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Indizes: Saddam-Effekt treibt weltweit Aktienkurse

Von Tokio bis Frankfurt reagierten die Börsen mit Kursgewinnen auf die Ergreifung des von den USA gestürzten irakischen Präsidenten nach monatelanger Flucht.

Der Saddam-Effekt hat am Montag den Aktienkursen weltweit einen Schub gegeben. Von Tokio bis Frankfurt reagierten die Börsen mit Kursgewinnen auf die Ergreifung des von den USA gestürzten irakischen Präsidenten nach monatelanger Flucht. Allerdings gab es zu viele Skeptiker am Markt, als dass die Euphorie die anderen Einflussgrößen gänzlich zu verdrängen vermochte.

Wetweit positive Reaktionen

In Frankfurt kletterte der Aktienindex DAX am Vormittag auf einen Jahreshöchststand von 3930,26 Zähler; am Mittag zeigte er immer noch ein Plus von 1,38 Prozent auf 3913 Punkte. "Die Festnahme von Saddam Hussein ist ohne Zweifel sehr positiv und treibt den DAX", sagte ein Aktienhändler. Ähnlich reagierten die Märkte von Paris bis London. Zuvor hatte bereits in Tokio der Nikkei-225 bis zum Börsenschluss um 3,16 Prozent auf 10.490,77 Punkte gewonnen; die Börse Australiens hatte um gut ein Prozent zugelegt.

Anleger hoffen auf wachsendes Verbrauchervertrauen

Viele Anleger hoffen, dass die Ergreifung von Saddam Hussein über eine Stabilisierung des Iraks auch die Risiken des Terrorismus für Branchen wie Luftfahrt und Tourismus mindern werde. Außerdem könnte die Ölversorgung sicherer und billiger werden. "Die Investoren erwarten, dass die Kriegskosten für die Amerikaner nun sinken und sich die Stimmung der Verbraucher zum vorweihnachtlichen Shopping verbessert", erklärte der Fondsmanager Mitsushige Akino von Ichiyhoshi Investment Management.

Ölkonzerne schlechter als der Markt

Allerdings profitierten nicht alle vom Saddam-Boom. Schlechter als der Markt lagen die Aktien der Ölkonzerne, für die ein fallender Ölpreis sinkende Gewinne bedeuten würde. Besser dran waren die Flugunternehmen, deren Geschäftsaussichten nun besser eingeschätzt werden. Kamen wie bei der Lufthansa noch positive Unternehmensmeldungen hinzu, dann konnten die Papiere richtig abheben: Die Lufthansa-Aktie gewann um 3,23 Prozent auf 13,12 Euro.

Terrorgefahr nicht gebannt

Doch der Irak ist weit und Saddams Festnahme auch für die Börsianer nicht das Ende aller Sorgen. "Die Terrorgefahr ist noch nicht gebannt", sagte ein Börsianer. Je nach Heftigkeit und Nähe zu Deutschland könnten neue Anschläge die Aktienmärkte wieder nach unten drücken. Zudem schauen die Börsianer auch auf andere Faktoren wie das Konsumklima und die Steuerreform.

Trotzdem viele Skeptiker

Halb zufrieden, halb enttäuscht waren in Deutschland die Anleger über die Halbherzigkeit des Steuerkompromisses von Opposition und Regierung. "Der Steuerkompromiss ist nicht Fisch und nicht Fleisch", sagte ein Frankfurter Börsianer. Dies habe den Auftrieb gebremst. Außerdem drückte das schwächelnde Weihnachtsgeschäft viele Konsumwerte. So konnte auch der Saddam-Effekt die KarstadtQuelle-Aktie nicht vor einem Kursverlust von 5,60 Prozent retten.

DPA