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Gläubiger profitieren: Lehman Brothers verkauft Immobilientochter

Noch immer steht die Pleite-Bank Lehman Brothers bei ihren Gläubigern tief in der Kreide. Mit dem Verkauf der Immobilientochter Archstone könnte sich die Auszahlung jetzt beschleunigen.

Das Nachfolgeunternehmen der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers verkauft seine Immobiliensparte Archstone für 6,5 Milliarden Dollar an zwei Investmentfonds. Damit zieht Lehman einen Schlussstrich unter die Beteiligung an kostspieligen Wetten auf den amerikanischen Häusermarkt, die das Geldhaus in den Ruin und die Weltwirtschaft in die Krise gestürzt hatten. Käufer des Apartment-Spezialisten sind die Immobiliengesellschaften Equity Residential und Avalonbay Communities, die auch 9,5 Milliarden Dollar Schulden von Archstone übernehmen, wie Lehman Holdings am Montag mitteilte. Damit steigt das Volumen der Transaktion auf 16 Milliarden Dollar. Archstone war der größte Vermögenswert von Lehman Brothers.

Die Pleite-Bank will ihren Kunden und anderen Gläubigern ihr Geld zurückzahlen, hierfür wurde ein Fonds eingerichtet. Die Forderungen an Lehman Brothers belaufen sich auf insgesamt rund 450 Milliarden Dollar. Im Frühjahr, als die Rückzahlung an die Gläubiger begonnen hatte, verfügte die Bank noch über ein Restvermögen von rund 65 Milliarden Dollar.

Die komplexeste Pleite der Geschichte

Archstone ist einer der größten Vermieter der USA mit zuletzt mehr als 54.400 Einheiten in 169 Kommunen. Die Appartementanlagen stehen bevorzugt in Ballungsräumen wie New York City, San Francisco oder Washington, DC. Lehman Holdings hatte zuletzt auch einen Börsengang von Archstone erwogen. Der Verkauf spült dem Unternehmen aber fast doppelt soviel Geld in die Kassen wie der angepeilte Ipo-Erlös von knapp 3,5 Milliarden Dollar. Dabei kam Lehman die günstige Entwicklung am Apartment-Markt in den USA zum Ende des Jahres zugute. Die Verhandlungen mit den beiden Käufern liefen eingeweihten Personen zufolge schon seit dem vergangenen Jahr. Die schon bei der Aufsicht eingereichte Börsenpläne stießen dagegen gleich auf mehrere Hürden. Vor allem der hohe Schuldenberg und die Konzentration der Eigentümerrechte stand ihnen im Wege.

Lehman Brothers hatte Archstone zum Höhepunkt des Häuserbooms im vergangenen Jahrzehnt für 23,7 Milliarden Dollar gekauft und die Übernahme über Kredite finanziert. Nach dem Platzen der Immobilienblase war die Investmentbank 2008 zusammengebrochen und hatte damit die globale Finanzkrise dramatisch verschärft. Nach Angaben der Insolvenzverwalter war es die größte und komplexeste Pleite der Geschichte mit 7000 Betroffenen in 40 Ländern.

kgi/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters
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