Gesetze Neue Richtlinien für EU-Unternehmen


Alle börsennotierten Unternehmen in der EU sollen voraussichtlich von 2005 an zur Veröffentlichung von Quartalsberichten verpflichtet werden.

Ab 2005 sollen börsennotierte EU-Unternehmen Quartalsberichte vorlegen. Damit könnten sich Anleger einfacher für einen Wertpapierkauf über die Grenzen hinweg entscheiden, sagte EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein am Mittwoch in Brüssel bei Vorlage seines Gesetzesvorschlages. Bisher sind in der Union nur Jahres- und Halbjahresberichte vorgeschrieben. Die EU-Staaten und das Europaparlament müssen Bolkesteins Plänen noch zustimmen.

Förderung kurzfristigen Anlageverhaltens?

Bolkestein wehrte sich vehement gegen Vorwürfe, wonach zwingende Vierteljahresabschlüsse Unternehmen belasten und ein an kurzfristigen Gewinnen orientiertes Anlegerverhalten fördern. «Ich weigere mich anzunehmen, dass solche einfachen Zahlen, die innerhalb von zwei Monaten vorgelegt werden müssen, kleinere und mittlere Unternehmen überfordern.» In den USA, wo es seit 1946 Quartalsberichte gebe, seien die Vorschriften strenger.

"Verlässliche Angaben"

Geplant seien «verlässliche Angaben», die Umsätze sowie Gewinn- und Verlustangaben enthalten, jedoch keine detaillierten Einschätzungen zu künftigen Ertragslage. Die Unternehmen könnten jedoch «kurze Trendinformationen» über die voraussichtliche Entwicklung im verbleibenden Geschäftsjahr veröffentlichen, falls sie dieses wünschten. Die Vierteljahresabschlüsse müssen laut Bolkestein nicht vom Wirtschaftsprüfer testiert werden.

Bilanzskandalen vorbeugen

In der EU gebe es 6.000 öffentlich gehandelte Unternehmen, von denen 1.100 bereits Quartalsberichte mit hohem Standard veröffentlichen, sagte Bolkestein. Der niederländische Kommissar will internationalen Bilanz- und Börsenskandalen wie denen von Enron oder WorldCom vorgebeugen und das Vertrauen von Investoren stärken.

Porsche lehnt Vorlage ab

In Deutschland lehnt beispielsweise der Sportwagenhersteller Porsche die Vorlage von Quartalsberichten ab, mit der Begründung, es handele sich um einen zu kurzen Geschäftszeitraum. Diese Weigerung kostete Porsche 2001 die Mitgliedschaft im MDax für mittlere Unternehmenswerte. Auch nach der Neuordnung der Börsenstruktur in diesem Jahr blieb Porsche deswegen der Weg in den so genannten Prime Standard mit strengeren Auflagen versperrt. Zusammen mit gut 400 anderen Unternehmen kam der Sportwagenhersteller in das Segment General Standard, für das die Mindestanforderungen ausreichend sind.

Verwirrende Informationsflut

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DGSV) kritisierte den Entwurf am Mittwoch als «nicht Ziel führend». Die vorgesehene Zwischenberichtspflicht für nicht börsenorientierte Kreditinstitute, die börsennotierte Anleihen ausgeben, würde zu einer «verwirrenden und kostenträchtigen Informationsflut» führen, die den Anlegerschutz nicht verbessere.


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