Gehalt Das Weihnachtsgeld ist nicht mehr selbstverständlich


Flaute in der Wirtschaft, Finanznot beim Staat: Viele Arbeitnehmer sorgen sich um ihr Weihnachtsgeld, obwohl viele Konzerne weiter ein 13. Gehalt zahlen wollen. Einschnitte wird es bei Beamten geben.

Flaute in der Wirtschaft, Finanznot beim Staat: Viele Arbeitnehmer sorgen sich um ihr Weihnachtsgeld. Aufatmen können die Beschäftigten einiger Großkonzerne, die von Streichungen verschont bleiben. Dagegen müssen Beamte in einigen Bundesländern mit Einbußen rechnen. Gute Nachrichten gibt es für die BMW-Beschäftigten: Der erfolgreiche Autobauer zahlt mit dem November-Gehalt ein Weihnachtsgeld von 120 Prozent eines Monatsgehalts. Das entspricht einer Sprecherin zufolge den Zahlungen der vergangenen Jahre. Bereits im Sommer erhielten die BMW-Mitarbeiter eine Erfolgsbeteiligung von 140,7 Prozent.

Opel- und Hypo-Mitarbeiter bekommen weniger

Anders sieht es bei Opel aus, der Autobauer steckt mitten in einem Sanierungsprogramm. Die Beschäftigten verzichten auf einen Teil des Weihnachtsgelds. Statt der früher üblichen 100 Prozent gibt es 2003 - wie schon im Vorjahr - nur 70 Prozent eines Monatslohns. In den kommenden beiden Jahren steigt das Weihnachtsgeld dafür auf je 130 Prozent. Weniger gibt es auch bei der HypoVereinsbank. Deutschlands zweitgrößtes Bankhaus zahlt nur die tariflich festgelegten 50 Prozent eines Monatsgehalts. Die frühere übertarifliche Leistung von 25 Prozent entfällt einem Sprecher zufolge.

Kein Weihnachtsgeld bei Aker-Werft

Die Beschäftigten im größten Unternehmen Mecklenburg-Vorpommerns, den Aker-Werften, erhalten 2003 wegen einer Härtefallregelung zum Arbeitsplatzerhalt kein Weihnachtsgeld, wie ein Betriebsratssprecher sagte. In den Vorjahren habe es noch ein gekürztes Weihnachtsgeld gegeben.

Großkonzerne zahlen meist

Keine Änderung dagegen für die Mitarbeiter von Telekom, Schering, Siemens, Bahn und Post, wie Unternehmenssprecher sagten. "Schering zahlt das anteilige 13. Monatsgehalt im November genau wie im vergangenen Jahr in voller Höhe aus." Bei Siemens gilt einer Sprecherin zufolge: "Die Höhe ist tariflich festgelegt, daran wurde in diesem Jahr nichts geändert."

EnBW kündigte Betriebsvereinbarung

Der angeschlagene Stromkonzern Energie Baden-Württemberg hat die Betriebsvereinbarung über die Sozialleistungen gekündigt. Auf das Weihnachtsgeld für das Jahr 2003 habe dies aber keine Auswirkung, teilte das Unternehmen in Karlsruhe mit.

Diverse Bonuszahlungen stehen noch nicht fest

Beim weltgrößten Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen bleibt trotz Konjunkturflaute alles beim Alten. Die Beschäftigten erhalten laut Gesamtbetriebsrat ihr tariflich festgelegtes Weihnachtsgeld von 95 Prozent eines Monatslohns. Die früher im Herbst übliche zusätzliche Bonuszahlung an die "Aniliner" sei vor einigen Jahren auf das Frühjahr verschoben worden. Über ihre Höhe werde erst nach Vorliegen der Jahresbilanz 2003 entschieden. Und auch für die rund 2.000 Hamburger Arbeiter der Norddeutschen Affinerie AG, der größten Kupferhütte Europas, gibt es ein frohes Fest: Hier beträgt das Weihnachtsgeld 120 Prozent des Tariflohns. "Die Zahlen orientieren sich am letzten Geschäftsjahr," erklärte eine Sprecherin.

Bayerns Beamte noch verschont

Auf Einschnitte müssen sich dagegen die Beamte in einigen Bundesländern einstellen. Nordrhein-Westfalen will das Weihnachtsgeld nach Besoldungsgruppen gestaffelt von 84 Prozent auf 60 beziehungsweise 50 Prozent des Grundgehalts kürzen. Rheinland-Pfalz kürzt das 13. Gehalt auf 70 Prozent eines normalen Monatseinkommens. In Hessen sinkt das Weihnachtsgeld auf 60 Prozent eines regulären Gehalts.

Beamte in Hamburg und Sachen droht Teilverzicht

Auch die Beamten der Hansestadt Hamburg müssen wohl Einsparungen hinnehmen, wenngleich das formal noch nicht beschlossen ist. Laut Personalamt hat aber der Haushaltsausschuss seine Empfehlungen abgegeben, die endgültige Abstimmung ist für Ende Oktober geplant. In Sachsen liegt ein Gesetzentwurf vor, der die Kürzung des Weihnachtsgelds für die Beamten noch 2003 vorsieht. Sie sollen danach zwischen 40 und 45 Prozent eines Monatsgehalts erhalten.

Auch gestaffelte Einschnitte gibt's

Erstmals sind 2003 auch die Beamten und Angestellten des Öffentlichen Dienstes in Mecklenburg-Vorpommern von gestaffelten Einschnitten ihres Weihnachtsgeldes betroffen. Bei den niedrigeren Einkommen betragen die Kürzungen gut die Hälfte und bei höheren Bezügen machen sie fast zwei Drittel aus.

Thüringer Beamte bleiben verschont

Dagegen erhalten Beamte in Thüringen 2003 unverändert ihr 13. Monatsgehalt; ab 2004 soll das Weihnachtsgeld aber auf 40 bis 45 Prozent herabgesetzt werden. Auch die bayerischen Beamten bleiben noch von Kürzungen beim Weihnachtsgeld verschont. Ab 2004 müssen sie aber Einschnitte hinnehmen, die laut Beamtenbund allerdings geringer ausfallen als in anderen Ländern.

Bremen vertagte Entscheidung

Die ursprünglich für dieses Jahr geplante Kürzung des Weihnachtsgeldes für Bremer Beamte hat der Senat auf 2004 vertagt. Dann soll es im Schnitt auf 50 Prozent der heutigen Bezüge sinken, 2005 auf 45 Prozent. Dabei solle sozial gestaffelt vorgegangen werden.

Michael Bauer DPA

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