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Russland-Ermittlungen: Richterin verpasst Ex-Trump-Berater Roger Stone einen Maulkorb

Donald Trumps früherer Wahlkampfberater Roger Stone, dem zurzeit in der Russland-Affäre der Prozess gemacht wird, hat vor einigen Tagen via Instagram seine eigene Richterin attackiert. Nun muss er die Konsequenzen tragen.

Roger Stone, ehemaliger Wahlkampfberater von US-Präsident Donald Trump vor dem Bezirksgericht in Washington

Zum Schweigen verdonnert: Roger Stone, ehemaliger Wahlkampfberater von US-Präsident Donald Trump vor dem Bezirksgericht in Washington

AFP

Der im Zusammenhang mit den Russland-Ermittlungen angeklagte ehemalige Wahlkampfberater von US-Präsident Donald Trump, Roger Stone, darf nicht mehr öffentlich über seinen Fall reden. Das hat die Richterin in dem Prozess entschieden, nachdem Stone auf seinem Instagram-Profil ein Posting veröffentlicht hatte, auf dem sie neben einem scheinbaren Fadenkreuz zu sehen ist. Das Bild hatte er mit dem Kommentar versehen: "Durch juristische Trickserei hat der Auftragskiller des "Staates im Staate", Robert Mueller, dafür gesorgt, dass der anstehende Schauprozess gegen mich vor Richterin Amy Berman Jackson stattfinden wird, eine von Obama ernannte Richterin (...)."

Stones Rechtsanwälte hatten dem Gericht nach der Instagram-Aktion ihres Mandanten ein Entschuldigungsschreiben geschickt, dass Stone zwar unterschrieben, aber nicht verfasst hatte, wie er laut dem US-Nachrichtensender CNN selbst sagte. Jackson lud den 66-Jährigen daraufhin erneut vor, um ihn zu dem Posting zu befragen.

Richterin glaubt Roger Stone nicht

Zu Beginn der Anhörung habe sein Verteidiger Stone die Entschuldigung wiederholen lassen - diesmal unter Eid und aus dem Zeugenstand heraus, berichtet CNN. Auch im weiteren Verlauf der Anhörung habe der Politikberater sein Verhalten mehrfach bedauert und erklärt, das Foto mit dem Fadenkreuz sei von einem seiner fünf oder sechs freiwilligen Helfer ausgesucht worden, dessen Namen er aber nicht nennen könne. Er selbst habe es dann aus mehreren Bildern ausgewählt und auf Instagram gepostet. Das Fadenkreuz habe er für ein keltisches Symbol gehalten.

Die Richterin wollte von Stone daraufhin wissen, ob er eine Ahnung habe, wie man mit Google im Internet suche, wie die Zeitung "USA Today" berichtet. "Wie schwer war es, ein Foto zu finden, das kein Fadenkreuz in der Ecke hatte?", habe Jackson den früheren Trump-Berater gefragt und erklärt, dass sie seinen Aussagen nicht glaube. "Danke, aber die Entschuldigung klingt ziemlich hohl. An einem Fadenkreuz gibt es keine Unklarheiten." Das Bild sei geeignet gewesen, eine wütende Menge zu Gewalt anzustacheln.

Stones Auftritt im Zeugenstand sei nicht reibungslos verlaufen, schreibt CNN. Seine unpräzisen und wechselhaften Antworten hätten die Geduld der Richterin strapaziert.Schließlich entschied Jackson den Medienberichten zufolge, dass Stone zu dem Fall, der ihm in den letzten Wochen reichlich öffentliche Aufmerksamkeit und Interviews bescherte, weder in irgendwelchen Medien, noch via Pressemitteilungen, Blogs, Facebook-, Twitter-, Instagram- oder Snapchat-Posts Stellung beziehen dürfe. Damit wolle sie verhindern, dass der Fall in einen Zirkus ausarte, so die Richterin.

"Dirty Trickster" und "politischer Auftragsmörder"

Stone werden von US-Sonderermittler Robert Mueller in der Affäre um die russische Manipulation des US-Wahlkampfs 2016 Behinderung der Kongressuntersuchungen, Falschaussage und Zeugenbeeinflussung vorgeworfen. Er ist gegen eine Kaution von 250.000 Dollar auf freiem Fuß und weist alle Vorwürfe von sich. Richterin Jackson hatte Stone schon in der vergangenen Woche einen Maulkorb verpasst. Der galt aber nur für Äußerungen im Gerichtsgebäude und in dessen unmittelbarer Umgebung. Anwälte und Staatsanwälte in dem Fall hatte Jackson ebenfalls angewiesen, sich weder in der Öffentlichkeit noch gegenüber den Medien auf eine Weise zu äußern, die das Verfahren gefährden könnte.

Roger Stone ist seit Jahrzehnten eine umstrittene Figur in der US-Politik. Zu Beginn seiner Karriere arbeitete er für den später zurückgetretenen US-Präsidenten Richard Nixon. Im Jahr 2000 organisierte Stone nach der Präsidentschaftswahl Proteste gegen eine Stimmen-Neuauszählung in Florida, die möglicherweise den demokratischen Kandidaten Al Gore zum Staatsoberhaupt gemacht hätte - anstelle von George W. Bush. Stone wird wegen dieser und anderer Aktionen "Dirty Trickster" und "politischer Auftragsmörder" genannt.

Quellen: CNN"USA Today"

mad