Kriminalität Topmanager im Fadenkreuz der Justiz

Die Mannesmann-Affäre ist kein Einzelfall: Immer häufiger prüfen Staatsanwälte das Verhalten von Konzernbossen. Die Firmennamen lesen sich wie ein Who'swho der deutschen Wirtschaft: MobilCom, Babcock Borsig, WestLB, KirchMedia.

Was haben Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, TUI-Vorstandschef Michael Frenzel und der einstige Münchener Medien-Mogul Leo Kirch gemeinsam? Alle drei sind zurzeit im Visier der deutschen Justiz. Gründlich wie nie zuvor stellen Deutschlands Staatsanwälte derzeit das Verhalten der Topmanager auf den Prüfstand und immer häufiger finden sich auch große Namen plötzlich vor dem Richter.

Alter Vorwurf, neuer Prozess

In Düsseldorf wird schon bald der wohl spektakulärste Wirtschaftsprozess der deutschen Justizgeschichte beginnen. Auf der Anklagebank unter anderem: Deutsche-Bank-Chef Ackermann, der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser und der frühere Aufsichtsratschef des Telekommunikationskonzerns Joachim Funk. Es geht um rund 111 Millionen Mark, die nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone zu Unrecht in die Taschen von Managern und Pensionären des Konzerns geflossen seien sollen.

Fahndungsakten ein Wirtschafts "Who-is-who"

Doch ist die Mannesmann-Affäre kein Einzelfall. Die Namen auf den Aktenordnern der Fahnder der Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Wirtschaftskriminalität lesen sich längst wie ein "Who ist who" der deutschen Wirtschaftselite. In Düsseldorf ermitteln Staatsanwälte seit Monaten im Zusammenhang mit der Insolvenz des Oberhausener Maschinenbauers Babcock Borsig nicht nur gegen den früheren Babcock-Chef Klaus Lederer, sondern auch gegen TUI-Chef Frenzel und den früheren WestLB-Vorstandsvorsitzenden Friedel Neuber. Die Vorwürfe reichen von der Insolvenzverschleppung bis zur Untreue oder Beihilfe dazu.

Von MobilCom-Schmid bis Leo Kirch

Die Staatsanwaltschaft in Kiel erhob erst im vergangenen Monat gegen Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid Anklage wegen Untreue in 22 Fällen. Ihre Kollegen in München ermitteln unterdessen wegen des Verdacht der Untreue oder von Konkursdelikten gegen den früheren Medienmogul Leo Kirch. Geprüft würden sowohl die umstrittenen Beraterverträge für namhafte Politiker bis hin zu Helmut Kohl, aber auch Firmen-Kredite etwa für den Kirch-Sohn Thomas, sagte Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld.

Gefahr für den Wirtschaftsstandort

In Bonn dauern unterdessen die Vernehmungen der Staatsanwaltschaft im Ermittlungsverfahren gegen den früheren Telekom-Chef Ron Sommer an. Dabei geht es um den Verdacht, dass die Telekom im Emissionsprospekt für den dritten Börsengang den Wert des Immobilienbesitzes falsch eingestellt habe. In Frankfurt ließ die Staatsanwaltschaft bei ihre Ermittlungen gegen den Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Rolf Breuer Büros und Privathäuser durchsuchen. Doch der Fahndungseifer der Staatsanwälte stößt nicht überall auf Zustimmung. Schon warnen Banker und Politiker vor einer Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Richterbund verteidigt Vorgehen der Justiz

Der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Wolfgang Arenhövel, allerdings sieht keinen Grund für Beschwerden: "Staatsanwälte sind nach dem Gesetz verpflichtet, bei dem Verdacht auf Straftaten Ermittlungen anzustellen. ... Was dieses gesetzmäßige Vorgehen mit einem Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland und einer wild gewordenen Justiz zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Es ist vielmehr das Essenzielle eines Rechtsstaates, dass er Ermittlungen ohne Ansehen der Person anstellt."

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