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Kundenkarten: Massive Datenschutz-Verstöße

Eine Studie der Verbraucherzentrale schlägt Alarm: Fast alle Bonuskarten sammeln mehr Daten über den Kunden, als notwendig ist. Die Unerfahrenheit der Inhaber wird schamlos ausgenutzt.

Massive Verstöße gegen den Datenschutz haben Verbraucherschützer bei den inzwischen weit verbreiteten Kundenkarten festgestellt. Laut einer am Montag vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) veröffentlichten Studie sammeln fast alle Bonuskarten mehr Daten über den Kunden, als notwendig ist. "Die Unerfahrenheit der Verbraucher in Sachen Datenschutz wird von einigen Firmen schamlos ausgenutzt", kritisierte vzbv-Vorstand Edda Müller.

Kartenprofile speichern gekaufte Produkte

Zu den häufigsten Verstößen zählen den Angaben zufolge das Sammeln von Daten über die gekauften Produkte, fehlenden Informationen der Verbraucher über ihre Datenschutzrechte und unzureichende Einwilligungserklärungen über die Verwendung der Daten. Müller rief die Unternehmen dazu auf, schnell und umfassend Konsequenzen zu ziehen. "Wer für seine Kundenprofile speichern will, wenn ein Kunden Schmerzmittel, Kondome oder Diätprodukte kauft, der soll es offen sagen oder sein lassen."

Viele Angaben überflüssig

Fast alle Kundenkarten verstoßen der Studie zufolge gegen eine oder mehrere grundlegende Datenschutzbestimmungen. Schon beim Beantragen der Karten würden Daten erhoben, die für das Bonusprogramm überhaupt nicht notwendig seien, aber für detaillierte Kundenprofile für die Unternehmen umso wertvoller seien. Hierzu zählte Müller das vollständige Geburtsdatum, die Telefonnummer, eMail-Adresse oder Angaben zu Einkommen, Beruf und Interessen.

Meist wird ohne Einwilligung gespeichert

Auch beim Bezahlen mit der Kundenkarte werden laut Verbraucherschützer häufig mehr Daten erhoben, als erforderlich. Zu erfassen, wie viel der Kunde ausgegeben habe, sei für das Funktionieren der Bonussysteme notwendig. Zu speichern, was er gekauft habe, sei dagegen ein unzulässiger Schritt zum gläsernen Verbraucher, solange dieser für die Erhebung nicht sein Einverständnis gebe, erklärte der Verband.

Kritik an Vodafone Stars und S-Points

Kritik übten die Verbraucherschützer sowohl am Bonusprogramm Vodafone Stars, als auch am Programm S-Points der Sparkassen Wuppertal, Essen und Bochum. Diese machten die Teilnahme des Kunden an dem Bonussystem von seiner Einwilligung in die Nutzung seiner Daten zu Werbezwecken abhängig. Unerlässlich sei es auch, die Kunden über ihre Datenschutzrechte und die Teilnahmebedingungen an den Bonusprogrammen zu informieren. Bei Happy Digits liegen den Angaben zufolge dem Antragsformular dagegen keine Teilnahmebedingungen bei. Es gebe lediglich den Hinweis, dass die Teilnahmebedingungen mit dem Versand der Karte zugestellt werden oder per Faxabruf angefordert werden können. Auch das Internet-Anmeldeformular von S-Points enthalte keinen Link auf die Teilnahmebedingungen, diese seien auf den Webseiten des S-Points-Programms nur schwer zugänglich, so die Verbraucherschützer.

Datenschutz als Gütesiegel

Müller forderte daher: "Ein umfassender Daten- und Verbraucherschutz muss zum Gütesiegel für Kundenkarten werden". Notwendig seien deshalb branchenweit verbindliche Standards. Mit der Untersuchung hatte der vzbv das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) beauftragt. Zu den geprüften Karten zählten unter anderem Payback, Happy Digits, Lufthansa Miles & More, Webmiles, Vodafone-Starts, zahlreiche City Cards, Shell ClubSmart, Bahn Comfort und Apothekenkarten.

DPA