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Konjunktur: Schlechte Zahlungsmoral bringt Unternehmen in Bedrängnis

Die Kreditversicherer erwartet 2004 neuen Pleitenrekord: Die schlechte Zahlungsmoral in Deutschland macht immer mehr Firmen zu schaffen, derzeit arbeiten bereits 60 Prozent der Firmen mit finanziellen Verlusten.

Die schlechte Zahlungsmoral in Deutschland macht immer mehr Firmen zu schaffen. Mittlerweile hätten rund 60 Prozent aller Unternehmen finanzielle Verluste erlitten, weil ihre Auftraggeber nicht zahlten, sagte der Chefvolkswirt der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG, Romeo Grill. "Die schlechte Zahlungsmoral drängt viele Firmen an den Rand ihrer Existenz und ist mitverantwortlich für zahlreiche Pleiten", sagte der Experte des größten deutschen Kreditversicherers.

Rechnungen werden so spät wie möglich gezahlt

Es gebe einen Trend, Rechnungen so spät wie möglich zu zahlen. Dieses Problem sei in allen Branchen zu beobachten, besonders betroffen seien Unternehmen in Ostdeutschland. Für 2004 erwartet der Kreditversicherer einen neuen Pleitenrekord in Deutschland. "Mit rund 43.000 Insolvenzen wird die Zahl der Pleiten gegenüber 2003 voraussichtlich um vier Prozent steigen", sagte Grill. Damit gehöre Deutschland im internationalen Vergleich neben Frankreich und England zu den Spitzenreitern.

Düstere Aussichten in vielen Branchen

Während in der Baubranche 2004 eine leichte Erholung erwartet wird, stehen die Zeichen für die Bereiche Stahl, Maschinenbau und Elektrotechnik schlecht. Hier seien bei den Unternehmensinsolvenzen Steigerungsraten bis zu zehn Prozent zu erwarten. Neben der zunehmenden Konzentration in der Wirtschaft mache den Unternehmen insbesondere die geringe Eigenkapitalquote zu schaffen. "Wer wenig Rücklagen hat, kämpft oft schon bei der ersten Krise ums Überleben", sagte Grill. Hinzu komme die vorsichtige Kreditvergabe der Banken.

Auch Euro-Kurs birgt Gefahren

2004 könne außerdem der Euro-Kurs die Situation für zahlreiche Unternehmen verschärfen. "Wenn er weiter steigt, wird das einigen Branchen zur Belastung werden", sagte Grill. Einen "kritischen Grenzwert" beim Euro-Kurs gebe es aber nicht. Wichtiger sei für das Exportland Deutschland ohnehin die Wirtschaftssituation im Ausland. "Wenn die sich gut entwickelt, ist auch ein steigender Euro-Kurs keine große Gefahr", sagte Grill.

DPA
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