hoch.

Zuvor hatten bereits die wichtigsten asiatischen Aktienmärkte deutlich zugelegt. Auch Dollar und Euro holten gegenüber dem Yen kräftig auf, was die Sorgen über eine Verteuerung der japanischen Exportprodukte linderte. Die Investoren gingen auf Schnäppchenjagd und stiegen vor allem bei den zuletzt stark verbilligten Aktien von Autobauern und Technologieunternehmen ein.

In Tokio kletterte der Nikkei-Index in einer Schlussrallye um 6,4 Prozent auf 7621 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um gut fünf Prozent auf 784 Zähler. Die Börse in Seoul legte um knapp 5,6 Prozent zu, der Hang-Seng-Index in Hongkong tendierte gegen Ende des Handelstages bei zehn Prozent im Plus. Der Preis für US-Leichtöl zog gleichfalls an und erholte sich von seinem Tagestief von 61,75 Dollar je Barrel im US-Handel. Er hat sich in Erwartung einer deutlichen Konjunkturschwäche seit Juli mehr als halbiert.

Handelszahlen gehen hoch

"Eine wachsende Zahl von Investoren fängt an, die japanischen Aktien für ziemlich billig zu halten", sagte ein Börsenhändler. "Die Handelszahlen gehen hoch." Allein am Vormittag wechselten 1,26 Milliarden Aktien den Besitzer - in der vergangenen Woche waren es durchschnittlich rund 986,5 Millionen Anteilsscheine gewesen. Der Nikkei-Index hat seit Jahresbeginn die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Zum Wochenauftakt war er um mehr als sieben Prozent auf den Stand des Jahres 1982 abgestürzt.

Zu den Tagesgewinnern zählten Aktien des Autoherstellers Honda, der nach Börsenschluss einen Gewinneinbruch im ersten Halbjahr vorlegte, seine Jahresprognose aber nur leicht zurückschraubte. Honda-Anteile verteuerten sich um 14 Prozent, die Aktien der Konkurrenten Toyota und Nissan um knapp acht beziehungsweise fünf Prozent. Die Kurse der Elektronikanbieter Panasonic- und Sanyo schnellten um zwölf und knapp 23 Prozent in die Höhe, Sony-Anteile verteuerten sich um 9,6 Prozent.

Die Banken profitierten nicht von dem Aufschwung: Aktien des größten Finanzinstituts Mitsubishi UFJ Financial verloren am Tag nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung um rund neun Milliarden Euro erneut 5,5 Prozent. Die Anteilsscheine der Nummer zwei und drei der Branche, Mizuho und Sumitomo Mitsui Financial, gingen mit einem Abschlag von 6,5 und 13 Prozent aus dem Handel. Das von der Regierung am Montag angekündigte Maßnahmenbündel habe keine Wirkung gezeigt, meinten Händler. "Das war besser als nichts, aber die Maßnahmen sind kurzfristig angelegt und es fehlt dabei jede Idee, wohin die Regierung die Wirtschaft mittel- bis langfristig führen will", sagte ein Experte.

Euro legt wieder deutlich zu

Der Aufwind am Aktienmarkt stoppt auch den Anstieg der japanischen Währung, die zum Dollar fast zwei Prozent auf 94,50 Yen verlor. Auch zum Euro gab der Yen nach. Die Gemeinschaftswährung weitete ihre Gewinne um mehr als vier Prozent auf rund 120 Yen aus. Gegenüber dem Dollar stieg der Euro nach der Talfahrt vom Montag wieder deutlich über die Marke von 1,25 Dollar. Im frühen Handel stand die Gemeinschaftswährung bei 1,2576 Dollar. Zu Beginn der Woche hatten noch Hinweise des Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, auf eine weitere Zinssenkung in der Eurozone die Gemeinschaftswährung stark belastet und zeitweise unter die Marke von 1,24 Euro fallen lassen.

Der Dollar kostete zuletzt 0,7948 Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,2460 (Freitag: 1,2596) Dollar festgesetzt.

Trotz der aktuellen Kurserholung des Euro beschreiben Händler die Stimmung am Markt als nervös und angespannt. "Die Situation an den Weltfinanzmärkten hat sich noch immer nicht beruhigt und daher bleibt der Euro zum Dollar unter Druck", so die Experten der Landesbank Hessen Thüringen (Helaba).

Reuters/DPA/AP AP DPA Reuters

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