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Nordische Kombination: Kircheisen erringt ersten Saisonsieg

Der Wind schlug seinen Konkurrenten ein Schnippchen, doch Björn Kircheisen hatte Glück: Als der Deutsche zum Sprung von der Schanze ansetzte, waren die Bedingungen stabil, und er flog weit. Vorher war er als Erster ins Ziel gestürmt.

Björn Kircheisen hat die Windlotterie in der Ramsau gewonnen und auf einen Schlag 18.000 Euro Weihnachtsgeld kassiert. Ronny Ackermann zog wegen der nach Meinung von Bundestrainer Hermann Weinbuch "schwachen Jury-Leistung" Nieten. Bei den beiden Weltcups der nordischen Kombinierer am Wochenende im österreichischen Ramsau nutzte der viermalige WM-Zweite Kircheisen die für ihn stabilen Bedingungen auf der Normalschanze zu guten Sprüngen und seinem ersten Saisonsieg am Sonntag. Am Samstag war er auf Platz zwei gestürmt. Das brachte dem Johanngeorgenstädter 18.000 Euro Preisgeld und den Sprung auf Position zwei im Gesamtweltcup hinter dem Finnen Anssi Koivuranta. Dagegen wurde der viermalige Weltmeister Ackermann (Dermbach) zweimal "verblasen". Er verzichtete am Samstag nach großem Rückstand auf den Lauf und kam am Sonntag als 15. ins Ziel.

Auf "Raketenski" stürmte Kircheisen am Sonntagnachmittag im Zielspurt aus dem Windschatten heraus an Vortagessieger Bill Demong (USA) vorbei. "Ein dickes Lob an die Skitechniker. Beim letzten Anstieg musste ich abreißen lassen. Doch bergab konnte ich wieder in den Windschatten fahren - und dann auf der Zielgeraden Vollgas geben. Ich bin toll zufrieden", jubelte Kircheisen.

Am Samstag hatte er bei Dauerschneefall in der zehn Kilometer langen Loipe nach einem taktisch klugen Rennen nur Demong den Vortritt gelassen. Mit Eric Frenzel (Oberwiesenthal) auf Rang sieben und Tom Beetz (Biberau), der als Elfter ins Ziel lief, landeten zwei weitere deutsche Nachwuchs-Kombinierer im Spitzenfeld. Am Sonntag wurden Tino Edelmann Neunter und Sebastian Haseney (beide Zella- Mehlis) Elfter.

Springen musste abgebrochen werden

Das Springen am Sonntag wurde zweimal unter- und dann abgebrochen. Erstmals kam der vor diesem Winter eingeführte "vorläufige Wettkampfsprung" in die Wertung. Er soll am Trainingstag stattfinden und als Basis für den Lauf gewertet werden, wenn am Wettkampftag kein Springen möglich ist. "Heute hätte aber ein reguläres Springen stattfinden können. Die Jury hat zuerst eine falsche Anlauflänge und einen zu engen Windkorridor festgelegt. Danach hat sie viel zu lange gezögert, ehe abgebrochen und neu gestartet wurde. Das hat 'Acker' die Siegchance gekostet und die Österreicher weit vor gebracht", schimpfte Weinbuch.

Der Weltmeister aus der thüringischen Rhön, der auch beim vorläufigen Wettkampfsprung vom Wind benachteiligt war, lag bis dahin nach einem guten Satz auf 87,5 Meter auf dem zweiten Platz und nahm den Abbruch gelassen. "Die Jury wird schon wissen, was richtig ist, auch wenn's mich hart getroffen hat. Jetzt hoffe ich auf eine ausgleichende Glückssträhne im Januar und Februar", meinte Ackermann. Kircheisen war bei nur 67,5 Meter gelandet und fluchte: "Mit so einem unfairen Springen tut man unserer Sportart keinen Gefallen." Nach dem Abbruch stellte er zufrieden fest: "Heute hatte ich das Glück auf meiner Seite". Im provisorischen Wettkampfsprung war er nämlich guter Zehnter geworden.

Bundestrainer Hermann Weinbuch sah alles mit einem weinenden und einem lachenden Auge. "Natürlich bin ich überglücklich mit dem Sieg von 'Kirche'. Ärgerlich ist aber, dass die Konkurrenz fairer hätte verlaufen können", schätzte er ein, nachdem seine Männer die Führung in der Nationenwertung weiter ausgebaut hatten.

Uwe Jentzsch, DPA / DPA

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