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IAB-Studie: Westdeutsch, weiblich, altersarm

In Sachen Altersarmut kündigen Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ein deutliches Ost-West-Gefälle an: Westdeutsche, ältere Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen laufen eine wesentlich größere Gefahr unter Altersarmut leiden zu müssen als ältere Arbeitslose in Ostdeutschland.

Sie leben mit 345 Euro pro Monat am Rande der Armut. Jeder Gang in den Supermarkt kann für Arbeitslosengeld-II-Empfänger zur quälenden Centknapserei werden. Urlaub, Kleidung, Elektrogeräte - all das ist für das Gros der auf ALG II Angewiesenen kaum, wenn überhaupt, finanzierbar. Und im Rentenalter könnte es für sie noch schlimmer werden. Stichwort Altersvorsorge. Für Empfänger des Arbeitslosengeldes II (ALG II) werden nur geringe Beträge in die gesetzliche Rentenversicherung abgeführt. Mit zunehmender Arbeitslosigkeitsdauer wächst für sie deshalb auch das Risiko, im Alter arm und auf Sozialhilfe angewiesen zu sein.

DDR-Erwerbsbiografie schützt vor Altersarmut

Besonders betroffen sind nach einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ältere Arbeitslosengeld-II-Empfängerinnen in Westdeutschland. Sie weisen die mit Abstand kürzesten Beitragszeiten zur Rentenversicherung auf und haben meist auch nur geringe Beiträge eingezahlt. Soweit sie nicht ausreichend über ihren Partner abgesichert sind, haben westdeutsche, arbeitslose Frauen das mit Abstand höchste Risiko, auch im Alter arm zu sein. Bei ihnen verbinden sich nach IAB-Einschätzungen kurze Beitragsdauern häufig mit niedrigen Arbeitsentgelten aufgrund von Teilzeitarbeit und geringen Stundenlöhnen.

Ältere Arbeitslose in Ostdeutschland seien laut IAB dagegen am wenigsten von Altersarmut bedroht. Der Grund: Sie profitieren von den jahrzehntelang stabilen Erwerbsbiographien in der ehemaligen DDR. Anders als bei den westdeutschen ALG-II-Empfängern gibt es hier auch keine ausgeprägten geschlechtsspezifischen Unterschiede - eine Folge der hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen in der DDR.

Blatt wendet sich zu Ungunsten der Ostdeutschen

Allerdings könnte sich das Blatt langfristig wenden - zu Ungunsten der ostdeutschen Arbeitslosen. Denn die prekäre ostdeutsche Arbeitsmarktlage bekomme erst die nachrückenden Generationen der unter 50-Jährigen in vollem Ausmaß zu spüren. Die Wahrscheinlichkeit arbeitslos zu werden, ist für sie relativ groß; Lücken in der Beitragszeit zur Rentenversicherung scheinen programmiert. Gemäß der Formel "Kürzere Beitragszeiten, weniger Rente" droht jungen ostdeutschen Arbeitlosen ein Lebensabend in Armut. Selbst eine lückenlose Erwerbsbiografie sei kein Garant für eine ausreichend hohe Rente. So könnten die veränderten Wirtschafts- und Arbeitsmarktbedingungen in Ostdeutschland, laut IAB-Foscherin Christina Wübbeke dazu führen, dass viele in Niedrigeinkommensbereichen beschäftigt sein werden und entsprechend geringe Rentenbeiträge zahlen.

hes
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