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Die Morgenlage: Aktienkurse in Asien brechen erneut ein

Esken und Walter-Borjans streben nicht SPD-Kanzlerkandidatur an +++ Formel 1-Auftakt in Melbourne abgesagt +++ EU-Innenminister beraten über Migrationskrise und Coronavirus +++ Die Nachrichtenlage am Freitag

Eine Anzeigetafel in Tokio zeigt den fallenden Kurs des Nikkei-Index

Eine Anzeigetafel in Tokio zeigt den fallenden Kurs des Nikkei-Index

AFP

Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser,

das könnte ein langweiliges Wochenende werden. Am späten Abend hat Bundeskanzlerin Angela Merkel uns alle aufgefordert, wann immer es möglich ist, auf persönliche Begegnungen zu verzichten. Freunde treffen, Familienfeiern, Theater- und Konzertbesuche - das alles sollen wir bis auf Weiteres lassen. Und damit uns das nicht allzu schwer fällt, wird Fußball vor leeren Rängen gespielt und auch Veranstaltungen unter 1000 Teilnehmern sollen jetzt abgesagt werden. In der Schweiz findet schon länger fast nichts mehr statt, seit gestern machen auch Frankreich und Belgien weitgehend dicht.

Wie sich die Ausbreitung des Virus auf unser Leben auswirken wird, darüber hat die Kanzlerin am Abend gesprochen:

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag:

Nach Coronavirus-Fall: Formel-1-Auftakt in Melbourne abgesagt

Nach dem ersten Coronavirus-Fall in der Formel 1 und dem Rückzug des McLaren-Teams für den Grand Prix von Australien ist der Saisonauftakt in Melbourne abgesagt worden. Nach einer Chaosnacht für die Königsklasse des Motorsports teilte die Formel 1 zusammen mit dem Motorsport-Weltverband FIA und dem lokalen Veranstalter diese Entscheidung am Freitag mit. Der Grand Prix war für Sonntag (6.10 Uhr/MEZ) geplant gewesen.

Aktienkurse in Tokio und Seoul brechen erneut ein

Asiens Leitbörse in Tokio ist nach den schweren Kursverlusten in den USA und Europa erneut eingebrochen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte im Vormittagshandel am Freitag um fast 8 Prozent ein. Das Börsenbarometer notierte einen massiven Abschlag von 1478,49 Punkten beim Zwischenstand von 17.081,14. Der Index rutschte zum ersten Mal seit November 2016 auf unter 18.000 Zähler.

Auch an der Seouler Aktienbörse befinden sich die Kurse weiter in der Abwärtsspirale. Panikverkäufe führten dazu, dass der Leitindex Kospi am Vormittag bis 11.10 Uhr Ortszeit um fast 150 Punkte oder mehr als 8 Prozent auf 1685,08 Zähler absackte. So tief stand der Index seit achteinhalb Jahren nicht mehr. In Hongkong rutschte der Hang-Seng-Index um 6,2 Prozent auf 22.809,38 Punkte ab. 

Am Vortag hatten die Sorgen wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise die Börsenkurse weltweit dramatisch einbrechen lassen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) und der US-Leitindex Dow Jones erlitten ihre stärksten Tagesverluste seit rund drei Jahrzehnten. Der Dax schloss am Donnerstag mit einem Minus von 12,24 Prozent - der stärkste Tagesverlust seit 1989. Der Dow Jones büßte 9,99 Prozent ein und landete bei etwa 21.200 Punkten. Dies war der stärkste Verlust seit dem Börsencrash vom Oktober 1987. 

Schulen in mehreren europäischen Ländern werden wegen Coronavirus geschlossen 

Als Schutzmaßnahme gegen das Coronavirus werden in mehreren europäischen Ländern die Schulen geschlossen. Frankreichs Präsident Macron teilte mit, dass ab Montag alle Schulen, Hochschulen und Kindertagesstätten bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Auch die belgische Ministerpräsidentin Wilmes kündigte die Schließung aller Schulen im Land an. Zudem werden in Belgien die Restaurants und Cafés dicht gemacht. Ebenso werden in Portugal die Schulen geschlossen. Auch in Deutschland werden flächendeckende Schulschließungen wahrscheinlicher. Bayerns Ministerpräsident Söder kündigte an, seine Regierung werde heute über die Schließung von Schulen und Kitas entscheiden. Viele andere Bundesländer dächten über die gleiche Maßnahme nach, sagte Söder nach einem Treffen der Ministerpräsidenten mit  Bundeskanzlerin Merkel.

Esken und Walter-Borjans streben nicht nach SPD-Kanzlerkandidatur

Die SPD-Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans greifen nicht nach der Kanzlerkandidatur ihrer Partei. Beide sagten dem Nachrichtenportal "t-online", sie strebten die Kandidatur derzeit nicht an. Esken führte aus, sie und Walter-Borjans seien angetreten, um die SPD als "gestaltende Kraft" sichtbar zu machen". Diese Aufgabe sei groß genug, deswegen habe sie keine darüber hinausgehenden Ambitionen. Walter-Borjans schränkte zwar ein, es sei nichts kategorisch und für alle Zeiten auszuschließen. Aber ebenso wie Esken sei er nicht Parteichef geworden, um in weitere Ämter zu kommen. Die Frage des Kanzlerkandidaten soll laut den beiden Vorsitzenden vor Jahresende geklärt werden.

