GESUNDHEIT Pillen per Computer


Das Rezept der Internetapotheke DocMorris ist heilsam: bequem von zu Hause aus bestellen und dabei noch über die Hälfte sparen.

Die Rezeptgebühr von acht bis zehn Mark für ihre Medikamente können deutsche Patienten leicht einsparen. Wenn sie bei der niederländischen Internetapotheke DocMorris bestellen und ihr Rezept einschicken, kommt die Medizin per Kurier kostenlos nach Hause. DocMorris rechnet später mit der jeweiligen Krankenkasse ab.

Handel per Mausklick

Nach anfänglichem Zögern befürworten inzwischen eine ganze Reihe Ersatz- und Privatkrankenkassen sowie AOKs und Betriebskrankenkassen den Pillenhandel per Mausklick. Schließlich sparen sie dabei erheblich: Die Arzneimittel von DocMorris sind bis zu 60 Prozent billiger als in heimischen Apotheken. Zum Beispiel kostet eine Packung der Antibabypille Neogynon 21 von Schering in Deutschland 62,65 Mark, beim niederländischen Versandhändler 27,26 Mark, eine Ersparnis von 56 Prozent.

Auch Krankenkassen sind dafür

Die Betriebskrankenkasse von Siemens in München und die BKK der Hansestadt Hamburg werben bei ihren Mitgliedern sogar für die Pillen per Post. Sicherheit sei garantiert, hieß es in einem Schreiben der Hamburger BKK an ihre 8500 Versicherten; die Qualität der Medikamente sei »exakt die gleiche« wie in hiesigen Apotheken, Verpackung und Beipackzettel in deutscher Sprache.

Die Hamburger kassierten dafür eine Unterlassungserklärung vom Apothekerverein. Laut deutschem Arzneimittelgesetz dürfen rezeptpflichtige Medikamente »nicht im Wege des Versandes in den Verkehr« gebracht werden. Dieser Passus, einer der vielen alten Schutzparagrafen für die deutschen Pillendreher, verstößt nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände jedoch gegen das tolerantere EU-Recht über den freien Warenverkehr. Deshalb sind nun die EU-Richter gefragt. Eine abschließende Entscheidung wird für 2003 erwartet. Die Versandapotheke DocMorris des niederländischen Apothekers Jacques Waterval aus Kerkrade operiert derweil aus einer Gesetzeslücke weiter: Bestell- und Liefervorgänge laufen getrennt.

Es gibt Hintertüren

Ein anderes Schlupfloch »am deutschen Versandhandelsverbot vorbei« peilt nun der Landesvorsitzende der Bayerischen Betriebskrankenkassen, Gerhard Schulte, an. »Um die Beiträge niedrig zu halten und den Wettbewerb anzukurbeln«, handelt er Lieferverträge mit DocMorris und einer anderen holländischen Internetapotheke aus. Die Abkommen sollen noch in diesem Jahr unterschriftsreif sein. Der bayerische BKK-Boss möchte bis zu 800 Millionen Mark durch die Internetkäufe einsparen.

E-Commerce mit Arznei

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt befürwortet ebenfalls einen EU-weiten E-Commerce mit Arzneimitteln und Medizinprodukten, sofern Qualität und Sicherheitsstandards stimmen. Langfristig, sagt sie, könne man nicht »eine Mauer um Deutschland errichten«.

Brigitte Zander


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