US-Richter ordnet Freilassung von Wikileaks-Informantin Manning an

Ein US-Gericht hat die Freilassung der früheren Wikileaks-Informantin Manning angeordnet. Die gegen die 32-Jährige verhängte Beugehaft sei nicht mehr notwendig, entschied im US-Bundesstaat Virginia ein Bundesrichter. Manning hatte erst gestern nach Angaben von Unterstützern versucht, sich das Leben zu nehmen. Die frühere Soldatin hatte durch die Beugehaft dazu gezwungen werden sollen, zum Fall des Wikileaks-Gründers Assange auszusagen. Manning hatte Wikileaks hunderttausende geheime Militärdokumente zu den Konflikten im Irak und in Afghanistan sowie vertrauliche Diplomatendepeschen zugespielt. Die Whistleblowerin, die vor einer Geschlechtsumwandlung noch den Vornamen Bradley trug, wurde 2013 wegen Spionage zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt. Durch einen Gnadenerlass des früheren Präsidenten Obama kam sie vorzeitig frei, wurde aber wegen ihrer Aussageverweigerung zu Assange vergangenes Jahr in Beugehaft genommen.

Das wird heute wichtig:

Corona-Krise: Merkel trifft sich mit Wirtschaft und Gewerkschaften

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berät ab 18 Uhr mit Spitzenverbänden der Wirtschaft sowie Gewerkschaften Maßnahmen zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie. Diskutiert werden im Kanzleramt weitere Schritte, um die Folgen für Unternehmen abzufedern. Auch Banken und Sparkassen loten mit der Bundesregierung an diesem Freitag mögliche Maßnahmen aus, um Liquiditätsengpässe betroffener Firmen zu vermeiden. Am Mittag wollen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) über "wirtschaftliche Auswirkungen" des Coronavirus informieren.

EU-Innenminister beraten über Migrationskrise und Coronavirus

Die EU-Innenminister beraten ab 10 Uhr über die Spannungen an der griechisch-türkischen Grenze. Zudem soll über die Zusammenarbeit gegen das neuartige Coronavirus diskutiert werden. Dabei soll es etwa darum gehen, wie Informationen besser miteinander geteilt werden können. Die Türkei hatte Ende Februar erklärt, die Grenze zur EU sei für Migranten offen. Daraufhin machten sich Tausende auf den Weg, um aus der Türkei nach Griechenland und somit in die EU zu gelangen. Griechenland wehrte die Menschen jedoch ab.

Bundesrat debattiert Mietpreisbremse und Kohleausstieg

Der Bundesrat macht ab 9.30 Uhr voraussichtlich den Weg frei für die Verschärfung der Mietpreisbremse. Die Länderkammer berät das Gesetz abschließend, das es Ländern ermöglicht, in Gebieten mit knappem Wohnraum die Miete für Wohnungen im Bestand zu begrenzen. Künftig sollen Mieter die gesamte zu viel gezahlte Miete zurückverlangen können. Zudem befasst der Bundesrat sich mit dem Gesetz zum Kohleausstieg bis 2038, über das derzeit auch der Bundestag berät. Kritik gibt es unter anderem daran, dass für das Abschalten von Steinkohle-Kraftwerken nur bis 2026 Entschädigungen gezahlt werden sollen. 

EU-Kommission zu Konjunkturhilfen in der Coronavirus-Krise

Nach der Europäischen Zentralbank (EZB) will auch die EU-Kommission Konjunkturhilfen in der Coronavirus-Krise vorschlagen. Es geht zum einen darum, die EU-Regeln für staatliche Schulden, Defizite und Beihilfen großzügig auszulegen, damit EU-Staaten geschädigten Firmen und Branchen unter die Arme greifen können. Zum anderen will die Kommission Investitionen,  Liquiditätshilfen für Banken und billige Kredite für Unternehmen ermöglichen. Darüber hinaus wird eine Einschätzung erwartet, wie stark die Epidemie die europäische Wirtschaft schädigen könnte.

Forscher entdecken in Bernstein den kleinsten Dinosaurier der Welt

Düsseldorf und Paderborn eröffnen Geister-Spieltag in der Bundesliga

Ohne Zuschauer müssen Fortuna Düsseldorf und der SC Paderborn im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga auskommen. Die Partie in der Düsseldorfer Arena findet (20.30 Uhr/live im stern-Ticker) - wie auch alle anderen Spiele - vor leeren Rängen statt. Dabei geht es für beide Teams um sehr viel: Die Düsseldorfer wollen als Tabellen-16. den Anschluss an die rettenden Plätze herstellen, Schlusslicht Paderborn könnte im Erfolgsfall ein wenig näher an den Relegationsplatz heranrücken. Inwieweit die besondere Kulisse Auswirkungen auf die Begegnung hat, bleibt fraglich.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihre stern.de-Redaktion

dho/rw / DPA / AFP